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Drei Goldmedaillengewinner erzählen
Was vom Olympiasieg bleibt

Engleder beißt auf Gold
Engleder beißt auf Gold FOTO: dpa, nic
Düsseldorf. Sportschützin Barbara Engleder, Speerwerfer Thomas Röhler und Sönke Rothenberger, der mit der Dressur-Equipe Olympiasieger wurde, erzählen, wie die Goldmedaille von Rio ihr Leben verändert hat.

Schützin Barbara Engleder: "Drücke wieder die Schulbank"

Bis letztes Jahr hab ich 15 Jahre lang als Spitzensporlerin der Bundeswehr die Welt bereist. Nach meinem Karriereende muss ich nun aber wieder die Schulbank drücken und hinter dem Schreibtisch sitzen. Es wird einem halt nichts geschenkt, das ist im Sport wie im Beruf. Ich mag meine Arbeit als Verwaltungsfachangestellte echt gerne, aber es ist natürlich nicht mit meinem bisherigen Leben zu vergleichen. Leider ist der Schießsport bei Olympia immer noch eine Randsportart. Sponsoren sind somit nicht leicht zu finden. Sicher, man wird auf der Straße hin und wieder erkannt, aber mehr Geld gibt es dafür nicht. Und die 20.000 Euro der Sporthilfe für die Goldmedaille sind toll und viel Geld für mich, aber wenn man die Vergütung mit der anderen Nationen wie China, Russland oder gar Griechenland vergleicht, ist das dann doch eher wenig. Als Olympiasieger wurde man anfangs ziemlich herumgereicht, alle fanden es toll, und wir Medaillengewinner haben uns sicher mehr als einmal gebührend feiern lassen. Das war turbulent, stressig und schön. In dem Ort, in dem ich lebe, kannten mich aber auch vorher schon alle. Ich bin damit aufgewachsen, wegen meiner sportlichen Leistungen erkannt zu werden. Mittlerweile werde ich aber nur noch selten darauf angesprochen. Das ist okay für mich, das Leben geht ja weiter, und man soll sich ja bekanntlich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, sondern sich immer wieder neue Ziele stecken. Und das hab ich vor.

Speerwerfer Thomas Röhler: "Spüre mehr Verantwortung"

Alle Olympiasieger von Rio de Janeiro FOTO: dpa, hpl

Neben dem sportlichen Alltag, der dann ja doch irgendwie normal weiterläuft, sind nach Rio viele positive Herausforderungen hinzugekommen. Ich habe ja schon 2014 eine Leitbildfunktion für die Leichtathletik übernommen, und mit dem Olympiasieg im Rücken spüre ich nun noch einmal eine ganz andere Verantwortung für meine Sportart. Deutschland ist ein Medaillenland, und wer eine Medaille bei Olympia holt, der kann sich öffentlicher Wahrnehmung auch sicher sein. Natürlich kann es passieren, dass man als Olympiasieger im Anschluss bei Terminen herumgereicht wird, und in den ersten vier Wochen nach Rio war ich in der Hinsicht schon fremdbestimmt und musste das Boot einfach mal fahren lassen. Diese Phase sollte man als Sportler aber auch genießen. Langfristig ist es mir jedoch viel lieber, da aktiv etwas draus zu machen. Dazu gehört auch, dass bestehende Sponsoren weitermachen und neue dazukommen. Als Leichtathlet bin ich ja zudem in der glücklichen Lage, die EM 2018 in Berlin vor der Nase zu haben. Olympiasieger zu werden und dann die EM im eigenen Land – eine bessere Konstellation hätte ich mir nicht wünschen können. Denn was ich in jedem Fall spüre, ist die Tatsache, dass ein Olympiasieg für immer bleibt. Und mit ihm die Wertschätzung für diesen Erfolg. Trotzdem geht es ja weiter, und ich bin gespannt, wie es für mich nach der WM im August in London aussieht, und dann vor allem nach der EM 2018.

Dressurreiter Sönke Rothenberger: "Gehe weiter zur Uni"

Olympia 2016: Gold! Dressur-Team nicht zu schlagen FOTO: dpa, hpl

Direkt nach den Spielen in Rio habe ich im eigenen Umfeld, vor allem in meiner Heimatstadt, natürlich gemerkt, dass ich plötzlich öfter auf der Straße erkannt wurde. Außerdem wurde ich zu einigen Sportlerehrungen und Veranstaltungen eingeladen. Das habe ich sehr genossen, das hat sich inzwischen allerdings auch wieder merklich beruhigt. Übrigens: Ich gehe nach dem Olympiasieg auch ganz normal weiter zur Uni. Man merkt in jedem Fall, dass man nach solch einem Titelgewinn definitiv viel mehr Wertschätzung und Anerkennung erfährt als zum Beispiel nach einem Sieg bei einem normalen Nachwuchschampionat. In den Medien ist natürlich auch viel berichtet worden. Insgesamt muss ich deshalb sagen: Man hat sich nach dem Olympiasieg in verschiedenen Bereichen sehr um mich bemüht. Was die finanziellen Auswirkungen angeht, so haben wir nach Rio einen neuen Partner für eine Beteiligung an meinem Pferd Cosmo gefunden. Es haben sich auch neue Sponsoren gemeldet, wie etwa bei der Sportbekleidung. Und schließlich haben wir auch mit bestehenden Sponsoren die Verträge noch optimieren können. 

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