Olympia 2008 in Peking: Die Angst vor dem chinesischen Essen
VON JOHNNY ERLING - zuletzt aktualisiert: 03.03.2008 - 15:49Peking (RPO). Peking hat bestürzt auf die Nachrichten reagiert, dass das Olympische Komitee der USA (USOC) der Sicherheit der chinesischen Nahrungsmittel nicht vertraut. Aus Angst vor Hormonrückständen im Essen will das USOC für seine mehr als 600 bei den Sommerspielen im August 2008 antretenden Athleten einen Großteil der Nahrung aus den USA einfliegen.
Zudem sollen die Sportler für sich in einem eigenen Trainingszentrum verköstigt werden. Catering-Chefin Kang Yi hielt entgegen: „Wir haben größte Anstrengungen unternommen,” um die Sicherheit der Versorgung zu garantieren und es allen Athleten zu ermöglichen, im Olympischen Dorf zu essen. „Wenn sich die US-Delegation ausschließt, ist das schade.“
Die Zeitung hatte gemeldet, dass die Sportler in ihrem Trainingszentrum, das rund 20 Fahrminuten vom Olympischen Dorf entfernt liegt, auch eine besondere Sportlerkantine einrichten wollten. Die Proteine für ihre dort täglich drei Mahlzeiten würden Großsponsoren wie Kellog‘s und Tyson einführen. Die „New York Times“ berichtete, bei Analysen lokaler Lebensmittel seien Wachstumshormone etwa in einer Hühnerbrust entdeckt worden.
Vor Ort gekaufte Gemüse oder Fleisch könnten Rückstände von Pflanzenschutzmittel oder illegal verabreichter Substanzen enthalten, die bei Dopingproben die Athleten belasten. Solche pauschalen Vorwürfe will Peking nicht auf sich sitzen lassen. „Unsere Vorschriften und Standards für Nahrungsmittel liegen deutlich über internationalen den Anforderungen“ sagte die Sprecherin der Pekinger Aufsichtsbehörde Tang Yunhua.
Alle Nahrungsmittel und von Sponsoren gelieferte Getränke, die ins Olympische Dorf kämen, würden besonders scharf überwacht. Hygienebeamte könnten über umfassende Monitorkontrollen und Datenbanken die Herkunft jedes Lebensmittels vom Hersteller oder Bauern über Verarbeiter und Schlachthof nachverfolgen.
Warnungen über Rückstände in chinesischen Nahrungsmitteln, die für die Sportler bei Dopingtests folgenschwer auffallen, sind aber keine Unkenrufe, die nur von ausländischen Kritikern kommen.
Die Gefahr, nach einem chinesischen Mahl positiv getestet zu werden, sei eine „reale Möglichkeit“, zitierte einst die offizielle englischsprachige Landeszeitung „China Daily“ einen der chinesischen Topexperten für Lebensmittelsicherheit Yang Shumin.
Hintergrund der Warnungen Yangs, der einst als Leiter des Pekinger Antidoping-Zentrums arbeitete, war eine Serie von Lebensmittelskandalen 2006. Viele Jahre hatten bei nur laxen Kontrollen Millionen Bauern Vieh und Geflügel mit wachstumsfördernden Substanzen von Anabolika, Karzinogenen bis zu Antibiotika aufgepäppelt, die ihnen von skrupellosen Vertretern aufgeschwatzt wurden. In Shanghai wurden mehrere hundert Chinesen krank, nachdem sie übermäßig belastetes Schweinefleisch verzehrten.
Pekings Behörden ließen mit Chemikalien verfärbte Enteneier vernichten, verboten den Verkauf von Steinbutt voller Antibiotika. „China Daily“ berichtete über die Gründe: „Die Bauern verwenden gefährliche Unkrautvertilger, Düngemittel und Chemikalien, um ihre Nahrungsmittel aufzupäppeln. Flüsse schwemmen auf ihre Böden Schwermetalle.
Hinzu kommt fehlende Hygiene.“ Lebensmittelforscher Yang riet den zu den Spielen 2008 kommenden 10500 Athleten, keine unkontrollierten Lebensmittel zu essen: „Wenn ihr in Peking seid, esst am besten nur im gut überwachten Olympia-Dorf.“
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