Gigantische Eröffnungsfeier in Peking: Die Spiele sind eröffnet
zuletzt aktualisiert: 08.08.2008 - 20:03Peking (RPO). Feuerwerk, Schauspiel und Musik - mit einer spektakulären Show der Superlative haben am Freitagabend die 29. Olympischen Spiele der Neuzeit in Peking begonnen. Die Eröffnungsfeier vor 91.000 Zuschauern in dem neuen Stadion mit dem Beinamen "Vogelnest" folgte einem Drehbuch, das 5.000 Jahre chinesischer Geschichte Revue passieren ließ - vom Bau der Chinesischen Mauer bis zur Raumfahrt.
An dem Spektakel waren etwa 15.000 Darsteller beteiligt, unter ihnen 2.008 Trommler, die zu Beginn der Feier den Takt vorgaben. Es folgten Kinder, Fahnenträger, Marionettenspieler, Akrobaten, Tänzerinnen und Kung-Fu-Kämpfer.
Die einzigartige Choreografie folgte den Vorgaben des Regisseurs Zhang Yimou, dessen frühe Filme noch Probleme mit der Zensur bekommen hatten. Die jüngste politische Geschichte Chinas hatte in der Inszenierung keinen Platz - so fehlte jede Referenz an Mao Tse Tung oder die kommunistische Geschichtsphilosophie des Klassenkampfs.
Im Anschluss an ein grandioses Feuerwerk - insgesamt wurden 30.000 Raketen in den Abendhimmel über Peking geschickt - folgte mit dem Einmarsch der 204 Nationalteams der traditionelle Höhepunkt der Feier.
So viele Nationen waren noch nie zuvor bei den Sommerspielen vertreten. Die Reihenfolge der Nationen folgte nicht wie sonst dem lateinischen Alphabet, sondern richtete sich nach der Zahl der Striche für ihre Schreibweise in der über 3.000 Jahre alten chinesischen Schrift.
An erster Stelle aber liefen unabhängig von dieser Reihenfolge die Sportler aus Griechenland ein, wo die antike Tradition der Olympischen Spiele entstand. Den Abschluss bildete das Team des Gastgeberlandes mit 639 Athleten.
Kühler Empfang für Japan
Einen kühlen Empfang erhielten die Japaner, zu denen die Chinesen nicht nur aus historischen Gründen ein gespanntes Verhältnis haben. Mit besonders starkem Applaus begrüßt wurden aber die chinesischen Sportler aus Taiwan, die mit der olympischen Fahne einliefen.
Zu den letzten Mannschaften, die ins Stadion gelangten, gehörte das deutsche Team. Angeführt von Basketballstar Dirk Nowitzki als Fahnenträger wurde es freundlich begrüßt. Insgesamt kämpfen in Peking 436 Athleten aus Deutschland um Medaillen.
Nowitzki zeigte sich tief beeindruckt von der Eröffnungsfeier. "Das war einfach gigantisch. Wenn man ins Stadion einläuft und die vielen Leute sieht, da läuft es einem kalt den Rücken runter", sagte der Basketball-Nationalspieler.
"Es war ein tolles Gefühl, wie mich die Mannschaft ins Stadion geschickt hat", ergänzte der 30 Jahre alte NBA-Star von den Dallas Macvericks, für den schon mit seiner ersten Olmpiateilnahme ein großer Traum in Erfüllung gegangen war.
Unter dem donnernden Jubel der Zuschauer kamen schließlich auch die chinesischen Sportler ins "Vogelnest", angeführt von Basketball-Idol Yao Ming. An seiner Seite hatte er einen neunjährigen Jungen, der die Erdbebenkatastrophe vom Mai in der Provinz Sichuan überlebt hat.
Die 639 chinesischen Sportler hoffen, die USA im Medaillenspiegel überrunden zu können, wenn ab Samstag die ersten olympischen Entscheidungen fallen. Vor allem bei der Frauengymnastik und im Schwimmen werden sich beide Nationen einen intensiven Wettbewerb liefern.
Die amerikanischen Sportler wurden von ihrem Präsidenten George W. Bush noch einmal angespornt: "Wir wollen, dass ihr so viele Goldmedaillen gewinnt wie möglich. Auf geht's, gebt alles, was ihr habt!"
Bush, der russische Ministerpräsident Wladimir Putin und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy waren die prominentesten der rund 80 Staats- und Regierungschefs im Stadion.
Sie kamen trotz der monatelangen Kritik an der Menschenrechtspolitik Chinas, die mit den Unruhen in Tibet im März einen neuen Höhepunkt erreichte und den Olympischen Fackellauf an vielen Stationen zu einem Spießrutenlauf werden ließ. Neben Tibet und den Menschenrechten war auch die Unterstützung Chinas für den Sudan ein Stein des Anstoßes.
Den Konflikt in der sudanesischen Region Darfur personifizierte der US-Flaggenträger Lopez Lomong, der als ehemaliger Flüchtling dem "Team Darfur" angehört, einer Vereinigung von Sportlern, die die chinesische Unterstützung für den Sudan kritisieren. Am Freitag hielt sich der 1.500-Meter-Läufer aber zurück und sagte lediglich, die Chinesen hätten in der Vorbereitung der Spiele Großartiges geleistet.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) blieb aber fest bei seiner Entscheidung, die Spiele an Peking zu vergeben. IOC-Präsident Jacques Rogge sprach von einer "Chance für den Rest der Welt zu entdecken, was China wirklich ist".
Die Eröffnungsfeier gab zumindest einen Eindruck von der Vielfalt der chinesischen Kultur. Neben den pompösen Massenauftritten gab es vor allem zum Schluss auch stillere, fast märchenhafte Akzente. China habe lange davon geträumt, seine Tore für die Sportler der Welt zu öffnen, sagte IOC-Präsident Jacques Rogge. "Heute wird dieser Traum Wirklichkeit."
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