Kinder-Drill im Olympia-Land: Die Tränen-Kinder von Peking
VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 23.07.2008 - 17:35Peking (RPO). Sie sind fünf Jahre alt, vielleicht sechs oder sieben. Sie trainieren jeden Tag viele Stunden in oft heruntergekommenen Hallen. Immer wieder müssen sie sich strecken. Ihre Augen zeigen Schmerz und Angst. Ihr junges Leben kennt nur ein Ziel: Eines Tages als Sportler China Ehre zu machen.
Die Aufnahmen entstanden in einer Sportschule irgendwo in Peking. Ein Junge hängt an einer Sprossenwand. Loslassen darf er nicht. Ein Trainer stoppt die Zeit, die das magere Kind aushalten muss. Mit durchgedrückten Ellenbogen und schmerzenden Händen. Das Kind trägt nur eine Turnhose. Kein Hemd, keine Schuhe. Der Junge hat Tränen im Gesicht.
Schulen wie diese gibt es mehrere Hundert in ganz China. Experten gehen von insgesamt 400.000 Schülern aus. Früh werden Kandidaten aussortiert. Wer im Alter von vier oder fünf Jahren Talent und die passende Physis zeigt, wird von Sportlehrern und Trainern für eine der Schulen ausgewählt. Die Eltern bezahlen das teure Schulgeld. Wenn sie können.
Die besten Kinder schaffen es eines Tages auf das "Shichahai"-Institut, ebenfalls in Peking. Hier trainieren die Besten. Hier werden 600 Kinder von 80 Trainern betreut. Das rigide System der Sportförderung entstand in der Sowjetunion.
Experten sehen hinter dem Kinder-Drill in erster Linie politische Motive. Erfolgreiche Sportler sollen das Image des Riesenreichs in der Welt aufpolieren. Auch die rund 1,3 Milliarden Chinesen sollen sehen: Bei uns lohnt sich Leistung.
China plant weit über die Spiele im eigenen Land hinaus. Die Tränen-Kinder aus Peking können frühestens an den Spielen 2016 teilnehmen. Wenn sie bis dahin den Drill überstehen. Und sich tatsächlich gegen die vielen Tausend Mitstreiter durchsetzen.
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