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Olympische Sommerspiele 2024
Trump-Wahl ist auch eine Gefahr für Los Angeles

Olympia 2024: Der Zeitplan bis zur endgültigen Entscheidung
Olympia 2024: Der Zeitplan bis zur endgültigen Entscheidung
Los Angeles. Die USA haben viel vor. Los Angeles will Olympia 2024 ausrichten, zwei Jahre später könnte die Fußball-WM in den Vereinigten Staaten stattfinden. Ehrgeizige Vorhaben, die durch die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten nicht einfacher geworden sind.

Stolz trug Donald Trump beim Fackellauf zu den Sommerspielen 2004 in Athen für einige hundert Meter das olympische Feuer. Nur zu gern würde der Sportfan das Sport-Großereignis auch in seinem Heimatland sehen. Doch gerade seine umstrittene Wahl zum 45. US-Präsidenten könnte die Hoffnungen von Los Angeles auf den Zuschlag für die Sommerspiele 2024 zerschlagen.

So lauten jedenfalls die Befürchtungen aus dem Umfeld der LA-Kampagne, auch wenn das Bewerbungskomitee eilig Trump zum Wahlsieg gratulierte. Man schätze die langjährige Unterstützung Trumps für die olympische Bewegung und freue sich auf die Zusammenarbeit, um neue Spiele für eine neue Ära zu liefern, lautete die offizielle Version. Intern wurde indes der Sieg des Milliardärs im Duell mit Hillary Clinton auf einer Katastrophen-Skala bis zehn mit achteinhalb bis neun eingestuft, wie die Zeitung "USA Today" erfuhr.

Die Sorge der LA-Verantwortlichen ist nicht ganz unbegründet. Schließlich hat Trump mit seinen populistischen Worten im Wahlkampf wie dem geplanten Bau einer Mauer zu Mexiko, Restriktionen bei der Einwanderung aus muslimischen Ländern oder der Ausweisung illegaler Einwanderer weltweit aufgeschreckt. Dies könnte bei der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees am 13. September 2017 im Dreikampf mit Paris und Budapest wichtige Stimmen bei IOC-Mitgliedern aus arabischen oder lateinamerikanischen Staaten wie auch bei den weiblichen Stimmberechtigten kosten.

So hatte der demokratische Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti, ein Unterstützer von Clinton, bereits während der Sommerspiele in Rio seine Bedenken geäußert. Ein Amerika, das sich nach innen wende, sei nicht gut für den Weltfrieden, für den Fortschritt. "Amerika muss sich in der Welt engagieren. Olympia ist der perfekte Weg, um dies zu tun", sagte Garcetti.

Doch nicht nur auf die Olympia-Vergabe könnte die Trump-Wahl Einfluss haben, auch die Bestrebungen der USA im Rennen um die Austragung der Fußball-WM 2026 sind betroffen. Mit Blick auf eine mögliche Erhöhung des WM-Teilnehmerfeldes auf 40 oder 48 Mannschaften zählte Amerika zu den Favoriten - womöglich im Verbund mit einem Nachbarland wie Kanada oder Mexiko. Doch gerade Trumps Tiraden in Richtung Mexiko machen eine gemeinsame Bewerbung unwahrscheinlich. Einen ersten Stimmungstest könnte am Freitag das ohnehin brisante WM-Qualifikationsspiel zwischen den USA und Mexiko bringen.

"Ich hoffe, dass unsere Fans jedem im Stadion den Respekt geben, den er verdient. Egal ob Amerikaner, Mexikaner, Neutrale, Männer, Frauen oder Kinder", sagte der frühere Gladbacher Michael Bradley und war vor dem Duell in Columbus um Beschwichtigung bemüht.

Gespannt blicken auch die Verantwortlichen der großen Ligen in Football, Basketball und Baseball auf die weitere Entwicklung. So hatte Trump im Wahlkampf noch Football als "Sport für Weicheier" abgekanzelt und die neuen Regeln zum Schutz der Spieler kritisiert. Vorbei die Zeiten, wo sich Trump im Football engagiert und das Team der New Jersey Generals übernommen hatte. Im Baseball glaubt MLB-Commissioner Rob Manfred nicht, dass die Wahl des 70-Jährigen Einfluss auf die Expansionspläne der Liga nach Kuba oder Mexiko haben könnte.

So kritisch die Stimmen aus der Sportwelt auch waren, einige wenige Unterstützer hat der zukünftige US-Präsident aber doch. Etwa Golfprofi John Daly, der auch nicht den besten Ruf genießt, oder Golf-Legende Jack Nicklaus, die den Sieg Trumps begrüßten. Der Populist pflegt ohnehin enge Verbindungen zum Golfsport. So soll er nach eigenen Angaben ein formidables Handicap von 3,7 haben, daneben gehören zahlreiche Golfplätze zu seinem Imperium.

Das dürfte den Olympia-Befürwortern von Los Angeles kaum weiterhelfen. Interessant dürfte auch sein, ob Trump im nächsten Jahr ähnlich wie zuvor viele Staatschef bei der Olympia-Vergabe sein politisches Gewicht einbringen wird. Was dies betrifft, war sein Vorgänger im Amt aber auch nicht sonderlich erfolgreich. 2009 hatte Barack Obama auf der IOC-Session in Kopenhagen für Olympische Spiele in Chicago geworben. Seine langjährige Heimatstadt schied bereits in der zweiten Runde aus.

(seeg/dpa)
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