Olympia: Fackellauf wird wieder eingegrenzt
zuletzt aktualisiert: 27.03.2009 - 15:02München/Denver (RPO). Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat auf die weltweiten Proteste beim Fackellauf vor den Olympischen Spielen in Peking reagiert. Die in Athen 2004 eingeführte Tour über alle fünf Kontinente wird abgeschafft. Nach seiner Entzündung im Heiligen Hain in Griechenland fliegt das Feuer demnächst direkt ins Land des Olympia-Gastgebers.
"In der Auswertung der Spiele von Peking sind wir zu dem Schluss gekommen, dass ein internationaler Lauf zu große Gefahren birgt", begründete IOC-Direktor Gilbert Felli den Beschluss der IOC-Exekutive bei ihren Tagungen in Denver. "Innerhalb des Gastgeberlandes haben wir eine bessere Kontrolle."
Die Organisatoren von Winter-Olympia 2010 in Vancouver und Sommer-Olympia 2012 in London hatten sich zuvor bereits entschlossen, auf einen internationalen Lauf zu verzichten, Sotschi 2014 soll ebenfalls darum gebeten werden. Für alle zukünftigen Spiele ist ein entsprechender Passus in den Verträgen mit den Gastgebern geplant.
Am Rande des weltumspannenden Fackellaufs für Peking durch 19 Länder sowie Griechenland und China hatte es massive Proteste wegen Chinas gewaltsamen Vorgehens gegen Demonstranten in Tibet und gegen seine Menschenrechtspolitik gegeben. In London und Paris herrschte dabei das blanke Chaos. In der französischen Hauptstadt wurde das Feuer von Demonstranten dreimal gelöscht, ehe es per Bus auf die letzten Meter ging. Massive Kritik gab es auch an den in offizieller Olympia-Montur gekleideten chinesischen Sicherheitskräften, die allerorten rabiat durchgriffen.
IOC-Vize Thomas Bach beklagte im Mai vergangenen Jahres, der Olympische Fackellauf habe sich zu einem staatlichen Hoheitssymbol des Gastgeberlandes entwickelt: "Gerade dies aber ist er nicht." Deshalb forderte er damals, das IOC müsse ihn "selbstkritisch überdenken".
Nach dem Beschluss der IOC-Exekutive wird der Lauf im Vorfeld von Peking als "Lauf der Rekorde" wohl unerreicht bleiben. Die 130-tägige Tour führte über 137.000 km und legte sogar einen Zwischenstopp auf dem Mount Everest, dem Dach der Welt ein. Dagegen hatten Umweltschützer aufs Heftigste protestiert, weil unter anderem eine Straße ins Basislager auf einer Strecke von 108 Kilometern zum Preis von 13,5 Millionen Euro geteert worden war.
Die Vision eines Fackellaufes von der Geburtsstätte Olympias an den Schauplatz der Spiele entwickelte 1936 Carl Diem, der Generalsekretär von Olympia in Berlin. Am 20. Juli 1936 wurde die Flamme im Heiligen Hain von Olympia entzündet und in 13 Tagen über mehr als 3000 km von mehr als 3000 Läufern nach Berlin getragen.
Bei Winterspielen gab es einen Fackellauf erstmals 1952 in Oslo. Dabei beschränkte sich die Strecke jedoch in aller Regel auf Griechenland und das Gastgeberland, so auch zuletzt vor Turin 2006 - zu dieser Tradition wird nun auch bei den Sommerspielen zurückgekehrt.
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