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Sommerspiele in Rio
Letzte Olympia-Chance für Britta Heidemann

Fechten: Das ist Britta Heidemann
Fechten: Das ist Britta Heidemann FOTO: 4attention
Leverkusen. 22 Fechterinnen kämpfen in Prag um ein Ticket nach Rio. Die Leverkusenerin sagt: Es ist eine große Herausforderung. Von Stefanie Sandmeier

Die Aufgabe scheint wie gemacht für die Sportlerin Britta Heidemann. Große Herausforderungen liegen der Fechterin des TSV Bayer Leverkusen. Das hat sie schon so oft in ihrer erfolgreichen Karriere bewiesen. Wenn es darum geht, Topleistungen abzurufen, kann Heidemann auf den Punkt da sein. Ihre größter Trumpf: ihre mentale Stärke. Die sicherte ihr schon so manches enges Gefecht.

Morgen, beim Kontinentalausscheid in Prag, ist wieder ein solcher Tag, an dem es darauf ankommt. Der Druck ist enorm, die Ausgangslage klar definiert. 22 Starterinnen kämpfen um ein Olympia-Ticket. Die 33-Jährige muss Platz eins belegen, um nach 2004 in Athen mit Team-Silber, 2008 in Peking mit Einzel-Gold und Rang zwei 2012 in London auch in Rio de Janeiro dabei zu sein. Es ist ihre letzte Chance überhaupt, sich den Traum von ihren vierten Spielen zu erfüllen. Britta Heidemann scheint diese Ausgangslage aber eher anzuspornen. "Es geht um den Sieg. Das ist eine große Herausforderung, aber so eine klare Situation mag ich", lässt die Degenspezialistin auf ihrer Internetseite ausrichten. "Ich bin hoch motiviert."

Und nach eigenem Bekunden gut vorbereitet. "Ich habe so viel gefochten, wie es meine Achillessehne erlaubt hat. Für die Kondition habe ich mich auf das Ergometer gesetzt. Ich denke, wir haben die richtige Mischung an Trainingsinhalten gefunden, damit ich in Prag physisch so fit wie möglich und mental voll auf der Höhe bin. Das Training lief gut, die Spannung stimmt."

Doch in Prag wird es auch darauf ankommen, wie stark die Silbermedaillengewinnerin der Spiele in London durch ihre Achillessehnenprobleme behindert wird. Ein leidiges Thema für Heidemann. Seit mehr als einem Jahr plagt sie sich mit einer Entzündung herum. Eine längere Pause scheint unausweichlich. Die soll aber am liebsten erst nach Rio folgen. So lange will Heidemann auf die Zähne beißen, sich durchkämpfen. "Ich bin schon aufgeregt, weil ich so einen Wettkampf bisher noch nicht hatte. Ich bin aber auch froh, dass ich die Chance überhaupt noch habe und es in meiner Hand liegt", sagt Heidemann, die überzeugt ist: "Am Ende entscheidet der Kopf."

Die Degen-Mannschaft scheiterte erstmals in der Geschichte bei der Olympia-Qualifikation. Nur die Teams, die sich ein Ticket für den Mannschaftswettbewerb sicherten, dürfen im Einzel automatisch drei Starterinnen melden - und dieses Ziel hat Deutschland klar verpasst.

Und auch über die schwierigere Einzelausscheidung schaffte es die Weltranglisten-18. nicht. Platz fünf hätte Heidemann belegen müssen. "Ich bin unter den Top 20 der Weltrangliste, in fast jeder anderen Waffe hätte das wahrscheinlich gereicht", sagt die Leverkusenerin, die den Modus kritisiert. "Selbst die Nummer sechs wird nicht in Rio am Start sein. Da sollte man sich für die Zukunft Gedanken über den Qualifikationsmodus machen." Über den Umweg Prag soll es nun doch noch klappen. Neben Heidemann haben in Prag noch Jörg Fiedler (Leipzig/Degen) und Anna Limbach (Dormagen/Säbel) eine letzte Chance.

Eine Olympia-Teilnahme der deutschen Vorzeigesportlerin, die für einen Sitz in der Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees ab Sommer kandidiert, wäre auch für das gesamte deutsche Fechten wichtig. Die gut vermarktete Heidemann, die ihre Talente zu nutzen weiß, ist noch immer das bekannteste Gesicht dieser Sportart. Sie ergriff ihre Chancen, die sich ihr mit dem Olympiasieg 2008 in Peking eröffneten - ist auch auf den gesellschaftlichen Bühnen eine gefragte Frau. Ohne sie droht das Interesse an der einst so erfolgreichen Sportart weiter zu schwinden. Kein deutsches Team hat sich für Rio qualifiziert. Sicher dabei sind bisher nur vier Einzel-Fechter.

Heidemann möchte als Letzte dazustoßen. "Es wäre noch einmal ein Highlight, wenn ich es schaffe und noch einmal gigantisch, auf der olympischen Fechtbahn zu stehen."

Quelle: RP
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