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Kolumne: Gegenpressing
König der Empörten

Gegenpressing: Robert Harting - König der Empörten
RP-Sportchef Robert Peters. FOTO: Phil Ninh
Robert Harting hat sich bereits vor dem Beginn der Spiele um eine Medaille in einer Disziplin außer Konkurrenz beworben. Seine Kritik an IOC-Präsident Thomas Bach war zwar lautstark, wird indes nichts bewegen. Die Industrialisierung des Sports schreitet unaufhaltsam voran.

Es gibt ganz viele Gründe, Sport ganz schrecklich toll zu finden. Doch dann wurden die Funktionäre erschaffen. In der vergangenen Woche ist das mal wieder eindrucksvoll von den Mächtigen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) vorgeführt worden. Wer gedacht hat, schlimmer als die dubiosen Machenschaften des Weltfußballverbands Fifa kann es ja eigentlich nicht kommen, der kennt nun eine weitere Steigerungsform. Sepp Blatter dürfte erleichtert aufgeatmet haben, dass es tatsächlich noch einen Menschen auf der Welt gibt, der noch skrupelloser mit Sport als Ware umgeht: Thomas Bach.

Der Diskus-Olympiasieger Robert Harting hat bereits vor dem ersten offiziellen Wettkampf in Rio eine Medaille gewonnen in der Disziplin "König der Empörten". In der ihm eigenen Sprachwahl setzte er ein verbales Gewitter über den IOC-Präsidenten Bach ab. "Er ist für mich Teil des Doping-Systems, nicht des Anti-Doping-Systems. Ich schäme mich für ihn", polterte Harting - natürlich war eine ausreichende Anzahl an Medien vor Ort, um seine Botschaften auch angemessen zu verbreiten. Weil er einmal so schön in Fahrt war, teilte er auch noch mit, dass er Bach "verabscheut". Es verwundert nicht in überwältigendem Maße, dass Bach die Kritik als "unangebracht" an sich hat abperlen lassen.

Bilder: Oldies träumen von Medaillen am Karriere-Ende FOTO: dpa, Christian Charisius

Es ist seit einer ganzen Weile schon etwas ins Ungleichgewicht geraten. Der Sport ist durch seine Industrialisierung überhaupt so groß geworden, die Seele der Spiele ist dabei zwangsläufig auf der Strecke geblieben. Das IOC rühmt sich gerne damit, wie viel Gutes mit der olympischen Idee bereits verwirklicht werden konnte. Dummerweise haben die betreffenden Gastgeberländer der vergangenen Jahre nichts davon gemerkt. Viele der überdimensionierten Anlagen verrotten wie in Athen mittlerweile vor sich hin.

Die Karawane ist längst weitergezogen. Nun eben nach Brasilien, ein Land, das eigentlich schon genug Probleme hat. Die Olympischen Spiele kommen zu einer Unzeit. Ein von Korruption gebeuteltes Land wollte der ganzen Welt sein Lächeln präsentieren. Herausgekommen ist bisher ein Sammelsurium von kleinen und großen Skandalen und Tragödien. Rio, die erste Olympiastadt Südamerikas, war für diese Aufgabe einfach noch nicht bereit. Dem IOC ist herzlich egal, was mit den Menschen passiert. Ihm geht es um neue Märkte, die erschlossen werden sollen. Denn es gilt immer wieder neue Sponsoren für die olympische Idee zu gewinnen. Vermarktung ist alles.

Die Sportler haben es verdient, dass man sich nun auf sie konzentriert. Das ist wird schwierig genug. Schließlich sind ja auch einige russische Athleten darunter, die in den zweifelhaften Genuss von jahrelangem systematischen Staatsdoping gekommen sind. Aber die Show muss ja weitergehen.

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Quelle: RP
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