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Olympia
Gescheiterte Bewerbungen

Checkliste: Diese Fragen müssen Städte beantworten
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Düsseldorf. Dreimal fanden Olympische Spiele in Deutschland statt. Garmisch-Partenkirchen (Winter) und Berlin machten 1936 den Anfang. 1972 folgte München (beide Sommer), wobei über der größten Sportveranstaltung durch den Terroranschlag auf das israelische Team ein großer Schatten lag. Von Eckhard Czekalla und Detlev Hüwel

Sieben weitere Male versuchte der deutsche Sport seit dem Zweiten Weltkrieg, die Spiele auszurichten – stets vergeblich. Garmisch-Partenkirchen scheiterte im Juni 1955 mit der Bewerbung für Winter-Olympia 1960 im ersten Durchgang, bei dem fünf Kandidaten zur Wahl standen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) entschied sich für Squaw Valley (USA).

Ebenfalls erst bei der IOC-Wahl kam das Aus für Berchtesgaden und Berlin. Die Region in Bayern wollte 1992 die Wintersportler einladen, fiel aber als Erster durch. Sieben Städte stellten sich im Oktober 1986 in Lausanne zur Wahl. Den Zuschlag erhielt das französische Albertville. Damals war der Aufwand für das Gastgeberland noch überschaubar. Als im vergangenen Sommer der Ausrichter für 2022 gesucht wurde, waren nur noch Almaty (Kasachstan) und Peking im Rennen. Die chinesische Metropole, bis dahin nicht als Wintersportort bekannt, siegte.

Das wiedervereinigte Berlin schaffte es 1993 immerhin noch bis vors IOC, war allerdings im Kreis der fünf Anwärter im zweiten Durchgang aus dem Rennen, das Sydney (2000) machte. Danach platzten die Träume, ehe es zur Sache ging.

Leipzig hatte sich in der nationalen Vorentscheidung gegen Düsseldorf (mit dem Ruhrgebiet), Frankfurt/Main, Stuttgart und Hamburg durchgesetzt. Das IOC spielte nicht mit, lehnte die Bewerbung für 2012 wie jene von Havanna, Istanbul und Rio de Janeiro im Vorfeld ab.

München, das als erste Stadt nach Sommer- auch Winterspiele austragen wollte, scheiterte zweimal. Für 2018 unterlag die Isar-Metropole klar mit 25:63 dem südkoreanischen Pyeongchang. Der Versuch, 2022 die Gastgeberrolle spielen zu können, scheiterte bereits in der Anfangsphase. In den Bürgerentscheidungen in München, Garmisch-Partenkirchen und den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land lehnte 2013 die Mehrheit der Bürger eine Bewerbung ab.

Auch Hamburg wurde im November 2013 durch ein Referendum gestoppt. Rund 650.000 der rund 1,3 Millionen Wahlberechtigten hatten abgestimmt. Die Olympia-Gegner kamen auf 51,6 Prozent. Die politische Großwetterlage mit Flüchtlingskrise, Terroranschlägen in Paris, Skandalen im Fußball beim DFB und der Fifa sowie der Entlarvung des flächendeckenden Dopings in Russland ließen die anfängliche Zustimmung bröckeln wie auch die ungeklärte Finanzierung des mit 11,2 Milliarden Euro veranschlagten Spektakels.

Die Olympia-Bewerbung als Motor für Sportdeutschland war das Ziel mit Hamburg. Für den Anlauf 2028 mit einer NRW-Region ist es wohl nicht nur für Mönchengladbachs OB Wilhelm Reiners unerlässlich, die Bürger "in einer sehr frühen Phase" zu beteiligen.

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