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Neuer Erfolg, alte Zweifel:
Katars Handball-Söldner setzen zum nächsten Höhenflug an

Handball-Söldner aus Katar setzen zum nächsten Höhenflug an
Zarko Markovic wurde im damaligen Jugoslawien geboren, spielte für Montenegro und ist jetzt für Katar bei Olympia dabei. FOTO: dpa, mr
Anderthalb Jahre nach ihrem WM-Coup setzen die katarischen Handball-Söldner zum nächsten Höhenflug an. Die Zweifel bleiben.

Der Jubel fiel bescheiden aus. Valero Rivera zeigte kurz die Faust, dann stapfte der spanische Startrainer mit ernstem Gesichtsausdruck in die Kabine. Das imponierende 30:23 gegen den EM-Dritten Kroatien? Für ihn und Katars Handball-Söldner nur ein erster Schritt zur ersehnten olympischen Medaille.

"Es ist mir nicht wichtig, ob wir mit acht, zwei oder fünf Toren gewinnen", sagte der überragende Torhüter Danijel Saric: "Wir haben gezeigt, dass wir in einer guten Verfassung sind, stark und mit Herz. Das ist das Wichtigste." Anderthalb Jahre nach ihrem Sensations-Silber bei der Heim-WM setzen die Kataris in Rio zum nächsten Höhenflug an.

Nach durchwachsenen Testspiel-Ergebnissen, unter anderem einer 17:32-Klatsche im Frühjahr gegen das deutsche Team, scheint die Multi-Kulti-Truppe zum Saison-Höhepunkt urplötzlich wieder im Zenit ihrer Schaffenskraft zu stehen. Vor allem die ausgesprochen austrainierten Rückraumschützen Zarko Markovic (zehn Tore) und Rafael Capote (sechs) liefen neben Saric gegen Kroatien zur Höchstform auf.

Saric steht beispielhaft für das Heer an eingekauften Spitzenkräften im kleinen Wüstenemirat. Der Keeper vom FC Barcelona absolvierte schon Länderspiele für Serbien sowie Bosnien und Herzegowina, bevor er den zweifelhaften Verlockungen der Scheichs wie viele seiner Teamkollegen unterlag.

Der 39-Jährige ist einer von sechs Spielern im Aufgebot des Asienmeisters, die schon für Nationalmannschaften anderer Länder aufgelaufen sind. Mit Kreisläufer Borja Vidal ist ein weiterer Akteur in Spanien geboren und aufgewachsen, der wuchtige Marko Bagaric ist – ausgerechnet – Kroate.

"Am schlechtesten habe ich mich während der Nationalhymne gefühlt", sagte Bagaric nach der Partie gegen seine Landsleute, "aber was soll ich machen? Katar hat mir die Chance gegeben, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein."

Katar profitiert bei seiner ersten Olympia-Teilnahme von den höchst skurrilen Einbürgerungspraktiken im Handball, nach denen jeder Spieler nach drei Jahren ohne Länderspiel den Verband wechseln kann.

Und so darf die von den Scheichs großzügig alimentierte Weltauswahl plötzlich von einer olympischen Medaille träumen. Die nächste Duftmarke wollen die Kataris schon am Dienstag in der Neuauflage des WM-Finales gegen Top-Favorit Frankreich setzen. "Die Franzosen sind sehr stark", sagte Saric: "Wir werden sehen, was in dem Spiel passiert."

(sid)
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