Antwerpen 1920: "Göttliche" Lenglen bezaubert
zuletzt aktualisiert: 01.08.2008 - 15:07Athen (rpo). Die Spiele von Antwerpen brachten 1920 die sportliche Emanzipation der Frau weit voran. Denn mit Suzanne Lenglen war erstmals eine Sportlerin der große Star bei Olympia. Die Französin glänzte in drei Tenniswettbewerben.
Zweimal Gold (Einzel, Mixed) und einmal Bronze (Doppel) standen am Ende für die Frau zu Buche, die das Damentennis in neue Dimensionen führte. Obwohl sie schon im Jahr zuvor mit gerade 20 erstmals in Wimbledon triumphiert hatte, wurde ihr Einzug in den Olymp zum eigentlichen internationalen Durchbruch. Wo immer die Lenglen spielte, drängten sich die Bewunderer um die Courts, Männer wie Frauen.
Mit ihren für damalige Verhältnisse ultrakurzen Röcken tänzelte sie wie eine Elfe über die Plätze, war die Primaballerina des weißen Sports. Wegen ihrer Ausstrahlung auf und neben dem Platz wurde sie vom französischen Dichter Claude Anet zur "Göttlichen" ausgerufen. Eine Bezeichnung, die bald alle Welt übernahm. In der Villa ihres Vaters verkehrten Superstars aus Hollywood, an der Cote d'Azur rissen sich Könige wie Gustav V. von Schweden oder Manuel von Portugal darum, mit der Lenglen Mixed spielen zu dürfen.
Auch in Modefragen bestimmend
Die Diva machte auch in Tennismode. Markenzeichen war ein farblich auf ihren Pullover abgestimmtes Haartuch, und beides musste wiederum mit dem Grün des Rasens oder dem Rot des Aschenplatzes harmonieren. Geboren wurde Suzanne Lenglen am 24. Mai 1899 in Compiegne, einem kleinen Städtchen rund 100 Kilometer nördlich von Paris. Im Alter von 14 Jahren nahm sie an ersten Jugendturnieren teil, mit 15 holte sie ihren ersten nationalen Hartplatz-Titel.
Schon bald hieß es auch auf dem "heiligen Rasen": Spiel, Satz, Sieg - Suzanne Lenglen. 1919 krönte sich die Französin erstmals zur Königin von Wimbledon, wo sie im Einzel insgesamt sechsmal gewann. Ebenso oft siegte sie zwischen 1920 und 1926 auf der roten Asche von Paris, wo später die Trophäe des Damenturniers der French Open nach ihr benannt wurde.
Ihre Serien wurden nur 1924 durch eine erste Erkrankung unterbrochen, die auch ihren zweiten Olympia-Auftritt in Paris verhinderte. 1926 kam es auf dem Court des Hotels Carlton in Cannes zum "Match des Jahrhunderts" zwischen der "Göttlichen" und "Pokerface" Helen Wills aus den USA, der Olympiasiegerin 1924. Suzanne Lenglen gewann 6:3, 8:6 und brach vor Erschöpfung zusammen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie seit ihrem ersten Titelgewinn in Wimbledon 1919 nur eine einzige Niederlage erlitten: 1921 in Philadelphia bei den US-Meisterschaften gegen eine gewisse Molla Mallory, als sie nach verlorenem ersten Satz weinend aufgab.
Nach dem "Spiel um die Ehre" gegen Helen Wills wechselte sie ins Profilager, ein Fehler. Zwar wollten sich 13.000 Zuschauer die Premiere nicht entgehen lassen, doch dann ließ das Interesse schnell nach und es wurde bald still um die Französin. Der unerwartete Misserfolg machte ihr schwer zu schaffen, nie sollte sie diese herbe Enttäuschung überwinden. Von allen verlassen, starb sie völlig vereinsamt am 4. Juli 1938 an einem Krebsleiden in Paris, erst 39 Jahre alt.
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