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Olympische Spiele 1936
Wie Jesse Owens Adolf Hitler vorführte

Jesse Owens wurde vor 80 Jahren zum Helden von Berlin
Jesse Owens holte 1936 in Berlin vier Goldmedaillen und wurde zum Helden der Sommerspiele. FOTO: dpa
Berlin. Pünktlich zum 80. Jahrestag hat das Kino die Olympischen Spiele 1936 in Berlin wiederentdeckt. In "Zeit für Legenden" erzählt Regisseur Stephen Hopkins das Leben von US-Sprintstar Jesse Owens. Und natürlich handelt ein Großteil des Films, der am Donnerstag in den deutschen Kinos anlief, von den umstrittensten Spielen der Geschichte.

Am 1. August 1936 begannen in Berlin die ersten Olympischen Sommerspiele auf deutschem Boden. Und nach dem 16-tägigen Wettstreit sprach Henri de Bailett-Latour als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bei der Schlussfeier tatsächlich folgende Worte: "In dieser herrlichen Feststimmung konnten die Olympischen Spiele in einer Atmosphäre allgemeiner Sympathie stattfinden, die durch keine politischen Schwierigkeiten getrübt wurde."

Im Gegensatz zur völligen Missachtung der Realität durch den IOC-Präsidenten gingen die 11. Olympischen Sommerspiele als die "Nazi-Spiele" in die Geschichtsbücher ein. Zwar war Berlin bereits 1931 zum Ausrichter gewählt worden (43:16 Stimmen gegen Barcelona), doch die NS-Diktatur erkannte die sich ihr bietenden Möglichkeiten schnell.

"Der Tod macht Urlaub"

Adolf Hitler, der als Reichskanzler die Spiele eröffnete, wollte der Völkerfamilie drei Jahre vor dem 2. Weltkrieg die vermeintliche Friedfertigkeit seines Nazi-Regimes vorgaukeln, das zeitgleich Zehntausende seiner Gegner inhaftiert hatte. Hetzparolen gegen Juden waren von der Straße verschwunden. Doch bei der berüchtigten SA grassierte schon damals die Parole: "Sind die Spiele vorbei, schlagen wir die Juden zu Brei." "Der Tod macht Urlaub", titelten ausländische Zeitungen im Vorfeld.

Mit großer finanzieller Hilfe des totalitären Staatsapparates wurde durch eine gigantische Inszenierung erstmals ein "Gesamtkunstwerk Olympia" geschaffen. Einzig zum Zweck der Propaganda für die NS-Diktatur. Eine Hauptfigur war dabei die umstrittene Regisseurin Leni Riefenstahl (1902-2003) mit ihren Olympia-Filmen "Fest der Völker" und "Fest der Schönheit".

Hitler hatte Boykottdrohungen, vor allem aus den USA, erfolgreich durch Zusagen entkräftet, auch deutsche Juden prinzipiell nicht von den Spielen auszuschließen. Avery Brundage, damals Präsident des olympischen Komitees der USA, reist zusätzlich im Vorfeld nach Deutschland, um sich selbst ein Bild zu machen. Brundage, Sympathisant der "neuen deutschen Politik", diktiert allerdings schon vor der Reise seinen Bericht. "Alles in Ordnung", heißt es darin. Die Abstimmung über einen Boykott gewinnen die Gegner knapp, die USA nehmen teil. Brundage wird 1952 IOC-Präsident.

Owens holt viermal Gold

Allerdings werden in Deutschland seit Beginn der Diktatur jüdische Sportler terrorisiert und schikaniert – an eine sportliche Qualifikation für die Spiele ist kaum zu denken. Die jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann wird zunächst von den Nationalsozialisten als Aushängeschild missbraucht, um dem Ausland "Normalität" zu suggerieren. Obwohl sie Ende Juni 1936 den deutschen Rekord auf 1,60 steigerte, wird ihr die Olympiateilnahme kurz vor den Spielen verweigert. Offiziell aus Leistungsgründen.

Was Hitler nicht gelang, war, die angebliche und von seinem Regime ideologisch propagierte Überlegenheit der arischen Rasse zu demonstrieren. Denn der sportliche Held der Spiele wurde Jesse Owens. Der Weltrekordler gewann damals vier Goldmedaillen: über 100, 200 und 4x100 m sowie im Weitsprung. Der Einzige, der dies seitdem schaffte, war 48 Jahre später Carl Lewis.

(seeg/sid)
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