| 21.42 Uhr

Verbale Attacke gegen IAAF und Coe
Issinbajewa: "Gott wird ihr Richter sein"

Das ist Jelena Issinbajewa
Das ist Jelena Issinbajewa FOTO: AP
Jelena Issinbajewa hat ihren Rücktritt vom Leistungssport erklärt und ihren Ärger über das Start-Verbot bei Olympia nochmals deutlich zum Ausdruck gebracht.

Nach der Geburt ihrer Tochter vor zwei Jahren hatte Jelena Issinbajewa ohnehin angekündigt, in Rio abzutreten - allerdings mit der nächsten Goldmedaille um den Hals. Und nicht als Verbannte wegen des massiven Dopingskandals in ihrer Heimat. Weil es jedoch genauso kam, nutzte die streitfreudige Russin die Verkündung ihres erwartbaren Rücktritts für eine Warnung an Sebastian Coe.

"Wenn der Präsident und die IAAF-Mitglieder glauben, dass es eine faire Entscheidung war, dann werde ich ihnen verzeihen. Aber Gott wird ihr Richter sein! Gott wird es richtigstellen!", sagte die 34-Jährige bei einer Pressekonferenz am Freitag in Rio de Janeiro.

Am Tag zuvor war die zweimalige Olympiasiegerin in die Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt worden, auch deshalb könne sie das unspektakuläre Ende ihrer Laufbahn einigermaßen verkraften, sagte Issinbajewa: "Ich dachte, ich wäre traurig, aber die Wahl hat mich inspiriert. Ich sage nicht dem Sport auf Wiedersehen, nur meinem Sport."

Der Frust, beim Stabhochsprung-Finale nur Zuschauerin zu sein, ist bei der dreimaligen Weltmeisterin aber immer noch riesig. "Natürlich werde ich der Gewinnerin gratulieren", sagte Issinbajewa: "Aber sie wird selbst wissen, dass es keine ganze Goldmedaille ist, weil sie dafür Jelena Issinbajewa hätte schlagen müssen."

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte am 21. Juli den Olympia-Ausschluss von 68 russischen Leichtathleten durch den Weltverband IAAF für rechtmäßig erklärt. Damals hatte Issinbajewa das Urteil als "Beerdigung der Leichtathletik" und "rein politische Entscheidung" bezeichnet.

Am Freitag legte sie nach. Der McLaren-Report, der systematisches Doping in Russland aufgedeckt hatte, enthalte "keine Fakten, keine Beweise" und sei "weit davon entfernt, komplett zu sein", sagte Issinbajewa. Sie betonte: "Ich habe alle meine Siege sauber erreicht, es gibt keinen einzigen positiven Test von mir."

Die erfolgreichste Stabhochspringerin der Geschichte, die 30 Weltrekord aufgestellt hat, geht durch ihre IOC-Mitgliedschaft gestärkt in den Kampf gegen die "Ungerechtigkeit", die der russische Sport ihrer Meinung nach derzeit erfährt. Kein IAAF-Mitglied habe ihr zur Wahl gratuliert, berichtete die Russin. Dafür aber wohl Staatspräsident Wladimir Putin. Oder doch nicht? "Das soll ein Geheimnis bleiben", sagte Issinbajewa und kicherte dabei.

Issinbajewa, die künftig auch Präsidentin des russischen leichtathletik-Verbandes werden könnte, weiß, wem sie beim Klettern der Karriereleiter schmeicheln muss. "Ich möchte Thomas Bach danken, dass er in dieser Sache objektiv war", sagte sie über den deutschen IOC-Präsidenten: "Er hat bewiesen, dass er ein starker Mann ist, indem er das russische Team starten ließ."

(sid)
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