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Olympia-Kolumne
Sommerloch geschlossen

Fotos: Olympia 2016: die Splitter
Fotos: Olympia 2016: die Splitter
Rio de Janeiro. Das Sommerloch heißt vermutlich Sommerloch, weil das Fernsehen dann immer ein gewaltiges Loch im Programm aufweist. Die allabendlichen Gesprächsrunden haben Pause, weil sich die Gesprächsleiter geschlossen in den Urlaub verabschieden. Die Bundesliga ist im Tiefschlaf, und die Filmbranche hat nichts produziert. Von Dieter Koditek

Folglich müssen die Programmplaner in ihre prall gefüllten Archive greifen. Da erleben wir dann, wie Dr. Heilmann aus der Sachsenklinik vor zehn Jahren aussah oder wie Frau Stockl von den Rosenheim Cops sich plötzlich wieder mit Frau Ortmann zofft, obwohl Letztere längst aus der Serie ausgeschieden ist.

So sind den Fernsehgewaltigen alle zwei Jahre jeweils zwei Sportereignisse lieb und – vor allem – teuer. Einerseits die Olympischen Winterspiele sowie die Fußball-WM, andererseits die Fußball-EM sowie die Olympischen Sommerspiele. Da dürfen sich dann sogar Leibesübungen zeigen, die wir sonst nie zu sehen kriegen. Wir dürfen uns also auf so anmutige Sportarten wie Synchronschwimmen, Rhythmische Sportgymnastik, Bogenschießen und Gewichtheben freuen.

Weil es die Fernsehmacher gar nicht mehr abwarten konnten, wurden uns schon weit vor der Eröffnungsfeier Dokumentationen der sogenannten Nazi-Spiele vor 80 Jahren geboten, die der damalige Führer seinerzeit gekonnt in Szene setzen ließ. Der Superstar der Spiele 1936 war ein Sprinter und Weitspringer namens Jesse Owens, der vier Goldmedaillen gewann. Den empfand der Führer wegen dessen dunkler Hautfarbe aber als "Untermensch", weswegen er dem US-Amerikaner den fälligen Handschlag verweigerte. Der Jesse Owens unserer Tage heißt Usain Bolt, kommt aus Jamaika, ist ebenfalls ein dunkelhäutiger Sprinter und war schon zweimal dreifacher Olympiasieger. Jetzt schickt er sich an, uns noch ein drittes Mal auf seine Weise zu faszinieren.

Es ist übrigens nicht auszuschließen, dass ARD und ZDF zum vorerst letzten Mal Übertragungsrechte von Olympischen Spielen besitzen, was bedauerlich wäre. Das würde nämlich bedeuten, dass sie uns künftig im Sommer wohl durchgehend mit Wiederholungen quälen.

Quelle: RP
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