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Olympia-Kolumne
"Held von Augsburg"

Olympia 2016: "Held von Augsburg"
Ludwig Müller, der "Held von Augsburg". FOTO: Koster
Düsseldorf. Eine olympische Medaille hat er nie gewonnen. Platz sechs bei den Spielen 1960 in Rom über 3000 m Hindernis ging in die Annalen ein. Zu einem großen internationalen Titel hat es auch nicht gereicht.

Und dennoch ist er eine Legende, an die man sich unwillkürlich erinnert, wenn jetzt in Rio die besten Langstreckenläufer der Welt ihre Runden drehen. Ein einziges Ereignis hat Ludwig Müller unsterblich gemacht.

Es waren der 20. und 21. September 1958 im Augsburger Rosenaustadion. Die Mannschaft des Deutschen Leichtathletik-Verbandes bestritt gegen das Team der UdSSR einen der seinerzeit überaus populären Länderkämpfe. Ludwig Müller trat gegen die scheinbar übermächtigen sowjetischen Läufer an.

Der krasse Außenseiter gewann sensationell die Rennen über 5000 m in 14:06,8 Minuten und über 10.000 m (29:52,6 Minuten) und legte damit das Fundament zum 115:105-Sieg der gastgebenden Mannschaft gegen den hohen Favoriten. Dank dieses Geniestreichs ging Müller als "Held von Augsburg" in die Geschichte ein. Als solcher wird er heute noch verehrt.

Der Mann mit dem mächtigen Brustkorb stammte aus Wesel. Er war auf kuriose Art und Weise zu seinem Sport gekommen. Als junger Bursche spielte er Fußball in einer unterklassigen Mannschaft seiner Heimatstadt. Seine Besonderheit war, dass er zu vielen Auswärtsspielen joggte und nach 90 Minuten Kicken auch wieder zurücklief. Irgendwann riet ihm ein Mitspieler, es doch mal mit dem Langstreckenlauf zu versuchen. Müller folgte dem Rat und fand sich zu seiner eigenen Verblüffung nur wenig später in der deutschen Spitzenklasse wieder. Sieben mal wurde er nationaler Meister.

1962 folgte er dem Ruf des KSV Hessen Kassel. Die Stadtverwaltung dort hatte den gelernten Maurer mit dem Angebot gelockt, die Position als Bauleiter beim Tiefbau-Amt zu übernehmen. Nebenbei ließ sich Müller zum Masseur ausbilden und betreute einige Jahre die Fußballer von Hessen Kassel sowie bei Olympia 1972 in München die deutsche Ringer-Nationalmannschaft.

Noch immer lebt der "Held von Augsburg", 84-jährig, in Kassel. Das Leben hat es gut mit ihm gemeint.

Quelle: RP
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