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Olympia-Tagebuch
Journalist, Fan oder Sportler?

Olympia 2016: Journalist, Fan oder Sportler?
RP-Redakteur Stefan Klüttermann berichtet von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. FOTO: privat
Rio de Janeiro. Manche Kollegen sind nicht als solche zu erkennen. Weil sie die offiziellen Olympia-Outfits ihrer Heimatländer tragen.

Das Internationale Olympische Komitee ist ein großer Fan davon, große Dinge bis ins kleinste Detail zu regeln. Was die IOC-Hüter indes nicht vorgegeben haben, ist, wie sich die knapp 30.000 akkreditierten Journalisten hier in Rio zu kleiden haben.

Das finde ich zunächst einmal gut, weil mein lila-blau-kariertes Langarm-Hemd bestimmt nicht jedermanns Sache ist. Gemeckert hat auf jeden Fall noch niemand, und ins Hotel lässt mich der Sicherheitsmann abends auch immer wieder rein. Und das ist ja das Wichtigste. Da denke ich ganz pragmatisch.

Was die freie Wahl der Dienstkleidung unter uns Olympia-Kollegen aber zu einer berichtenswerten Sache macht, ist die Tatsache, dass ich viele Berichterstatter gar nicht als solche erkennen würde, hätten sie nicht ihre Akkreditierungen umhängen. An der Kleidung sind sie jedenfalls nicht als Medienvertreter auszumachen, weil sie in den offiziellen Olympia-Outfits ihrer jeweiligen Heimatländer durchs Medienzentrum tapsen. In diesem Zusammenhang gilt folgende geografische Faustformel: Je weiter es in Europa gen Osten geht, desto öfter sehen Interviewter und Interviewender ähnlich aus.

Ja gut, die bulgarische Schwimmerin kann ich vom bulgarischen Journalisten im Zweifelsfall über einen Vergleich der Körperfülle unterscheiden, aber rein vom Outfit her würde es schwer. Russische Kollegen habe ich auch schon in zivil gesehen, aber viele auch nicht. Die junge Weißrussin mit der schüchternen Handhaltung des Mikros scheint bei der Einkleidung ihres Olympiateams einfach gleich komplett mit versorgt worden zu sein.

Mir hat der Deutsche Olympische Sportbund nicht mal eine Unterhose spendiert. Und mein Deutschland-T-Shirt, das ich vor Jahren für die ausreichende Nutzung von Gesichtscreme bekommen habe, liegt 9000 Kilometer entfernt im Schrank. Vielleicht ziehe ich morgen mal ein gelbes T-Shirt zu blauen Schuhen an und spiele einen Tag lang Brasilianer. Und dann lasse ich mich von der Weißrussin interviewen.

Quelle: RP
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