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Olympia-Tagebuch
Irgendwie ist alles gut

Die Wettkampfstätten von Rio
Die Wettkampfstätten von Rio FOTO: dpa, mr nic wok nic
Noch ist nicht alles perfekt in der Olympiastadt, doch der Vorfreude auf das weltweit größte Sportspektakel tut dies keinen Abbruch.

Meine bessere Hälfte hat mir einen Sprachführer Portugiesisch mitgegeben. Das ist lieb, denn mein Portugiesisch beschränkt sich auf Bom dia, also auf Guten Tag. Das Wort allerdings, das mir immer mehr in den Sinn kommt, je tiefer ich in diese Olympiastadt eintauche, stand im Sprachführer gar nicht drin.

Also habe ich es flugs gegoogelt und erfahren, dass "irgendwie" auf Portugiesisch "de alguma maneira" heißt. Und "de alguma maneira" ist hier in Rio wahrlich vieles, ja quasi alles. Alles ist irgendwie fertig, irgendwie funktionstüchtig, irgendwie logisch, irgendwie ein Problem, aber dann doch irgendwie halb so wild.

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Das mit dem Transfer vom Flughafen zu meinem Hotel morgens um fünf Uhr, zum Beispiel. Der Fahrer sprach nur portugiesisch und ich, ja, Bom dia. Irgendwie fand er schließlich doch nach einigen Runden um einige Häuserblöcke an der Copacabana tatsächlich das Hotel. Und irgendwie war er total nett, obwohl ich nichts von alledem verstand, was er mir freudestrahlend während der Fahrt erzählte.

Das mit dem WLAN im Hotel war ähnlich. Ja, WLAN gebe es, sagte der Mann an der Rezeption, und er nannte mir Netz und Passwort. Dumm nur, dass das Passwort irgendwie so gar nicht funktionierte. "Echt nicht?", fragte der Mann, als ich wieder vor ihm stand. "Na, dann nimmst du halt dieses Netz hier, das funktioniert!" Und Tatsache, das funktionierte wirklich. Gut, leider nur in der Lobby, im Zimmer geht nach wie vor gar nichts, weil es dort dieses andere Netz gar nicht erst gibt, und das andere weiter nicht funktioniert. Aber hey, irgendwie gar nicht so schlimm. Dann sitze ich halt in der Lobby und höre nebenbei ein bisschen Portugiesisch.

Fotos: So sehen die olympischen Medaillen aus FOTO: ap

Und das mit dem Essen im Medienzentrum in Barra, das war auch so ein Fall. Für hunderte Journalisten gibt es irgendwie nur ganz wenige Service-Theken, und hinter denen stehen irgendwie ganz wenige Service-Kräfte. Die Folge: Alle warten ewig. Ein italienischer Kollege in der Schlange hat sich deswegen auch gleich mal ordentlich Luft gemacht. Man hat ihm Verbesserung versprochen. Die kommt auch ganz bestimmt. Irgendwie.

Und dann sind da schließlich die unfassbar vielen Bauprojekte in der Stadt. Haltestellen, Brücken, Straßen - fast alles fertig, aber halt nur irgendwie. Rohbauten, für die Allgemeinheit freigegeben. Das hat zwar den Charme aufgegebener Industriegebiete, aber solange es den Zweck erfüllt, dass Olympia stattfinden kann, scheint es den meisten irgendwie egal.

Zumindest den vielen netten Menschen in den gelben Volunteer-Polo-Shirts. Die haben nämlich ein ganz anderes Problem. Sie müssen mit einer Engelsgeduld jede auch noch so dämliche Frage eines niederrheinischen Land-Eis wie mir auf dessen erstem Südamerika-Trip beantworten. Und ich kann nur hoffen, dass sie zumindest ab und zu denken: Mann, ist der nervig, aber zumindest lächelt er ja nett.

Irgendwie.

Quelle: RP
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