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Silbermedaillegewinner droht Ärger
Lilesa protestiert gegen eigene Regierung

Lilesa zeigt nach Zieleinlauf politische Geste
Lilesa zeigt nach Zieleinlauf politische Geste FOTO: dpa, mr
Rio de Janeiro. Der äthiopische Silbermedaillengewinner Feyisa Lilesa hat beim olympischen Marathon mit einer Protestgeste gegen die eigene Regierung für Aufregung gesorgt. Lilesa, der als Zweiter hinter dem Kenianer Eliud Kipchoge ins Ziel kam, kreuzte seine Hände über dem Kopf, um gegen die Unterdrückung der Volksgruppe der Oromo zu demonstrieren.

"Ich habe Verwandte, die im Gefängnis sitzen. Wenn man über Demokratie spricht, wird man getötet. Wenn ich nach Äthiopien zurückgehe, werde ich vielleicht getötet. Oder sie werfen mich ins Gefängnis", sagte Lilesa: "Es ist sehr gefährlich. Vielleicht muss ich in ein anderes Land gehen."

Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen haben äthiopische Sicherheitskräfte in den vergangenen Wochen mehrere Anti-Regierungsproteste niedergeschlagen. Dabei soll es auch Tote gegeben haben.

Sein politisches Engagement auf der olympischen Bühne könnte dem 26-Jährigen noch einigen Ärger einbringen. Die Regel 50.3 der olympischen Charta verbietet den Sportlern "jede Demonstration oder politische, religiöse oder rassische Propaganda an den olympischen Städten, Austragungsorten (...)". Mögliche Strafmaßnahmen sind eine Rüge, Entziehung der Akkreditierung oder gar eine Disqualifikation.

Gold für Kenianer Kipchoge

Mit einem Lächeln war Eliud Kipchoge als Erster im Ziel angekommen. Der Favorit aus Kenia kürte sich zum Goldmedaillengewinner. Im Sambódromo von Rio de Janeiro sackte der 31-Jährige aber erst mal mit schmerzverzerrtem Gesicht auf die Knie. Kipchoge hatte sich bei gut 30 Kilometern aus dem führenden Trio gelöst und seinen Vorsprung kontinuierlich ausgebaut. Am Ende siegte er in 2:08:44 Stunden vor Lilesa aus (2:09:54).

Der Amerikaner Galen Rupp lief in 2:10:05 Stunden überraschend zu Bronze und lag am Ende seiner weinenden Mutter in den Armen. Der 30-Jährige hatte über 10.000 Meter den fünften Platz belegt und sich bei seinem Marathon-Debüt im Februar in Los Angeles für Rio qualifiziert.

Kipchoge machte seinen Medaillensatz komplett: 2004 in Athen holte er Bronze über 5000 Meter, 2008 in Peking über die gleiche Strecke Silber, nun Gold im Marathon. Er gewann mit dem größten Vorsprung seit dem US-Amerikaner Frank Shorter 1972 in München. Und er ist Kenias zweiter Marathon-Olympiasieger nach dem 2011 verstorbenen Samuel Wanjiru, dem Sieger von 2008.

Da eine Woche zuvor in Rio Jemima Sumgong den ersten Frauen-Sieg für Kenias Marathon-Asse bei Olympia herausgelaufen war, feierte das ostafrikanische Land nun das erste Double einer Nation. "Das ist äußerst wichtig für uns", sagte Kipchoge. "Es war nicht wirklich leicht, aber ich habe mich ganz komfortabel gefühlt. Die letzten fünf Kilometer oder so war ich alleine, da bin ich locker geworden."

Der Goldmedaillen-Gewinner von London, Stephen Kiprotich aus Uganda, kam auf Rang 14. "Rio de Janeiro ist so wundervoll, das wird in meinen Gedanken bleiben", sagte Kipchoge. Für die Attraktionen am Rande der regennassen Strecke hatten die Läufer freilich keine Augen.

(seeg/sid/dpa)
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