| 18.09 Uhr

Wechsel bei den Vielseitigkeitsreitern
Ausgebooteter Ostholt ist den Tränen nah

Olympia 2016: Andreas Ostholt ist nach Ausbootung den Tränen nah
Andreas Ostholt wurde aus der Mannschaft der Vielseitigkeitsreiter gestrichen. FOTO: dpa, nic
Rio de Janeiro. Die Stimmung im deutschen Vielseitigkeitsteam hat 24 Stunden vor dem Auftakt des olympischen Wettbewerbs eine kleine Delle bekommen. Anstelle des ursprünglich vorgesehenen Andreas Ostholt rückt Julia Krajewski in die Vierer-Equipe – und das, obwohl Ostholts Pferd kurz vorher problemlos den offiziellen Vet-Check absolviert hatte.

"Die Jury hatte keine Bedenken, mein Pferd freizugeben, unsere Mannschaftsleitung aber schon. Da kann sich jetzt jeder selbst seine Meinung bilden", sagte der völlig frustrierte Ostholt, der wenig erfolgreich mit den Tränen kämpfte. Bereits drei Stunden nach der Landung in Rio am vergangenen Sonntag sei er über die Entscheidung informiert worden und habe seither "so sehr gehofft, dass sie noch rückgängig gemacht wird".

Der Grund für den Wechsel, der Ostholt so hart getroffen hat "wie noch nix in meinem Leben", liegt fast zwei Wochen zurück. Einen Tag vor Beginn des Trainingslagers in Bonn hatte sein Pferd So is et ein Eisen verloren und war seither vor allem im Trab immer mal wieder unrund gegangen. Bundestrainer Hans Melzer und Teamchef Dennis Peiler entschieden daraufhin gemeinsam mit den Tierärzten vor Ort, jedes noch so kleine Risiko zu meiden und das Pferd aus dem Wettbewerb zu nehmen.

Dennoch wurde So is et am Freitagmorgen im Vet-Check präsentiert. "Wenn wir ihn vorher abgemeldet hätten und eines der anderen Pferde wäre nicht durch den Check gekommen, hätten wir mit drei Reitern dagestanden", erklärte Melzer: "Das wäre eine ganz schlechte Ausgangslage gewesen." Immerhin liefert der vierte Reiter eines jeden Teams das Streichresultat für die Mannschaftswertung, wenn also nur ein Dreier-Team antritt, müssen alle liefern.

Krajewski hat Mitleid mit Ostholt

Wenige Meter neben Ostholt stand Julia Krajewski und versuchte, sich ihre Freude nicht allzu sehr anmerken zu lassen. "Ich weiß, wie ätzend so eine Situation ist", sagte sie und blickte immer wieder mitfühlend zu dem völlig niedergeschlagenen Kollegen. Sie habe in den vergangenen Tagen immer versucht, "nicht nach rechts und links zu gucken, sondern mein Ding zu machen. Ich hab auch nie nachgefragt, wie es denn aussieht. Ich hab gedacht, wenn ich ran muss, werden sie es mir schon rechtzeitig sagen."

Natürlich, sagt Melzer, seien Ostholt und So is et das deutlich erfahrenere Paar als Krajewski und Samourai du Thot, aber: "Wir vertrauen Julia und ihrem Pferd, sie werden ihren Teil zu einem guten Mannschaftsergebnis beitragen." Krajewski freut sich auf ihr olympisches Debüt, zumal ihr Pferd "unglaublich gut in Schuss" ist: "Er kann alles, er muss es jetzt nur noch alles richtig machen."

Währenddessen versuchte der traurige Andreas Ostholt alles, um seine Bitterkeit und sein Unverständnis zu verbergen. "Ich werde natürlich bleiben, und wenn ich der Mannschaft helfen kann, dann werde ich das tun", versicherte er: "Es bringt ja nichts, wenn ich jetzt in den Stall gehe und mich besaufe." Allerdings habe er in den letzten Tagen schon "den einen oder anderen Whisky mehr als sonst" getrunken. "Das hier war mein Traum", flüsterte Ostholt kaum noch hörbar - und steckte sich voller Frust den nächsten Zigarillo an.

(sid)
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