| 16.23 Uhr

Zustände im Olympischen Dorf
Deutsche Athleten klagen: "Es ist eine Katastrophe"

So sieht es im Olympischen Dorf aus
So sieht es im Olympischen Dorf aus FOTO: ap, LC
Rio de Janeiro. Mangelhafte Hygiene, schlechtes Essen und chaotische Organisation: Die "katastrophalen Zustände" im Olympischen Dorf rufen bei den deutschen Athleten zunehmend Frust hervor. Hockey-Bundestrainer Jamilon Mülders beschwerte sich am Samstag in deutlichen Worten. 

"Es geht beim Essen los und bei der Hygiene weiter. Da wird über Tage nicht gewaschen, nicht geputzt – es ist eine Katastrophe", sagte der 40-Jährige bei einem Pressegespräch am Samstag.

"Diese Spiele finden für alle unter sehr schwierigen Rahmenbedingungen statt. Wir müssen immer wieder in Sachen Hygiene und Sauberkeit massiv drängen", sagte Dirk Schimmelpfenning, der Sportliche Leiter der deutschen Olympiamannschaft, am Sonntag: "Die Thematik Hygiene beschäftigt uns die ganze Zeit."

Auch der frühere Reck-Weltmeister Fabian Hambüchen berichtete von ähnlichen Erfahrungen. "Es ist alles etwas chaotisch, mit der Hygiene ist es auch etwas anders", sagte der Turner, der betonte, die Spiele dennoch nicht schlechtreden zu wollen.

Mülders wurde da deutlicher. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bemühe sich zwar nach Kräften, die deutschen Sportler zu unterstützen. So würden Mitarbeiter des DOSB beispielsweise morgens Brot anliefern. Mit "Essen für Sportler" habe die Verpflegung insgesamt aber "nichts zu tun". Die Bedingungen im Athletendorf seien nicht olympiawürdig.

"Wenn bei den hygienischen Bedingungen nicht Magen-Darm ausbricht, ist es ein Wunder", sagte Mülders, der in seinen Ausführungen Unterstützung von Sportdirektor Heino Knuf vom Deutschen Hockey-Bund (DHB) erhielt. Auch Hambüchen bezeichnete es als "etwas anders", dass Toilettenpapier in Rio nicht heruntergespült, sondern in den Mülleimer geworfen wird.

Mülders betonte derweil, dass auch die Athleten aus den anderen Nationen unter den schwierigen Voraussetzungen Leistungen produzieren müssten, einen Wettbewerbsnachteil beklagte er nicht. Insgesamt seien die Bedingungen jedoch deutlich schlechter als in London 2012.

(sid)
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