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Neymar ist abgemeldet
Brasilianische Fans verlieren ihr Herz an Marta

Olympia 2016: Brasilianische Fans verlieren ihr Herz an Marta
Marta ist für die Brasilianer der Star der Spiele. FOTO: dpa, ss
Rio de Janeiro. Die fünfmalige Weltfußballerin Marta ist die beste Spielerin des Planeten, doch in ihrer Heimat wurde der Frauenfußball lange stiefkindlich behandelt. Bei Olympia aber genießen Marta und Co. mehr Sympathien als die Männer.

Das Bild ging im Internet um die Welt: Ein kleiner Junge trägt ein Brasilien-Trikot, natürlich mit der Rückennummer 10. Doch den Namen Neymar Jr. hat der junge Fan durchgestrichen. Marta steht handgeschrieben darunter, mit einem roten Herzchen daneben.

Weil die hochbezahlten Fußballer um den Superstar vom FC Barcelona bei den Olympischen Spielen im eigenen Land zumindest zu Beginn mal wieder nicht die hohen Erwartungen erfüllten, fliegen dem Frauen-Team - und allen voran der fünfmaligen Weltfußballerin - die Herzen zu. Marta-Trikots sind in den Fan-Shops ausverkauft, die Stadien sind bei den Frauen-Spielen prächtig gefüllt, und von den Rängen hallt es: "Marta ist besser als Neymar."

So viel Aufmerksamkeit ist der Frauenfußball in Brasilien nicht gewohnt. Auch das Verhältnis zur Ausnahmekönnerin Marta war lange zwiespältig. Dass die mittlerweile 30-Jährige unerreichte Fähigkeiten hat, war immer unbestritten. Doch mit dem Talent ist eben auch der Anspruch verbunden - und Titel oder Goldmedaillen hat Marta der fußballverrückten Nation keine beschert. Das könnte sich nun ändern.

Geboren und aufgewachsen in Dois Riachos im Nordwesten Brasiliens spielte sie zunächst mit den Jungs auf der Straße. Mit gerade einmal 14 Jahren verließ Marta Vieira da Silva, so ihr vollständiger Name, gegen den Willen ihrer Familie ihre Heimat, um in Rio de Janeiro bei CR Vasco da Gama zu spielen.

Marta ging früh ins Ausland

Verdient eine beim Verband angestellte Nationalspielerin heute zwischen 1000 und 2000 Euro brutto im Monat, war zu dieser Zeit als Fußballerin in Brasilien kein Geld zu verdienen. Also suchte sie frühzeitig ihr Glück im Ausland und avancierte zur bestbezahlten Spielerin der Welt. Marta spielte in den USA, seit 2012 zum zweiten Mal in Schweden, genauer gesagt beim Meister FC Rosengard, bei dem sie zwischenzeitlich gemeinsam mit Anja Mittag auf Torejagd ging.

Die deutsche Nationalstürmerin beschreibt den Weltstar abseits des Rasens als "angenehmen und netten Menschen". Ganz anders also, als das öffentliche Bild der unnahbaren, mitunter heißblütigen Diva mit dem Hang zu theatralischen und unfairen Szenen auf dem Feld.

Nach zweimal Silber bei den Spielen 2004 und 2008 soll es nun beim Heimspiel endlich klappen mit Gold. Nachdem Marta und Co. als souveräner Gruppensieger ins Viertelfinale eingezogen sind, wartet nun am Freitag zum Auftakt der K.o.-Runde Australien. An die Matildas haben die Brasilianerinnen allerdings keine guten Erinnerungen.

Bei der WM im vergangenen Sommer in Kanada unterlagen sie dem Team aus Down Under sensationell im Achtelfinale (0:1). Marta ist gewarnt - und setzt nun voll auf den Heimvorteil: "Wir hoffen, dass die Fans in Massen kommen und uns zum Sieg anpeitschen." Der ein oder andere Zuschauer wird vor dem Überstreifen seines Selecao-Trikots noch schnell zum Filzstift greifen.

(sid)
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