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Brasilien gegen Argentinien
Rio erwartet trotz Friedenspakt ein hitziges "Bruder"-Duell

Bilder: Fans prügeln sich auf der Tribüne bei Tennis-Match
Bilder: Fans prügeln sich auf der Tribüne bei Tennis-Match FOTO: afp
Rio de Janeiro. Brasilien gegen Argentinien: Die südamerikanischen "Brüder" leben ihre Rivalität bei den Spielen hitzig aus und machen den Organisatoren vor ihrem Basketball-Duell große Sorgen.

Der Friedenspakt ist beschlossene Sache. Hand in Hand und mit der Fahne des Erzrivalen vorneweg wollen die Basketballer aus Brasilien und Argentinien am Samstag zum olympischen Vorrundenduell in die Arena Carioca 1 in Rio de Janeiro einmarschieren. Und so das Latino-Heißblut auf der Tribüne abkühlen. Netter Versuch.

Die Anordnung zu dieser Geste kommt von ganz oben. "Damit Brasilianer Argentinier umarmen und Argentinier Brasilianer", erklärte Luiz Lima, brasilianischer Staatssekretär für Hochleistungssport. Und sein argentinischer Amtskollege Carlos Mac Allister betonte: "Wir waren immer Rivalen, niemals Feinde."

Trauriger Tiefpunkt

Dies ist bei den Spielen in Rio de Janeiro jedoch eher Wunschdenken. Trauriger Tiefpunkt war am Montag eine Prügelei zweier südamerikanischen "Hermanos" (Brüder). Ein Argentinier feuerte seinen heimischen Tennisstar Juan Martin Del Potro an, ein Brasilianer schlug sich auf die Seite des Gegners Joao Sousa. Ihm war es egal, dass dieser Portugiese war.

"Das ist doch Schwachsinn, dass die Brasilianer hier für Teams halten, die nicht einmal von ihrem Kontinent sind", klagte Argentiniens Basketball-Kapitän Luis Scola deshalb nach dem Vorrundensieg gegen Nigeria (94:66), kritisierte aber auch seine Landsleute, die als Antwort bekannte Schmähgesänge gegen die Nachbarn anstimmten.

Vor allem das "Decime qué se siente" der Argentinier mit der Provokation "Maradona ist besser als Pelé" hallt zwei Jahre nach der Fußball-WM wieder kanonartig durch die Arenen. Unter ausländischen Fans war die Nachfrage nach Olympiatickets nur in den USA und in Frankreich größer als aus dem Nachbarland der Gastgeber.

Doch die Antwort lässt in der Regel nicht lange auf sich warten: Die Brasilianer zählen bis 23 und stimmen dann ein Geburtstagsständchen an. Die Gauchos sollen den Mund halten, schließlich warten deren Fußballer seit 1993 auf einen großen Titel. Und sind beim olympischen Turnier schon nach der Vorrunde raus.

Einen Vorgeschmack auf das feurige Basketball-Duell gab es schon: Doch weder beim 31:0 der Argentinier im Rugby noch bei den klaren Triumphen der brasilianischen Frauen im Volleyball (3:0) und Beachvolleyball (2:0) schlug die Stimmung in Hass um.

Auch für die Argentinier ist der Bruderzwist ein Dauerthema. Und der Tageszeitung La Nacion ein Zitat des Soziologen Pablo Alabarces wert. "Die Brasilianer lieben es, die Argentinier zu hassen. Und die Argentinier hassen es, die Brasilianer zu lieben."

Umgekehrt wäre auch denkbar. Hauptsache, es bleibt friedlich.

(ems/sid)
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