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ARD-Reporter beim Reiten
Pferde-Lyriker Sostmeier ist schon wieder "on fire"

Olympia 2016: Carsten Sostmeier schon wieder "on fire"
"Braunen Strich" in der Hose? Kommentator Carsten Sostmeister fand Julia Krajewskis Geländeritt arg ängstlich. FOTO: afp
Düsseldorf/Rio de Janeiro. Es gibt nicht nur Sportler, die lediglich alle vier Jahre bei Olympischen Spielen im Fokus eines Millionenpublikums stehen. Auch ARD-Reporter Carsten Sostmeier gehört dazu. Seine Zuhörer verzeihen dem Pferde-Lyriker einiges. Von Jannik Sorgatz

Vielleicht liegt es an dem Ort, in dem er aufgewachsen ist, Steinau an der Straße, dass Carsten Sostmeier bei seinen Reitsport-Reportage zu so märchenhaften Worten greift. Die Gebrüder Grimm verbrachten hier einen Teil ihrer Jugend. Man würde Sostmeier wohl auch dabei zuhören, wie er seinen eigenen Lebenslauf kommentiert. Oder das Treiben an einer Supermarktkasse. Oder die Sicherheitskontrollen am Flughafen.

Aktuell ist der ARD-Reporter wieder dort aktiv, wo er im Vergleich zu den meisten seiner Nicht-Fußball-Kollegen überaus große Bekanntheit erlangt hat. Es laufen die Wettbewerbe der Vielseitigkeitsreiter, da kann Sostmeier gleich sein ganzes Repertoire zeigen zwischen Piaffe, Verweigerungen und Oxer. 2004 gewann er den Deutschen Fernsehpreis, im Folgejahr heimste er eine Nominierung für den Grimme-Preis ein.

Doch Sostmeier sammelt selbst ab und an Fehlerpunkte ein. Vor vier Jahren vergaloppierte er sich mit der Formulierung "seit 2008 wird zurückgeritten", einer Anspielung auf Olympia 2004, als die deutsche Equipe am grünen Tisch Gold verlor. Er bediente sich ähnlicher Worte wie Adolf Hitler 1939 nach dem Überfall auf Polen, der den Beginn des zweiten Weltkrieges markierte.

Am Montag erlebte Sostmeier am Mikrofon einen Tag, der ähnlich wechselhaft war wie der Wettkampf der deutschen Vielseitigkeitsreiter. "So muss Mozart mit verbundenen Augen Klavier gespielt haben. Das ist SAM-sationell" , rief der 56-Jährige nach dem Ritt des Einzelgold-Favoriten Michael Jung, den er als "Demonstration" bezeichnete. Das war mal wieder Sportlyrik.

Julia Krajewski, deren schwacher Geländeritt Deutschland wohl um die Goldmedaille im Team brachte, erhielt dagegen eine vernichtende Kritik. "Zweite Verweigerung, am Wasser sagt das Pferd: Mädel, was willst du eigentlich? Schlimmer geht's nimmer. Jetzt nimmt sie den Weg der Angsthasen, den der blassen Nasen", sagte Sostmeier. Schön gereimt, aber Krajewski  "einen braunen Strich" in der Hose zu bescheinigen, war wohl etwas zu viel. Metaphorisch mag der Reporter mit seiner Kritik richtig liegen. Er selbst kann das als der Fachmann schlechthin sowieso am besten beurteilen. Nur die Grenze zum Verletzenden sollte er natürlich nicht überschreiten.

Dieser Tweet fasst es gut zusammen:

So oder so ist der Mann, der nur alle vier Jahre vor einem großen Millionenpublikum, im Mainstream sozusagen, ein kleiner Star in seinem Fach. Nachdem der Italiener Simone Zaza im Elfmeterschießen bei der EM gegen Deutschland wie ein Dressurpferd angelaufen war, stellte die ARD einen Clip online, der mit einem Sostmeier-Kommentar unterlegt war. Auch Zaza hätte er wohl "einen braunen Strich" in der Hose bescheinigen können.

Unterm Strich verzeiht das Publikum einem Mann, der solche Worte findet, zwar nicht alles, aber sehr viel:

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