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Olympia
Das war die Nacht in Rio

Bronze – Vargas Koch holt erste deutsche Judo-Medaille
Bronze – Vargas Koch holt erste deutsche Judo-Medaille FOTO: dpa, kno
Rio de Janeiro. Am fünften Wettkampftag der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro gab es eine Medaille für das deutsche Team. Der Tag war allerdings einmal mehr von Enttäuschungen geprägt. Eine Übersicht über die Ereignisse des vergangenen Tages.

+++ Weltmeister Marco Koch ist mit seiner Medaillen-Mission krachend gescheitert. Der 26-Jährige aus Darmstadt musste sich im Finale auf seiner Paradestrecke 200 m Brust mit dem siebten Platz begnügen. "Das war leider nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe, es ging einfach nicht so", sagte Koch in der ARD und ergänzte: "Es ärgert mich einfach, dass ich hier nicht mein Bestes zeigen konnte." Gold ging überraschend an den 21 Jahre alten Kasachen Dmitri Balandin.

+++ Markus Böckermann und Lars Flüggen (Hamburg/Berlin) wühlten und kämpften - vergeblich. Nach der dritten Pleite des Duos im dritten Vorrundenspiel stand fest: Vier Jahre nach dem Triumph von Julius Brink und Jonas Reckermann haben die deutschen Beachvolleyball-Männer kein Team in der K.o.-Runde. Richten muss es jetzt das "starke" Geschlecht: Laura Ludwig/Kira Walkenhorst steuern nach wie vor auf Gold zu.

+++ Laura Vargas Koch hüpfte über die Matte und war kaum einzufangen: Die Berlinerin bescherte den zuvor chronisch erfolglosen deutschen Judoka mit Bronze die erste Medaille in Rio. Die 26-Jährige setzte sich im kleinen Finale der Klasse bis 70 kg gegen die spanische Vizeweltmeisterin Maria Bernabeu in der Verlängerung durch. Der deutsche Chef de Mission Michael Vesper war freudig überrascht: "Bronze hatten wir hier nicht auf der Liste."

+++ Turner Andreas Bretschneider aus Chemnitz muss weiter auf die Anerkennung der von ihm kreierten Höchstschwierigkeit warten. Der 27-Jährige turnte auch im olympischen Mehrkampf am Mittwoch seinen "Bretschneider 2" nicht durch - der gestreckte Doppelsalto mit zweifacher Schraube wird daher vorerst nicht in das Regelwerk des Weltverbandes FIG aufgenommen.

+++ Dicke Tropfen prasselten auf seinen Helm, Hannes Aigner stand nicht nur buchstäblich im Regen. Drei Hundertstelsekunden fehlten dem Slalomkanuten im Kajak-Einer zu Bronze, ein Wimpernschlag. "Ich kann mir nichts vorwerfen, ich hab' nix versaut", sagte der 27-Jährige und versuchte krampfhaft, sich selbst aufzubauen: "Wenn ich den Kopf in den Sand stecke, wird es auch nicht besser."

+++ Fehaid Aldeehani aus Kuweit hatte Gold, doch bei der Siegerehrung auf der Schießanlage in Deodoro wurde die Fahne seines Landes nicht aufgezogen, auch die Nationalhymne ertönte nicht. Das IOC hatte Kuwaits NOK im vergangenen Oktober wegen politischer Einflussnahme der Regierung suspendiert. Aldeehani startete für die "Mannschaft unabhängiger Athleten", gespielt wurde die Olympische Hymne, aufgezogen die Olympische Flagge. "Es tut weh und ist sehr enttäuschend", sagte Aldeehani.

+++ Wenn Monika Karsch mit ihren zwei Kindern die nächste Kirchweih in Regensburg besucht, schließen die Betreiber der Schießstände beim Anblick der Olympia-Zweiten vermutlich reflexartig ihre Buden. "Auf der Kirmes schieße ich wirklich alles weg", sagte Pistolenschützin Karsch am Tag nach ihrem Sensations-Silber: "Das ist wirklich einfach!"

Der fünfte Tag in Rio – die anderen Deutschen

+++ Die Dressurreiter haben auf Anhieb Goldkurs eingeschlagen. Sönke Rothenberger und Dorothee Schneider liegen im Grand Prix weit vor dem Rest der Konkurrenz. Deutsches Mannschaftsgold in der Dressur gilt als eines der sichersten in Rio.

+++ Schwimmer Christian Diener lieferte: Mit persönlicher Bestzeit schwamm er ins Finale über 200 m Rücken. Dumm nur: Er schubste Jan-Philip Glania aus dem Endlauf. Um 16 Hunderstel. Diener hatte die achtbeste Zeit, Glania die neuntbeste. Auch Philip Heintz (200 m Lagen) aus Heidelberg erreichte den Endlauf.

+++ Doppelte Pleite im Zeitfahren: Die frühere Weltmeisterin Lisa Brennauer wurde nur Achte, der dreimalige Weltmeister Tony Martin nur Zwölfter. "Ich muss eben akzeptieren, dass ich zurzeit nicht absolute Weltspitze bin", sagte Martin.

+++ Erstmals seit 36 Jahren gibt es bei Olympischen Spielen keine Medaille für deutsche Fechter. Daran konnten am Mittwoch auch die beiden Säbelspezialisten Szabo und Max Hartung (beide Dormagen) nichts mehr ändern. Sie schieden vorzeitig aus. Auch Florettfechterin Carolin Golubytskyi aus Tauberbischofsheim scheiterte früh.

+++ Nach den Männern stehen nach einem 2:0 gegen Südkorea auch die Hockey-Frauen vorzeitig im Viertelfinale. "Wer uns bisher gesehen hat, kann sich vorstellen, dass wir unangenehm sein werden", sagte Bundestrainer Jamilon Mülders.

+++ Die Wasserspringer Patrick Hausding und Stephan Feck verpassten bei widrigsten Bedingungen im Synchron-Wettbewerb vom 3-m-Brett die Medaille. Die WM-Sechsten sprangen als Vierte deutlich an Bronze vorbei.

+++ Flintenschütze Andreas Löw (Wiesbaden) verfehlte eine Medaille im Doppel-Trap als Sechster nur knapp. Dabei hatte der Vize-Weltmeister von 2011 in der Qualifikation mit 140 Treffern noch einen olympischen Rekord aufgestellt.

+++ Segel-Hoffnung Philipp Buhl hat zur Halbzeit der Regatten im Laser fast alle Medaillenchancen verspielt. Als Gesamt-13. nach sechs von zehn Rennen muss der Allgäuer sogar um den Finaleinzug bangen.

(seeg/sid)
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