| 07.12 Uhr

Olympia
So lief die Nacht in Rio

Werth jubelt über Silber, Bröring-Sprehe über Bronze
Werth jubelt über Silber, Bröring-Sprehe über Bronze FOTO: dpa, nic
Rio de Janeiro. Der zehnte Wettkampftag wurde überschattet durch den Unfalltod des deutschen Kanu-Trainers Stefan Henze. Medaillen holten die deutschen Dressur-Reiter und Ringer Denis Kudla. Die Tischtennis-Männer erlebten eine Enttäuschung. Das Wichtigste aus der Nacht zum Nachlesen.

+++ Bestürzung und tiefe Trauer im deutschen Team: Kanuslalom-Trainer Stefan Henze ist tot. Er stirbt an den Folgen der schweren Verletzungen, die er bei einem Verkehrsunfall erlitten hat. Henze wird nur 35 Jahre alt. "Wir sind unendlich traurig an diesem Tag", sagt DOSB-Präsident Alfons Hörmann: "Worte können nicht annähernd beschreiben, was wir nach diesem schrecklichen Verlust empfinden." Henzes Familie, die an seinem Sterbebett weilt, teil mit: "Wir wissen: Stefans eigene olympische Gedanken leben in vielen Menschen weiter." Am Dienstag soll die deutsche Fahne an allen Wettkampfstätten auf Halbmast wehen.

+++ Silber und Bronze in der Dressur: Im Tanz der Tränen belegt die einzigartige Isabell Werth mit ihrer Stute Weihegold Rang zwei hinter der alten und neuen Olympasiegerin Charlotte Dujardin (Großbritannien). Die beiden sonst so beherrschten Amazonen lassen ihren Tränen freien Lauf. Platz drei für Kristina Bröring-Sprehe und ihren Desperados rundet das stimmige Bild ab.

+++ Denis Kudla lässt sich auf die Matte fallen, schlägt sich die Hände vors Gesicht. Bronze im Ringen, die erste deutsche Medaille in dieser urolympischen Sportart seit 2008 - damit hatte niemand, nicht einmal Kudla selbst gerechnet. "Seit ich sechs Jahre alt bin, arbeite ich darauf hin. Ich bin total müde und kaputt, das waren knüppelharte Kämpfe", sagt der 21-Jährige aus Schifferstadt nach dem Sieg über den Ungarn Victor Lörincz.

+++ "Ihr versteht endlich nach vier Jahren, wie gut ihr seid!", ruft Trainer Jamilon Mülders seinen Hockey-Frauen zu. Die zeigen beim 2:1 (2:0) gegen die USA eine starke Vorstellung und ziehen ins Halbfinale ein. "Jetzt kommen zwei dicke Dinger, die holen wir uns!", sagt Mülders. Nächster Gegner sind die Niederländerinnen, die großen Goldfavoritinnen, wie 2004, als Deutschland zuletzt eine Medaille gewann. Damals holten die deutschen Frauen Gold. Gegen die Niederländerinnen.

+++ Final-Traum geplatzt, doch eine Medaillen-Chance bleibt: Die deutschen Tischtennis-Männer kämpfen um Bronze. Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Bastian Steger verlieren im Halbfinale gegen Japan 1:3. Im Spiel um Platz drei am Mittwoch gegen Südkorea hat die Mannschaft eine weitere Möglichkeit, die dritte olympische Team-Medaille in Serie zu holen. "Jetzt gilt es, die Konzentration schnellstmöglich auf das Spiel um Bronze zu richten", sagt Bundestrainer Jörg Roßkopf.

+++ Gesa Felicitas Krause stützt völlig erschöpft die Hände auf die Knie, schnappt nach Luft. Dem Wahnsinns-Tempo der Weltelite war die 24-Jährige nicht gewachsen. 9:18,41 Minuten bedeuten über 3000 Meter Hindernis deutschen Rekord - und Rang sechs. Trotzdem ist die WM-Dritte aus Frankfurt einmal mehr beste Europäerin.

+++ Wegen Starkregens werden die Leichtathletik-Wettbewerbe für mehr als 20 Minuten unterbrochen. Die Hürdensprinter Alexander John und Matthias Bühler, die zuvor unter dem schlechten Wetter litten, dürfen nochmal ran. Das Halbfinale erreichen sie aber auch im zweiten Versuch nicht.

Der zehnte Tag in Rio - die anderen Deutschen

+++ 31:25 gegen Ägypten, Gruppensieg, Zwischenstation Viertelfinale erreicht. Die Handball-Bad-Boys sind auf Kurs. "Wir wissen, dass jetzt die K.o.-Phase beginnt - und da sind wir nicht so schlecht", sagt Trainer Dagur Sigurdsson. Nächster Gegner ist Vize-Weltmeister Katar.

+++ Die deutschen Rennsport-Kanuten liegen auf Kurs. Weltmeister Sebastian Brendel zog im Canadier-Einer ebenso ins Finale am Dienstag ein wie Max Hoff (Kajak-Einer) und Franziska Weber/Tina Dietze im Kajak-Zweier.

+++ "Es gibt nichts Geileres, als hier zu schwimmen. Das ist viel besser als im Schwimmbad", sagt Isabelle Härle. Vor der Copacabana holt die Freiwasserschwimmerin über 10 km einen starken sechsten Platz.

+++ "Miss Hammerwurf" Betty Heidler verliert im letzten Durchgang Bronze, ist aber nach ihrem, letzten großen Wettkampf trotz Platz vier mit sich im Reinen. "Ich gehe stolz aus dem Stadion, das war definitiv ein schönes Ende", sagt sie.

+++ Bahnradsprinterin Kristina Vogel steht im Viertelfinale des Sprint-Turniers. Dort wartet am Dienstag Wai Sze Lee aus Hongkong. Miriam Welte ist ausgeschieden.

+++ Dreisprung-Europameister Max Heß scheitert in der Qualifikation. 16,56 m sind sechs Zentimeter zu wenig. "Es fühlt sich ziemlich beschissen an", sagt Heß.

+++ Aufholjagd ohne Happy End: Roger Kluge fährt im Bahnrad-Mehrkampf Omnium deutlich an den Medaillenrängen vorbei und belegt Rang sechs.

+++ Superschwergewichts-Ringer Eduard Popp verliert in der Klasse bis 130 kg im entscheidenden Kampf um Bronze gegen Sabah Shariati aus Aserbaidschan - Platz fünf.

+++ Die Wasserspringer Patrick Hausding und Stephan Feck erreichen das Halbfinale vom 3-m-Brett.

+++ Jackie Baumann, Tochter von Barcelona-Olympiasieger Dieter Baumann, verpasst den Einzug ins Halbfinale über 400-m-Hürden klar.

+++ Das Diskus-Trio um Vize-Europameisterin Julia Fischer zieht geschlossen ins Finale am Dienstag ein. Fischer reichen 61,83 m, die EM-Dritte Shanice Craft qualifiziert sich mit 60,23 m, die WM-Dritte Nadine Müller mit 63,67 m.

(sb/sid)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Olympia 2016: Das war die Nacht des 15. August


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.