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Olympia
Das war die Nacht in Rio

Auch die Hockey-Damen lassen es nach Bronze krachen
Auch die Hockey-Damen lassen es nach Bronze krachen FOTO: dpa, hpl
Rio de Janeiro. Gemischte Gefühle bei den deutschen Mannschaften: Während die Fußball-Frauen über Gold jubeln und die Hockey-Damen eine Bronze-Party im deutschen Haus feiern, trauern die Handball-Herren nach einer Last-Minute-Pleite im Halbfinale gegen Frankreich. Auch Lena Schöneborn erlebte einen Tag zum Vergessen. Die Höhepunkte der vergangenen Nacht zum Nachlesen.

+++ Die Olympiasiegerinnen begruben Zauberfüßchen Dzsenifer Marozsan unter sich, und "Königin" Silvia Neid sprang im Überschwang der Gefühle auf das Jubelknäuel: In einer magischen Nacht im Maracana hat Torschützin Marozsan die deutschen Fußballerinnen erstmals auf den Olymp geführt. Beim 2:1 (0:0) gegen Schweden traf sie per Traumtor, das 2:0 per Eigentor von Linda Sembrant (62.) erzwang sie mit einem Freistoß an den Pfosten. Neid bekam damit nach elf Jahren den erhofften goldenen Abschied. "Das war das I-Tüpfelchen", sagte die Bundestrainerin, "ich bin einfach total happy."

+++ Als er endgültig in den Kreis der Sportlegenden aufgestiegen war, stellte sich Usain Bolt mit ausgebreiteten Armen wie die lebendig gewordene Christus-Statue in Rio vor die jubelnden Fans. Seht her, sollte das wohl heißen, ich bin tatsächlich der "Größte". Und prompt sagte er nach seinem Triple-Triple: "Es ist vollbracht. Es ist unwirklich. Ich bin der Größte." Mit einem unnachahmlichen Schlussspurt führte er die 4x100-m-Staffel zu Gold, nach 2008 und 2012 schaffte der Superstar auch am Zuckerhut über 100 m, 200 m und 4x100 m den Gold-Hattrick - das hatte es zuvor noch nie gegeben.

+++ Torhüter-Titanin Kristina Reynolds umarmte all ihre Kolleginnen, dann begannen die Hockey-Heldinnen gemeinsam zu hüpfen und zu singen. "Oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen ..." Und es stimmte ja: Mit Bronze haben die Frauen ihre erste Medaille seit dem Olympiasieg 2004 errungen - dank Reynolds. "Es wird eine lange Nacht", kündigte die Hamburger an, und fügte mit Blick auf das ebenfalls mit Bronze dekorierte Team um Moritz Fürste hinzu: "Ich hoffe, die Männer feiern nochmal mit. Ich brauche jetzt viel zu trinken." Das erste Bier gab's direkt vor dem Stadion. Zu wummernden Bässen tanzten die Frauen wie beseelt und sangen immer wieder: "Ein Hoch auf uns!"

+++ Der Traum der deutschen Handballer von einem Happy End platzte drei Sekunden vor Schluss. Daniel Narcisse sprang hoch, warf – und aus den Bad Boys wurden die Sad Boys. In einem verrückten Halbfinal-Krimi unterlag die DHB-Auswahl nach einer schier unglaublichen Aufholjagd dem Top-Favoriten Frankreich mit 28:29 (13:16). "Das war ein ganz bitteres Ende für uns", sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Es bleibt die Chandce auf Bronze im kleinen Finale am Sonntag (15.30 Uhr MESZ) gegen Polen.

+++ Lena Schöneborn hockte verzweifelt in der Umkleidekabine und weinte bittere Tränen. Ausgerechnet eine Fuchsstute namens "Legende" bescherte der Peking-Olympiasiegerin die schmerzhafteste Niederlage ihrer Karriere. Ein Debakel beim Reiten kostete Deutschlands beste Moderne Fünfkämpferin alle Chancen auf Edelmetall, sie landete schließlich auf Platz 32. Annika Schleu belegte nach einem starken Combined immerhin den fünften Rang.

+++ Frust und ein bisschen Ärger standen Christian Ahlmann und Daniel Deußer in die verschwitzten Gesichter geschrieben: Die Springreiter müssen weiter auf eine Medaille im Einzel warten. Der Weltranglistenerste Ahlmann mit Taloubet und Deußer mit First Class verpassten durch Abwürfe im zweiten Umlauf ihre Chancen auf Edelmetall. "Mit ein bisschen Glück bleibt die Stange liegen", sagte Ahlmann nach seinem Abwurf am vorletzten Hindernis: "Aber dieses Glück hatten wir heute nicht."

Der 14. Tag in Rio – die anderen Deutschen

+++ Die 4x100-m-Staffel der Frauen zeigt ein starkes Rennen , verpasst eine Medaille auf Platz vier aber um 0,33 Sekunden. "Wir können zufrieden sein, die anderen waren einfach besser drauf", sagt Schlussläuferin Rebekka Haase, "aber wir fangen ja erst an, die nächsten Jahre wird's spannender."

+++ Martina Strutz belegt als beste Deutsche im Stabhochsprung mit 4,60 m Rang neun direkt vor Lisa Ryzih (4,50 m). "Ich bin gestern noch Bestleistung im Training gesprungen, war fit", sagt Strutz. Ryzih meint: "Die Enttäuschung ist sehr groß, die Form war eigentlich ganz okay."

+++ Vier deutsche Boote mit Kanu-König Sebastian Brendel an der Spitze kämpfen zum Abschluss der Olympia-Regatta am Samstag um Medaillen. "Die Stimmung ist super, wir haben eine dufte Truppe", sagte Cheftrainer Reiner Kießler.

+++ Boxer Artem Harutyunyan verpasst das Finale und muss sich mit Bronze begnügen. Der gebürtige Armenier verliert das Halbfinale im Halbweltergewicht (bis 64 kg) gegen Lorenzo Sotomayor Collazo aus Aserbaidschan 0:3.

+++ Keine Medaille für die Taekwondo-Kämpfer: Nach Rabia Gülec in der Klasse bis 67 kg scheitert auch ihr Bruder Tahir (bis 80 kg). Der frühere Weltmeister unterliegt in der Hoffnungsrunde dem Polen Piotr Pazinski per Golden Point.

+++ Bei der Hitzeschlacht im 50 km Gehen geben Hagen Pohle aus Potsdam und Carl Dohmann (Baden-Baden) vorzeitig auf.

+++ Die deutsche 4x400-m-Staffel der Frauen läuft in 3:26,02 Minuten Saisonbestleistung, verpasst aber das Finale um 31 Hundertstelsekunden.

+++ Die Turmspringer Sascha Klein und Martin Wolfram erreichen das Halbfinale ohne Probleme.

+++ BMX-Meister Luis Brethauer kommt im Halbfinale zu Fall und bricht sich wohl das Schultereckgelenk. "Dass er in der letzten Kurve stürzte, ist tragisch", sagt Bundestrainer Florian Ludewig. Für Nadja Pries kommt das Aus ebenfalls in den Vorschlussläufen.

+++ Die Entscheidung um die Medaillen im Golf findet ohne die deutsche Top-Golferin Caroline Masson statt. Die 27-Jährige liegt vor dem Finaltag auf dem 24. Rang. Sandra Gal ist 26.

(sid)
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