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Sex im Olympischen Dorf
Dating-Apps erleben in Rio ihren Höhepunkt

Diese Athleten nutzen Dating-Apps in Rio
Diese Athleten nutzen Dating-Apps in Rio
Rio de Janeiro/Düsseldorf. Dass die internationalen Beziehungen vor und nach den olympischen Wettkämpfen intensiv gepflegt werden, sollte mittlerweile niemanden mehr überraschen. Neu ist nur der Weg zum außersportlichen Vergnügen. Dating-Apps wie Tinder helfen den Athleten. Von Kilian Treß

Wer verkrampft an den Start geht, der hat im Prinzip schon verloren. Deswegen heißt es für die rund 11.000 Athleten im Olympischen Dorf: Locker machen. Auf andere Gedanken kommen. Durchschnaufen. Oder einfach zur Zimmer-Nachbarin oder dem Nachbarn gehen, und sich einmal bei einem kurzen Schäferstündchen vom Druck befreien, der auf den Schultern lastet. Vorrunde der anderen Art eben.

Denn offenbar geht es zwischen den Etagen in den Hochhäusern des olympischen Dorfes ordentlich zur Sache. Im sozialen Netzwerk "Instagram" ist unter den beiden Profilen "Sportswipe" sowie Ableger "Tinderrio" zu sehen, welche der Sportler sich bei sogenannten Dating-Apps wie "Tinder" oder "Bumble" angemeldet haben. Im Vordergrund der Apps steht aber in Wirklichkeit weniger das Daten, sondern vielmehr das körperliche Vergnügen.

Wie die Tinder-Sprecherin Rosette Pambakian "CBS News" sagte, sei seit Eröffnung der Spiele die Nutzung (Swipes) der App in Rio de Janeiro um 69 Prozent gestiegen. Die beeindruckendste Zahl ist aber eine andere. "Rund um das Olympische Dorf sind die Matches um 129 Prozent gestiegen", sagt Pambakian. Matches bedeutet Treffer – dass zwei Sportler sich via App gezeigt haben, an der anderen Person mehr als interessiert zu sein.

Eines der bekanntesten Gesichter unter den Tinder-Nutzern ist der Schwimm-Superstar Ryan Lochte. Der US-Amerikaner ist ein Altbekannter, der offenbar gerne das olympische Bett mit Kolleginnen teilt. Vor vier Jahren bei den Spielen in London fiel der heute 32-Jährige zumindest mit einer bemerkenswerten Aussage auf: "Damals in Peking 2008 hatte ich eine Freundin zu Hause – ein großer Fehler. Jetzt bin ich Single, so könnte London sehr gut werden. Ich bin aufgeregt", sagte Lochte bei den Spielen vor vier Jahren. Eine Bemerkung, die aufzeigt, was hinter den Zäunen um das Olympische Dorf passiert. Und auch in Rio ist es offenbar mehr als nur "Karneval der Kulturen".

Lochte ist einer von vielen, die die Dating-App nutzen, um sich die Zeit vor und nach den Wettkämpfen zu vertreiben. Außerdem können Abende in Brasilieen lang werden, da in Rio die Sonne schon gegen 17.30 untergeht.Zumeist durchtrainierte Schwimmer, Leichtathleten und Turner aller Nationen zeigen sich bei Tinder. Aber auch das Schwergewicht Tim Nedow, Kanada, Kugelstoßer, ist sich nicht zu schade, seinen mächtigen Körper via Tinder zur Schau und damit eben auch den Damen im Dorf zur Verfügung zu stellen.

Doch es sind längst nicht nur die Männer, die auf ein kleines Tête-à-Tête aus sind. Auch Frauen suchen offenbar gezielt. Eine Deutsche soll laut "Tinderrio" auch darunter sein, die 19-Jährige Nike Lorenz. Die Wiesbadenerin vom Mannheimer Hockeyclub 1907 ist aber in guter Gesellschaft. Ob US-Schwimmerinnen oder schwedische Fußballerinnen wie Amanda Ilestedt oder Stina Blackstenius – sie alle surfen zwischendurch bei Tinder und Co.. Die Frauen zeigen mal etwas mehr Haut, da mal einen knackigen Po in Jogging-Hose oder auch ein Bild im Bikini am Pool.

Dass es im Olympischen Dorf früherer Spiele ordentlich geknistert hat zwischen den Athleten, ist ein offenes Geheimnis. Doch nie war es so einfach wie heute. Zum ersten Mal gewannen die Apps an Bedeutung im Olympischen Dorf im Winter in Sotschi 2014. Damals wurden die strengen Social-Media-Richtlinien, die in London 2012 noch herrschten, gelockert. Ganz zur Freude der Sportler.

Das Organisationskomitee der Olympischen Spiele in Rio war auf derartigen Zeitvertreib bestens vorbereitet. 450.000 Kondome hat der Veranstalter für die Athleten zur Verfügung gestellt. Kostenlos. Dreimal so viele wie vor vier Jahren. Das heißt jedem Sportler stehen über 40 Präservative zur Verfügung. Eröffnungs- und Abschlussfeier mit eingerechnet also 2,4 Kondome für jeden der 17 Olympia-Tage. Diese Lkw-Ladung Schutz ist wahrscheinlich auch eine Vorsichtsmaßnahme wegen der Sorge vor dem Zika-Virus, das sexuell übertragen werden kann, und in der Region verbreitet ist.

Der ein oder andere Zuschauer wird ab jetzt die schlechten Leistungen seines Athleten wohl mit einem anderen Auge betrachten. Auch wenn die Sportler versuchen, die Tinder-Nutzung zu relativieren. Die 27-jährige Fechterin Yemi Apithy aus Frankreich zum Beispiel: "Ich nutze Tinder nur als Ablenkung."

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