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Olympia 2016
Gut in Schuss

Olympia 2016: Die deutschen Zielvorgaben für Rio
Olympia 2016: Die deutschen Zielvorgaben für Rio FOTO: afp, VANDERLEI ALMEIDA
Lehrte. Die Olympischen Spiele in London waren ein Debakel für den Deutschen Schützenbund. Die Aussichten für Rio de Janeiro indes sind gut. Das Ziel: zwei bis drei Medaillen. Von Martin Beils

Die Enttäuschung saß tief. Keine olympische Medaille. Zum ersten Mal seit 48 Jahren. Die Zielvorgabe des Deutschen Olympischen Sportbundes und des Bundesinnenministeriums von fünf Medaillen, davon zwei goldene, verfehlt. Weit verfehlt. Die Spiele in London waren ein Debakel für den Deutschen Schützenbund.

Der DSB hat Konsequenzen gezogen. Heinz-Helmut Fischer (65) aus dem niedersächsischen Lehrte, seit drei Jahren Präsident des Verbandes, darf stolz sagen: "Bei Welt- und Europameisterschaften waren wir zuletzt so gut wie nie. Ich bin voller Hoffnung für Rio de Janeiro." Deutschland gehört nun wieder zu den besten drei Nationen im Schießsport. 17 Startplätze für Brasilien sind sicher. "Alle, die sich bislang qualifiziert haben, starten auch mit Medaillenchancen", meint Fischer. Zwei bis drei Medaillen,so lautet die Zielvorgabe für die Spiele, die in knapp einem halben Jahr beginnen. Fischer: "Und möglichst soll Gold dabei sein." Nach dem Luftgewehr-Wettkampf der Frauen werden die ersten Medaillen der Spiele überhaupt vergeben.

Der DSB hat die Krise von London als Chance gesehen. Unmittelbar nach der Aufarbeitung der schwachen Ergebnisse von 2012 brachte Sportdirektor Heiner Gabelmann ein umfangreiches Leistungssportkonzept auf den Weg. Mit neuen Qualifikationsrichtlinien und neuem Trainerstab bremste er die älteren Schützen aus, die den Aufschwung der Jungen zuvor oft verhindert hatten. Das "Top Team Future", so die neue Bezeichnung, bietet Talenten nun einen Rahmen. Ein anderer zentraler Baustein des neuen Förderkonzepts ist eine Stärkung des Stützpunkttrainings. Die Besten trainieren damit regelmäßig gemeinsam.

Der Generationswechsel wurde zudem von neuen Bundestrainern begleitet, "die stark an die Stützpunkte angelehnt sind, damit sie mit den jungen Athleten hochwachsen können", erklärt Gabelmann. Der Umbruch kostet viel Geld. Da sich die Pleite von London gerade bei der Förderung durch Steuergelder ausgewirkt hat, tritt der Schützenbund in Vorleistung. "Wir schwimmen nicht im Geld, doch wir mussten nach London einfach Prioritäten setzen. Daher investierten wir aus den Rücklagen der vergangenen Jahre eine sechsstellige Summe im unteren Bereich extra in den Leistungssport", sagt DSB-Bundesgeschäftsführer Jörg Brokamp.

Der Schützenbund ist ein stolzer Verband. Er ist der viertgrößte deutsche Sportverband und der älteste. 1861 vereinten sich die deutschen Schützen "gleichsam als eine Ehrenreserve der Armee", wie es der Gothaer Herzog Ernst in der Gründungsrede formulierte. Politik und Sport spielten ineinander. Ähnlich wie ansatzweise die Turner wollten auch die Schützen damals einen Beitrag zur Verteidigung gegen drohende Gefahren von Außen leisten. Außerdem sollte durch einheitliche Regeln und Waffen das gemeinsame Wettkampfschießen erleichtert werden.

Die Wahrnehmung des Schießsports außerhalb des Kreises der Aktiven und ihrer Angehörigen beschränkt sich heute in der Regel auf die Olympischen Spiele. Dann sind Schützen wie der dreimalige Goldmedaillengewinner Robert Schumann aus Suhl Helden für einen Tag. Doch ansonsten erreicht der Sport die breite Öffentlichkeit nicht.

Dabei gibt es Vorbilder in verwandten Sportarten. Biathlon mit seinen Einschaltquoten über Formel-1-Niveau zum Beispiel. Oder Darts. Bis zu zwei Millionen Zuschauer sahen sich zum Jahreswechsel die WM-Übertragungen von den Wettkämpfen in Oktoberfest-Atmosphäre an. "Im Sportschießen wird sich in den nächsten Jahren einiges verändern", kündigt Präsident Fischer an. "Ein Beispiel - auch wenn es kein Sport, sondern Tradition ist - ist das Bundeskönigsschießen. Das wird in diesem Jahr am Rheinufer in Köln-Deutz unter hohem Publikumszuspruch stattfinden. Brauchtum und Schießsport befruchten sich gegenseitig."

Ein Vorreiter ist die Sparte Bogensport, die am vergangenen Wochenende ihr Bundesligafinale in Wiesbaden modern inszeniert hat. Das Publikum konnte den Wettkampf auf einer Großleinwand jederzeit verfolgen, Sportdeutschland.tv hat im Internet übertragen. "Die Bogenschützen haben so starken Zulauf, dass es in manchen Vereinen sogar schon an Trainern mangelt", sagt Fischer, "es ist ein attraktiver Sport, der auch häufig im Urlaub angeboten wird." Der DSB hat eine Vereinbarung mit dem Urlaubsanbieter Robinson, der in seinen Clubs Meisterschaften für die Gäste austrägt.

Die Entwicklung der Wettkämpfe geht in Richtung Event. Ab 2017 kommt für drei Jahre der Weltcup der Bogensportler nach Berlin. "Das Finale wird mitten in der Stadt stattfinden. Da, wo die Leute sind", sagt Fischer. Ein Vorbild ist die WM 2015 in Kopenhagen, wo die Pfeile vor dem Parlamentsgebäude flogen.

Quelle: RP
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