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Olympia in Rio
Die größten Goldfavoriten der Sommerspiele

Deutschlands Medaillenhoffnungen für Rio
Deutschlands Medaillenhoffnungen für Rio FOTO: dpa, fux nic
Düsseldorf. Am Freitag werden die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro offiziell eröffnet. Dann kämpfen die Athleten um Gold, Silber und Bronze. Schon im Vorfeld zeichnet sich in einigen Sportarten und Disziplinen ab, über wen der Weg zum Olympiasieg führt. Wir zeigen die größten Goldfavoriten. Von Stephan Seeger

BASKETBALL

Auch wenn die USA in diesem Jahr nicht mit der besten Mannschaft antritt: Alles andere als der Olympiasieg wäre schon eine mittelgroße Sensation. Zwar stehen die Superstars LeBron James, Stephen Curry, James Harden oder Russell Westbrook nicht zur Verfügung, aufgrund des immensen Spielermaterials in den Staaten schicken die USA aber immer noch eine Mannschaft gespickt mit Stars an den Zuckerhut. Angeführt von Kevin Durant, der im Sommer von den Oklahoma City Thunder zu den Golden State Warriors wechselte und für viel Aufsehen rund um die NBA sorgte, wollen die USA ihren Titel verteidigen.

Und in der Vorbereitung deutete die Mannschaft von Trainer Mike Krzyzewski an, in welche Richtung es bei den Sommerspielen gehen wird. Gegen die Gruppengegner China und Venezuela landeten die US-Boys in der Vorbereitung klare Siege, Nigeria und Argentinien wurden ebenfalls deutlich geschlagen. Selbst "Mitfavorit" Spanien, immerhin Europameister, dürfte den USA nicht im Weg stehen. Schlagen können sich die US-Stars in Rio nur selbst.

TISCHTENNIS

Von bislang 28 vergebenen Olympia-Goldmedaillen haben Chinas Ausnahmekönner 24 gewonnen, und es gibt keinen ersichtlichen Grund, warum diese Dominanz in Rio enden sollte. Die Mannschafts-Titel sind quasi nur Formsache, im Einzel müssen die Weltmeister Ma Long (Männer) und Ding Ning (Frauen) eigentlich nur den jeweiligen Konkurrenten aus dem eigenen Lager fürchten, wie etwa London-Olympiasiegerin Li Xiaoxia. Die deutschen Teilnehmer Dimitri Ovtcharov und Timo Boll können im Einzel auf Bronze hoffen, im Mannschaftswettbewerb sogar auf Silber – vorausgesetzt, sie erreichen das Finale gegen China. Mit Boll meinte es die Auslosung aber nicht gut: Er würde schon im Viertelfinale auf den großen Favoriten treffen.

REITEN

Michael Jung ist der große Goldfavorit im Vielseitigkeitsreiten. Konkurrenz droht ihm vor allem aus den eigenen Reihen in Person von Sandra Auffarth. Die deutsche Mannschaft dürfte nur sehr schwer zu schlagen sein. Sollten sich die deutschen Vielseitigkeitsreiter keine großen Patzer leisten und die Pferde im Griff behalten, sind zwei Goldmedaillen wahrscheinlich.

In der Dressur führt Deutschland den olympischen Medaillenspiegel mit 19 Gold-, 11 Silber- und 9 Bronzemedaillen mit weitem Abstand an. Bundestrainerin Monica Theodorescu formuliert ganz klar das Ziel Mannschaftsgold, im Einzel gehören Kristina Bröring-Sprehe und bei entsprechendem Beritt Isabell Werth zu den heißesten Medaillenkandidaten. Der Weg zum Gold führt allerdings mit einiger Sicherheit nur über London-Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin Charlotte Dujardin.

SPRINT

Usain Bolt greift in Rio nach seinem dritten Gold-Triple: Bei den vergangenen beiden Olympischen Spielen in Peking und London gewann der Superstar über 100 Meter, 200 Meter und mit der 4x100-Meter-Staffel jeweils Gold. Allerdings hat Bolt in dieser Saison noch nicht glänzen können. Der Jamaikaner wurde von Verletzungen geplagt, die Weltjahresbestzeit über 100 Meter hält der US-Amerikaner Justin Gatlin, die er erst Anfang Juli bei den US-Trials in Eugene aufstellte. Der 34-Jährige lief die 100 Meter in 9,80 Sekunden – ein Fingerzeig in Richtung Bolt. Einer von beiden wird das Rennen machen.

Auf der doppelten Distanz ist Bolt nahezu unschlagbar. Beim Diamond-League-Meeting in London lief Bolt eine Zeit von 19,89 Sekunden – und strengte sich dabei nicht einmal großartig an. Gatlin schaffte in dieser Saison bereits 19,75 Sekunden, noch schneller war sogar sein Landsmann LaShawn Merritt (19,74). Doch wenn alles normal läuft, wird Bolt in Rio auf dieser Distanz keine Probleme haben.

ZEHNKAMPF

Die Wettanbieter sind sich bereits sicher: Olympiasieger im Zehnkampf wird der US-Amerikaner Ashton Eaton. Die Quote für eine Goldmedaille steht bei 1,1. Heißt: Für einen Euro Einsatz gibt es 1,10 Euro zurück. Hinter Eaton wird der Kanadier Damian Warner mit einer Quote von 9,0 geführt. Alles andere als ein weiterer Olympiasieg Eatons wäre eine Überraschung.

DISKUSWERFEN

Robert Harting oder Piotr Malachowski, Deutschland oder Polen: Im Diskuswerfen der Männer kämpfen die beiden ewigen Rivalen um Olympisches Gold. Vor vier Jahren holte Harting Gold, Malachowski landete nur auf dem fünften Platz. Seit vielen Jahren kämpfen die beiden um die Vormachtstellung unter den Diskuswerfern, bei der WM 2009 in Berlin erreichte dieses Duell den Höhepunkt. Fünf Durchgänge lang war der Pole vorne, ehe Harting mit dem letzten Versuch doch noch Gold holte. Die beiden besten Weiten im Jahr 2016 warf Malachowski (68,15/68,10), Harting rangiert mit 68,04 Metern in dieser Liste nur auf Platz vier hinter seinem Bruder Christoph (68,06). Doch wer Harting kennt, der weiß: Bei großen Events wächst er über sich hinaus.

JUDO

2,04 Meter misst Teddy Riner und bringt 131 Kilogramm auf die Waage. Trotz dieser Maße ist der Schwergewichtler auf der Matte sehr beweglich. Wenn es im Judo einen Superstar gibt, dann den Olympiasieger von 2012. Riner wurde nach seinem Goldcoup von London zu Frankreichs Sportler des Jahres gewählt. Bei der Eröffnungsfeier am Freitag trägt er die französische Fahne. Seine letzte Niederlage kassierte der 27-Jährige im September 2010. Gold im Schwergewicht geht nur über ihn.

SCHWIMMEN

Im Olympischen Becken dürften die USA die meisten Goldmedaillen absahnen. Bei den Frauen ist Katie Ledecky über 400, 800 und 1500 Meter Freistil die große Favoritin, hält in allen drei Disziplinen den Weltrekord. Mit Spannung wird das Comeback von Rekord-Olympiasieger Michael Phelps erwartet. Vier Jahre nach seinem Abschied kehrt der 31-Jährige nun ins Olympische Becken zurück. Daheim bei den US-Meisterschaften schwamm er über 100 und 200 Meter Schmetterling sowie 200 Meter Lagen schneller als der Weltmeister. In Rio kann Phelps nach insgesamt 22 olympischen Medaillen ein weiteres Kapitel Sportgeschichte schreiben: Über 100 Meter Schmetterling und 200 Meter Lagen könnte er zum vierten Mal in Folge Olympiasieger werden. Dieses Kunststück gelang bisher nur seinen Landsleuten Al Oerter mit dem Diskus und Carl Lewis im Weitsprung.

Deutschlands Hoffnungen ruhen vor allem auf Marco Koch. Über 200 Meter Brust geht Koch als Mitfavorit ins Rennen und könnte der erste deutsche Brustschwimmer seit 100 Jahren sein, der Olympisches Gold gewinnt. "Es wird Zeit", sagte der Weltmeister vor Beginn der Wettkämpfe. Der Weltrekord des Japaners Akihiro Yamaguchi steht seit 2012 bei 2:07,01 Minuten, Kochs Bestmarke bei seinem EM-Triumph 2014 bei 2:07,47. In diesem Jahr ist er schon dreimal unter 2:08 geschwommen, nur der US-Newcomer Joshua Prenot war schneller.

TENNIS

Novak Djokovic ist ohnehin schon der große Dominator – und dann sagte die Konkurrenz auch noch reihenweise ab. Roger Federer: muss verletzt passen. Stan Wawrinka: muss verletzt passen. Milos Raonic: spielt wegen des Zika-Virus nicht. Nur zwei Matches (plus eine Aufgabe) hat der von Boris Becker trainierte Serbe in dieser Saison verloren. Und so ist er auch der große Favorit auf Gold – es wäre das erste für Djokovic. Doch die Tennis-Fans dürfen aufmatmen: etwas Spannung wird es wohl doch geben. Djokovics derzeit größter Rivale Andy Murray ist in Rio ebenfalls am Start. Und im Gegensatz zu Djokovic hat der Wimbledon-Sieger schon Erfahrung darin, Olympiasieger zu werden. Vor vier Jahren gewann er die Einzelkonkurrenz.

Bei den Frauen ist die US-Amerikanerin Serena Williams ähnlich deutlich favorisiert, wie Djokovic. Wenn sie ihr bestes Tennis spielt, führt der Weg zu Gold nur über sie. Wenn sie sich Schwächen erlaubt, muss die Konkurrenz um die Deutsche Angelique Kerber da sein.

RADSPORT

Tour-de-France-Sieger Chris Froome geht als großer Favorit in das Olympische Zeitfahren. Doch auch dem deutschen Tony Martin ist eine Überraschung zuzutrauen, auch wenn die Strecke schwierig und eher auf Froome zugeschnitten ist. Im Straßenrennen gehört Froome neben Vincenzo Nibali (Italien) und Alejandro Valverde (Spanien) ebenfalls zu den Gold-Favoriten.

Auch bei den Frauen darf Deutschland auf Edelmetall hoffen. In Lisa Brennauer geht die Zeitfahrweltmeisterin von 2014 als Mitfavoritin auf die Strecke, der Kurs liegt ihr eher als Martin. Auch im Straßenrennen hofft Brennauer auf eine Medaille.

 

(seeg)
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