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Priester und Spätstarter
Die ungewöhnlichsten Olympia-Athleten

Olympia 2016: die kuriosesten Athleten
Gaurika Singh ist die jüngste Olympia-Teilnehmerin. FOTO: dpa, nic
Rio de Janeiro. Abseits der prominenten Olympia-Athleten sind in Rio de Janeiro jede Menge Sportler mit kuriosen und außergewöhnlichen Geschichten am Start. Einer von ihnen ist ein buddhistischer Priester, andere sind nach gesundheitlichen Rückschlägen einfach nur froh, dabei zu sein. Wir stellen einige besondere Athleten vor.

GAURIKA SINGH: Singh ist 13 Jahre alt und kommt aus Nepal. Die Schwimmerin ist die jüngste der mehr als 10.000 Athleten bei den Rio-Spielen. "Das ist ganz schön cool, aber auch ein bisschen surreal", sagt die Schülerin aus London. Schon als Zweijährige hatte sie gemeinsam mit ihren Eltern die nepalesische Heimat verlassen und war nach England gezogen. Immer wieder war sie danach in Nepal, um Freunde und Verwandte zu besuchen. Auch im April 2015 während des schweren Erdbebens, bei dem fast 9000 Menschen gestorben waren.

"Wir waren im fünften Stock eines Gebäudes, als das Erdbeben ausbrach. Wir haben uns aus Angst unter einem Tisch versteckt", erzählt sie. "Gott sei Dank war es ein neueres Gebäude, so dass es nicht wie alle umliegenden Häuser zusammenbrach."

OSKAR KIRMES: Der Turner Oskar Kirmes hat eine schwedische Mutter, einen estnischen Vater, wurde in Island geboren und startet für Finnland. Er habe deswegen im Internet zahlreiche Kommentare aus Island, Schweden, Finnland und Estland bekommen, berichtet der 20-Jährige. "Sie alle feuern mich an. Das ist sehr motivierend. Druck verspüre ich wegen der ganzen Länder überhaupt nicht."

Seine Eltern waren ebenfalls Turner, die sich bei einem Wettbewerb in Finnland kennengelernt hatten. Nach ihrer Hochzeit waren sie in die isländische Hauptstadt Reykjavik gezogen, wo Kirmes geboren wurde. Als Oskar 12 war, zog die Familie nach Schweden, weshalb er bis Anfang 2013 für die Schweden gestartet war. Erst anschließend hatte er sich entschieden, doch für Finnland zu turnen.

JANICE TEIXEIRA: Die Sportschützin gibt mit 54 Jahren ihr Olympia-Debüt. Eigentlich war sie schon 2008 in Peking dabei, damals noch als Kommentatorin für einen brasilianischen TV-Sender. Doch noch während der Spiele hatte sie einen Schlaganfall. "Ich kam dann ins Krankenhaus, meine komplette linke Körperhälfte war gelähmt. Ich konnte nicht mal mehr sprechen", berichtet Teixeira. Doch schon 40 Minuten danach war ihr Zustand wieder stabil. "Noch nicht mal die Ärzte konnten verstehen, wie das sein konnte."

Seitdem esse sie besonders viel Obst, rauche und trinke nicht. Teixeira ist die älteste Athletin im brasilianischen Olympia-Team. Und ihre ersten Olympischen Spiele sollen definitiv nicht ihre letzten sein. "Wer denkt, dass ich hier meine Karriere beenden werde, liegt verdammt falsch", sagt sie.

KAZUKI YAZAWA: Der 27-Jährige geht jeden Morgen vor Sonnenaufgang beten, erst am Nachmittag wird trainiert. Yazawa ist Kanute, strenggläubig und buddhistischer Priester im Zenkoji Daikanjin Tempel im japanischen Nagano. Bei den Olympischen Spielen vor vier Jahren in London war Yazawa im Kajak-Slalom Neunter geworden – Rekord für einen japanischen Kanuten. Danach hatte er allerdings Schwierigkeiten, Sponsoren zu finden.

Darum wuchs damals sein Bedürfnis nach einem stabilen Job, also beschloss er, Priester zu werden. "Ich wollte nie beides gleichzeitig machen", sagte Yazawa dem britischen "Guardian". "Als ich buddhistischer Priester wurde, sollte das mein Hauptberuf werden. Mit dem Kanu bin ich dann nur noch in der Freizeit gefahren." Selbst als Hobbysportler gewann er 2015 die japanischen Slalom-Meisterschaften – und löste sein Ticket für Olympia.

(dpa)
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