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Olympia 2016
Muslima Muhammad geht für die USA auf Medaillenjagd

Olympia 2016: Eine Muslima geht für die USA auf Medaillenjagd
Ibtihaj Muhammad ist Muslima und startet in Rio für die USA. FOTO: afp
Fechterin Ibtihaj Muhammad wird im Sommer an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnehmen. Eigentlich nichts Außergewöhnliches, doch Muhammad ist die erste praktizierende Muslima, die für das US-Team bei Olympia startet.

Zufrieden lächelt Ibtihaj Muhammad an der Seite ihrer Teammitglieder in die Kamera, hält die US-Flagge stolz in die Höhe und posiert mit erhobenem Finger. "Die Nummer eins sind wir", scheinen die Damen sagen zu wollen. Sie sind ein Team, die Fechterinnen der USA, vereint im sportlichen Erfolg. Und doch ist diese zwei Jahre alte Aufnahme, entstanden kurz nach dem Gewinn der WM-Goldmedaille 2014 im Teamwettbewerb, außergewöhnlich. Denn eine der Fechterinnen fällt aus der Norm. Sie trägt ein Kopftuch, ist praktizierende Muslima und wird in diesem Sommer ein Stück Sportgeschichte schreiben.

Ihr Name ist Ibtihaj Muhammad. Die 30 Jahre alte Säbelfechterin, geboren in New Jersey, gehört seit Jahren zum Fechtkader der USA, in Rio de Janeiro wird sie als erste gläubige Muslima aus den USA an Olympischen Spielen teilnehmen. "Sie ist eine großartige Athletin, eine bewundernswerte Person und eine gute Freundin", sagt Teamkollege Daryl Homer. Auf der Planche unter der Fechtmaske sind Herkunft, Glaube und Alter egal. Hier geht es nur um die sportliche Leistung, und die stimmt bei Muhammad.

In Zeiten der stetig wachsenden Vorbehalte zeigt Muhammad, dass Religionen die Menschen zwar prägen, aber keinesfalls unüberwindbare Hürden innerhalb der Gesellschaft darstellen müssen. "Es ist ein schwieriges politisches Umfeld. Ich denke, dass Muslime derzeit generell unter Beobachtung stehen, aber ich hoffe, dass ich das Bild ändern kann, das die Leute von einer Muslima haben", sagte sie jüngst.

Muhammad ist eine selbstbewusste und weltoffene Frau, in der Öffentlichkeit trägt sie Make-up und Schmuck. "Ob ich eine politische Debatte beeinflussen kann?", fragt die stolze Muslima rhetorisch, um die Antwort wenig später selbst zu liefern: "Ich weiß es nicht."

Zum Fechten kam sie als 13-Jährige allerdings nur über Umwege. Ihrer Mutter Inayah gefiel die Sportkleidung, denn die Fechter sind von Kopf bis zu den Fußspitzen bedeckt. In ihren Augen der einzig akzeptable Weg, damit ihre Tochter Sport treiben darf. "Ich weiß nicht, was das für ein Sport ist, aber du machst das", sagte sie zu Ibtihaj, die zuvor beim Volleyball oder Softball lange Kleidung unter ihrem Sportdress tragen musste. Und die Tochter fügte sich.

Der folgende sportliche Werdegang ist schnell erzählt. Muhammad kämpfte sich nach oben, sammelte nationale Titel und bald auch Erfolge auf internationaler Ebene. 2012 in London platzte der Traum von der Olympia-Teilnahme zwar noch, doch im August in Rio wird er in Erfüllung gehen. Dann soll es endlich wieder nur um Sport und nicht um Religion gehen. "Ich möchte in Rio einfach nur eine gute sportliche Leistung bringen. Das ist mein Plan", sagt Muhammad.

(seeg/sid)
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