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Olympische Spiele in Rio
Fünf Dinge, die von der Eröffnungsfeier hängen bleiben sollten

Olympia 2016: Fünf Dinge, die von der Eröffnungsfeier hängen bleiben sollten
RP-Redakteur Stefan Klüttermann war live im Maracanã dabei. FOTO: privat
Rio de Janeiro. Gut vier Stunden dauerte sie also, die Eröffnung der Olympischen Spiele 2016. Gut vier Stunden Programm, Stars, Athleten, Ideen, Reden und Botschaften. Rio 2016 ist damit nun offiziell eröffnet, aber die Eröffnungsfeier selbst ist naturgemäß schon wieder Geschichte. Von Stefan Klüttermann

Stellt sich die Frage: Was wird wohl von ihr hängen bleiben – vielleicht sogar über die kommenden 14 Tage hinaus? Fünf Gedanken aus dem Maracanã:

  1. Die massive Präsenz von Militär und Polizei Auf der Busfahrt zum Stadion, am und im Stadion – Militär und Polizei waren in einer Mannstärke präsent, wie sie sich in den vergangenen Tagen angedeutet hatte und wie sie nicht wirklich an eine Stadt in Friedenszeiten erinnern will. Während in Deutschland der Einsatz der Bundeswehr im Inneren immer wieder ein kontrovers diskutiertes Thema ist, setzt Brasilien nicht nur, aber besonders zu Olympia im Kampf gegen Terror, Gewalt und Kriminalität auf eine Demonstration von Stärke der Staatsmacht und Abschreckung. Es ist der bewaffnete Rahmen für aufsteigende Friedenstauben. Und es ist ein besorgniserregender Gegensatz, der seinen Platz in der olympischen Historie nehmen wird.
  2. Das Erlebnis Maracanã Wenn es um die Fußball-Stadien dieser Welt geht, gibt es wohl kaum eines, das von der Historie, von der Bedeutung, vom Mythos-Begriff her mit dem Maracanã mithalten kann. Vielleicht noch Wembley oder das Aztekenstadion in Mexiko-City. Dem Maracanã nun auf seine alten, wenn auch modernisierten Tage auch noch die Eröffnungsfeier von Olympischen Spielen zu ermöglichen, dürfte den Fußball-Kult dieser Stätte ein Stück weit hinüber in die restliche Sportwelt transportieren.
  3. Der Low-Tech-Ansatz Die bewusst von den Veranstaltern gewählte Herangehensweise, das in den vergangenen Jahren immer gigantischer, immer technischer gewordene Multimedia-Erlebnis Eröffnungsfeier wieder ein bisschen zurückzufahren und stärker auf kreative Ideen und die Ausstrahlung unzähliger engagierter Teilnehmer zu setzen, sollte Anklang bei künftigen Spielen finden. Dass die Brasilianer diesen Ansatz auch aus dem Zwang finanzieller Engpässe gewählt haben könnten, macht ihn ja nicht schlechter.
  4. Die Anregung zur Reflexion für uns Europäer Schon während der Eröffnungsfeier gab es in den sozialen Medien viele kritische Töne zum Dargebotenen: Was soll das? Versteht keiner! London vor vier Jahren war um Meilen besser! Vielleicht aber war es gar nicht das oberste Ziel dieser Eröffnungsfeier, uns Europäern zu gefallen? Sie gefiel den Zuschauern im Stadion übrigens richtig gut. Und vielleicht ist es auch in den kommenden 14 Tagen nicht wirklich der richtige und faire Ansatz, die ersten Olympischen Spiele auf südamerikanischem Boden mit streng europäischen Maßstäben zu bewerten? Es wäre doch einen Versuch wert, sich auf Rio und seine Spiele einzulassen, statt danach zu suchen, was hier bei uns alles besser laufen würde.
  5. Sportler als Impulse Es gab Zeiten, da klang es irgendwie ein bisschen angestaubt und abgedroschen, wenn es hieß, von den Spielen möge eine Botschaft des Friedens in die Welt gehen. Doch diese Zeiten sind angesichts der aktuellen Weltlage vorbei, und wer bei dieser Eröffnungsfeier wieder einmal gesehen hat, wie sehr sich Athleten aus allen Ländern gleichermaßen wie kleine Kinder freuen können, zu Olympia ins Stadion einzuziehen, der darf sich ganz einfach anstecken lassen von so vielen geballten positiven Emotionen.
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