| 20.40 Uhr

Erste US-Athletin mit Kopftuch
Muhammad kämpft nicht nur gegen die Gegnerinnen auf der Planche

Ibtihaj Muhammad tritt mit Kopftuch auf die Planche
Ibtihaj Muhammad tritt mit Kopftuch auf die Planche FOTO: dpa, mr
Rio de Janeiro. Ibtihaj Muhammad lächelte etwas verschüchtert, dann betrat die im Vorfeld mit viel medialer Aufmerksamkeit bedachte Säbelfechterin am Montagmorgen erstmals die olympische Planche. Und schrieb Geschichte: Als erste US-Athletin trat die 30-Jährige bei Olympischen Spielen mit Kopftuch an.

Auch wenn die Weltranglistenachte bei ihrem ersten Auftritt ihre sportlichen Ziele nicht erreichte – sie schied im Achtelfinale aus –, ist sie schon jetzt eine der Persönlichkeiten der Spiele. Muhammad ist schwarz, Muslima und tritt auch gegen Vorurteile an.

"Es ist schwer zu beschreiben. Es fließen so viele Emotionen durch deinen Körper in diesem Moment. Das war eine wunderbare Erfahrung für mich", sagte Muhammad nach ihrer Premiere: "Es geht nicht nur darum, gegen Vorurteile außerhalb der muslimischen Gemeinschaft anzutreten, sondern auch gegen die Vorurteile innerhalb."

In der aufgeheizten Stimmung des US-Wahlkampfs sind ihre Worte, ist ihr Olympia-Auftritt ein klares Statement. Die Stimmung gegen Muslime ist seit der Präsidentschaftskandidatur von Donald Trump aggressiv wie lange nicht.

"Ich will beweisen, dass einen absolut nichts daran hindern sollte, seine Ziele zu erreichen. Weder Rasse, Religion noch Geschlecht", betonte Muhammad: "Ich hoffe, ich kann wenigstens ein einziges muslimisches Mädchen inspirieren, mit dem Fechten zu beginnen. Nicht alle. Nur eins."

Als Muhammad 13 ist, fährt ihre Mutter Inayah zufällig an der örtlichen High School vorbei und sieht einige Fechter in der Cafeteria. Besonders die Sportkleidung weckt sofort das Interesse der Mutter, denn die Fechter sind von Kopf bis zu den Fußspitzen bedeckt. "Ich weiß nicht, was das für ein Sport ist, aber du machst das", sagt sie zu Ibtihaj, die zuvor beim Volleyball oder Softball lange Kleidung unter ihrem Sportdress tragen musste.

2009 wird Muhammad, die in New Jersey aufgewachsen ist, erstmals US-Meisterin, 2014 Weltmeisterin mit der Mannschaft. Auch in Rio gehört "Team USA" zu den Medaillenanwärtern.

Muhammad ist aber viel mehr als "nur" Sportlerin: Sie ist das Gesicht muslimischer Frauen in den USA, für viele ein Vorbild. Präsident Barack Obama sprach sie beim Besuch einer Moschee in seiner Rede persönlich an und forderte sie auf, sich von ihrem Platz zu erheben. "Eine Athletin wird bei den Olympischen Spielen ihr Kopftuch tragen. Ich habe ihr gesagt, sie soll Gold mitbringen", sagte Obama.

Mit First Lady Michelle Obama absolviert Muhammad gemeinsame Termine, Auftritte in TV-Shows gehören fast zum Alltag, das Time Magazine wählte sie unter die 100 einflussreichsten Persönlichkeiten. Auch mit ihrer eigenen, nach Großmutter Louella benannten Modekollektion will sie das Bild muslimischer Frauen verändern.

Bei ihrer ersten Chance wurde es in Rio noch nichts mit einer Medaille, die nächste Möglichkeit kommt am Samstag mit der Mannschaft. Das Team um die zweimalige Einzel-Olympiasiegerin Mariel Zagunis hat gute Chancen: Es gewann 2014 WM-Gold.

(sid)
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