| 17.28 Uhr

Olympia 2016
IOC schließt Russland nicht komplett aus

Russischer Dopingsumpf: eine Chronologie
Russischer Dopingsumpf: eine Chronologie
Lausanne. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat auf eine Sperre aller russischen Sportler bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) verzichtet. Das gab das IOC im Anschluss an eine Telefonkonferenz des 15-köpfigen Exekutiv-Komitees unter der Leitung des deutschen Präsidenten Thomas Bach bekannt.

Sportler, die gegenüber ihren jeweiligen Weltverbänden den Nachweis erbringen können, nicht in das russische Staatsdopingsystem involviert gewesen zu sein, dürfen in Rio starten.

"Die Entscheidung wird sicher nicht jedem gefallen, aber es geht um Gerechtigkeit. Die Entscheidung respektiert das Recht eines jeden sauberen Athleten auf der ganzen Welt", begründete Bach den Beschluss kurz nach der Verkündung auf einer Telefonkonferenz.

Reaktionen: "Olympische Gedanke hat großen Schaden genommen"

"Die IOC-Exekutive stand vor einer sehr schwierigen Entscheidung. Wir mussten die Konsequenzen aus dem McLaren-Report ziehen. Wir mussten dabei die Balance finden zwischen der Gesamtverantwortung und dem Recht des Einzelnen, um jedem Athleten gerecht zu werden", sagte Bach weiter: "Jeder muss die Chance haben, auf die Anschuldigungen zu reagieren, es gilt die Unschuldsvermutung. Deswegen haben wir strenge Kriterien entworfen, die jeder russische Sportler erfüllen muss, wenn er an den Olympischen Spielen teilnehmen will."

Das IOC reagierte mit seinem Beschluss auf die Ergebnisse des McLaren-Reports, der am vergangenen Montag enthüllt hatte, dass es in Russland "mindestens von Ende 2011 bis August 2015" ein staatlich organisiertes und überwachtes Doping-System gegeben habe. Positive Doping-Kontrollen russischer Athleten wurden demnach mit einem System manipuliert, von dem das nationale Sportministerium mindestens Kenntnis hatte. Deshalb wurde von vielen Seiten ein kompletter Ausschluss von Russland gefordert. 

Whistleblowerin Stepanowa darf nicht starten

Bislang wurden nur die russischen Leichtathleten von den Spielen verbannt. Auch Whistleblowerin Julia Stepanowa darf trotz ihrer Mithilfe bei der Aufklärung des umfassenden Dopings in Russland nicht starten.

Der Antrag der Leichtathletin, beim Ringe-Spektakel im August als "neutrale" Athletin unter der olympischen Flagge antreten zu dürfen, lehnte das Internationale Olympische Komitee ab. Sie erfülle angesichts ihrer Doping-Vergangenheit trotz ihrer Verdienste um Aufklärung nicht die "ethischen Anforderungen", teilte das IOC mit.

Das IOC führte weiter aus, man sei "dankbar für ihr Engagement, deshalb laden wir sie und ihren Ehemann ein, in Rio Gäste des IOC zu sein. Wir zeigen damit, dass wir bereit sind, sie zu unterstützen."

Mittelstreckenläuferin Stepanowa hatte beantragt als neutrale Athletin an den Spielen teilnehmen zu dürfen, hatte es aber abgelehnt, als Teil des russischen Teams anzutreten. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hatte ihr eine Starterlaubnis erteilt.

(areh/sid)
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