| 22.31 Uhr

Werth in Bestform
Auf Gold dressiert

Olympia 2016: Isabell Wert - auf Gold dressiert
Isabell Werth erritt auf Stute Weihegold in beeindruckender Manier die beste Einzelwertung des Tages. FOTO: dpa, faz moa
Rio de Janeiro. Isabell Werth hat mit ihrem Ritt beim Teamwettbewer ein Ausrufezeichen gesetzt. Am Montag kann die 47-Jährige sogar noch nachlegen. Dabei lief die Vorbereitung auf Olympia alles andere als optimal. Von Stefan Klüttermann

Isabell Werth ist ja nun nicht erst seit Freitag als Dressurreiterin in nationalen Diensten für Deutschland tätig. Insofern hatte das, was die 47-jährige Rheinbergerin an diesem Abend nach ihrem nun sechsten Olympiagold jedem, der ihr ein Mikrofon entgegenhielt, in selbiges diktierte, durchaus Gewicht: "Ich kann mich nicht erinnern, wann wir in Deutschland mal so eine starke Mannschaft hatten. Ich bin echt stolz, ein Teil von ihr zu sein." Für ihre Teamkollegen Kristina Bröring-Sprehe, Dorothee Schneider und vor allem für Küken Sönke Rothenberger dürfte dies das wohl größtmögliche Lob, weil eben aus erfahrenem Munde gewesen sein.

Und es war ja in diesem Grand Prix Special, der anders als bei Welt- und Europameisterschaften das zweite Puzzlestück der Teamwertung nach dem Grand Prix darstellte, nun auch nicht so, dass die anderen drei Isabell Werth hätten durchschleppen müssen. Ganz im Gegenteil: Auf ihrer Stute Weihegold erritt sie in beeindruckender Manier die beste Einzelwertung des Tages – noch vor der großen Favoritin Charlotte Dujardin aus Großbritannien. Schon während ihrer Darbietung war ein Lächeln über Werths Gesicht gehuscht. "Es lief einfach optimal. Meine Stute war spitze. Es war der Tag der Tage. Es hat alles geklappt, da darf man auch mal während des Einzels ein Lächeln fallen lassen", sagte sie hinterher.

Dabei war die Vorbereitung für Olympia so alles andere als optimal verlaufen. Ende April hatte sich Werth eingestehen müssen, dass ihre beiden möglichen Pferde für Rio, Don Johnson und Bella Rose, nicht rechtzeitig fit für die Spiele würden. Also fiel die Wahl auf Weihegold, und die Stute bekam Werth in quasi kürzester Zeit so hin, dass beide letztlich ein Olympiasiegtaugliches Duo bilden konnten. Das war es letztlich auch, was die Rheinbergerin an dieser Goldmedaille von Rio unterm Strich am meisten freute. "Ich bin stolz, dass ich mit drei verschiedenen Pferden Gold gewonnen habe. Es steckt viel Liebe und Freude in der Ausbildung der Pferde", sagte sie.

Teamgold und Einzelsilber 1992 in Barcelona, Doppelgold in Atlanta vier Jahre später und Einzelsilber und Teamgold 2000 in Sydney – das alles erreichte Werth auf Gigolo. 2008 holte sie auf Satchmo in Peking Silber im Einzel und Gold mit der Mannschaft. Und nun also Gold mit Weihegold, der Name wurde Programm. Wobei Werth dann irgendwann an diesem Abend auch mal klarstellen wollte, "dass ich lieber eine Goldmedaille weniger habe und dafür meiner Oma mit 102 Jahren nacheifere."

Erst einmal kann sie sich selbst nacheifern und am Montag bei der Grand Prix Kür ein gewichtiges Wörtchen um eine Einzelmedaille am Zuckerhut mitreden. Mit ihrem Ritt vom Freitag hat sie jedenfalls ein Ausrufezeichen gesetzt, offenbar auch in Richtung von Topfavoritin Charlotte Dujardin, die im Grand Prix Special auf Valegro ungewohnte Schwächen zeigte. Ist Werth also vielleicht sogar die Favoritin am Montag? Das ist ihr dann doch ein bisschen zu viel Überschwang. "Da wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen. Heute hat Charlotte einen Fehler gemacht. Sie bleibt trotzdem die Favoritin für Montag", sagte sie.

Außerdem war der Montag an diesem Freitag noch ganz weit weg. Und dazwischen gab es einen Programmpunkt, den sich der Gold-Vierer aus dem Dressurviereck reichlich verdient hatte. "Jetzt werden wir erstmal ordentlich feiern", sagte Werth. Wie eine ordentliche Olympiasause im Deutschen Haus auszusehen hat, kann sie schließlich beurteilen.

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