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Japan holt Gold
Verletzter Toba feuert deutsche Turner an – Bretschneider tobt

Verletzter Toba feuert deutsche Turner an
Verletzter Toba feuert deutsche Turner an FOTO: dpa, kno
Rio de Janeiro. Andreas Toba hielt es nicht mehr auf dem Hocker. Der verletzte Turnheld warf seine Krücken zur Seite und fieberte mit pochendem Herzen mit – aber seine Unterstützung bewirkte kein Wunder: Die deutschen Turner haben bei den Olympischen Spielen in Rio wie erwartet die Medaillen klar verpasst. Im Teamfinale reichte es trotz eines guten Starts mit insgesamt 261,275 Punkten nur Rang sieben.

Der Sieg beim ersten Wettbewerb der Kunstturner ging nach zwölf Jahren wieder nach Japan. Die Riege um Starturner Kohei Uchimura gewann mit 274,094 Punkten vor den Quintetts aus Russland (271,453) und China (271,122).

"Richtig bitter dass ich zuschauen musste. Ich habe meine Aufgabe aber erfüllt. Ich bin super stolz auf die Jungs, die haben das toll gemacht", sagte Toba. Hätte der deutsche Mehrkampf-Meister mitwirken können, wäre für die Riege des Deutschen Turner-Bundes (DTB) ein besserer Platz drin gewesen. Der Angriff aufs Podest aber war zu keiner Zeit in Betracht gezogen worden - und das war auch gar nicht so wichtig.

Nach den bitteren Erfahrungen der vergangenen Tagen ließ Andreas Bretschneider seinem Frust freien Lauf. Unter anderem wegen des verpassten Reck-Finals und der schwere Knieverletzung von Toba habe man "einmal mehr schmerzlich erfahren müssen, dass das Leben eines Turners eine Hure ist, die nur zu gern ihre Beine spreizt", schrieb der 27-Jährige aus Chemnitz auf Facebook.

Er und seine Kollegen hätten "Blut, Schweiß und Tränen in mehr als 30 Wochenstunden" gelassen, den "Verzicht auf Freizeit, Freunde und Familie, den ewigen Kampf gegen den Schmerz und die Selbstzweifel" in Kauf genommen – am Ende ohne den erhofften Erfolg.

Reck-Spezialist Bretschneider verpasste den Endkampf an seinem Paradegerät, weil er bei der von ihm kreierten Höchstschwierigkeit gestürzt war. Tobas Traum vom olympischen Mehrkampf-Finale platzte, als er sich sein Kreuzband in der Qualifikation riss. "Ganz egal, was passiert: Wir haben trotzdem gewonnen! Denn unser Stolz und die Härte für kommende Aufgaben bleiben für immer", schrieb Bretschneider.

"Wenn man mit einer solchen Verletzung turnt", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann über die Qualifikations-Heldentat von Toba, der mit kaputtem Knie noch ans Pauschenpferd ging und Deutschland damit erst ins Finale führte, "und das dann noch mit dieser Qualität, ist das viel mehr wert als eine Goldmedaille."

Toba soll Sportler des Jahres werden

Zuhause wurden daher erste Forderungen laut, Toba zum Sportler des Jahres zu küren. "Wir haben Zuschriften erhalten, die in diese Richtung gehen. Solch ein Einsatz ist wertvoll und wird, wie man sieht, auch in der Heimat wahrgenommen", sagte Hörmann.

Viel Beachtung dürfte in Deutschland mit Sicherheit auch der Auftritt von Reck-Riese Fabian Hambüchen gefunden haben. Der 28-Jährige, der sich in Rio von der internationalen Bühne verabschieden wird und bereits in der Qualifikation am Königsgerät die beste Übung turnte, flog wieder spektakulär durch die Lüfte. Mit 15,666 Punkten sammelte er Selbstvertrauen für das Reck-Finale am 16. August.

Daneben turnte Hambüchen nur am Sprung und am Boden, weil er zuletzt die Auswirkungen seiner langen Karriere zu spüren bekommen und mit erheblichen Schulterproblemen zu kämpfen hatte. Umso wichtiger wäre ein starker Sechskämpfer wie Toba gewesen – immerhin fieberte er als Edelfan mit seinen Teamkameraden mit. Letztlich aber vergeblich.

(sid)
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