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| 08.01 Uhr

Olympische Sommerspiele
Der Fackellauf unter dem Hakenkreuz

Olympisches Feuer für Rio entzündet
Olympisches Feuer für Rio entzündet FOTO: ap, FO
Olympia/Berlin. Das Feuer für die Spiele in Rio ist im griechischen Olympia entzündet worden. Der erste Fackellauf fand 1936 statt. Er geht auf Reichspropagandaminister Goebbels und Sportfunktionär Diem zurück. Von Martin Beils und Takis Tsafos

Joseph Goebbels rief: "Heilige Flamme, glüh, glüh und verlösche nie!" Zehntausende Mitglieder der Hitlerjugend und des Bundes Deutscher Mädel hörten dem Reichspropagandaminister zu. Sie standen zwischen hochaufragenden Hakenkreuzstandarten, als ein Berliner Leichtathlet am 1. August 1936 bei einer NS-Jugendfeier im Berliner Lustgarten das olympische Feuer präsentierte. 3331 Läufer hatten es in zwölf Tagen und elf Nächten mehr als 3000 Kilometer über Athen, Saloniki, Belgrad, Budapest, Prag, Dresden an den Schauplatz der XI. Spiele gebracht. In Jugoslawien und der Tschechoslowakei hatte es Proteste gegeben, die von Sicherheitskräften niedergeschlagen wurden. Es war der erste Fackellauf der olympischen Geschichte. In der Antike und in den ersten Jahren der Spiele der Neuzeit hatte es so etwas nicht gegeben.

Am Donnerstag, 106 Tage vor Beginn der Spiele in Rio de Janeiro, ist das Feuer im griechischen Olympia entzündet worden. Eine Schauspielerin in der Rolle der Hohen Priesterin entfachte die Flamme mit Hilfe eines Parabolspiegels und der Sonnenstrahlen. Wie 1936. Die Brennspiegel-Konstruktion stammte damals von der Firma Zeiss. Krupp hatte die Fackel entworfen, eine Edelstahlkonstruktion mit hölzernem Kern. Eine Mischung aus Olivenöl, Harz, Schwarzpulver und Gas diente als Brennstoff.

Wie die Idee des Fackellaufs entstand, ist nicht genau geklärt. Laut der offiziellen Dokumentation zu den Spielen in Berlin hatte ein Beamter aus Goebbels' Ministerium Anfang 1934 die Idee, Organisationschef Carl Diem habe sie aufgegriffen. Andererseits gibt es Hinweise, dass Diem schon ein Dutzend Jahre zuvor von fackeltragenden Sportlern fasziniert war. Auf jeden Fall fand der Lauf Athen-Berlin auf Goebbels' Anweisung hin statt.

Die Staffel passte zum Auftritt der Nationalsozialisten, die der olympischen Idee mit ihrer Internationalität zwar bis zur Machtergreifung ablehnend gegenüberstanden, die Spiele dann aber als Instrument zur weltweiten Propaganda kaperten. Der Fackellauf stellte eine Verbindung zwischen dem von Adolf Hitler bewunderten antiken Griechenland und dem Dritten Reich her. Feuerrituale wie Sonnenwendfeiern, die der nordischen Mythologie entliehen waren, gehörten ohnehin zum ideologisch geprägten Erscheinungsbild des Regimes.

Zurück in die Gegenwart. Nach einem Staffellauf durch Griechenland kommt das Feuer am 27. April im alten Olympiastadion von Athen an. Dort soll auch ein Flüchtling die Fackel tragen. Der Kurs in Brasilien startet nach dem Transport der Flamme per Flugzeug über den Atlantik am 3. Mai, am 5. August bei der Eröffnungsfeier wird das Feuer im Maracanã entzündet.

Die Flamme soll danach einen Platz im Zentrum Rios erhalten. Wie die Zeitung "Folha de Sao Paulo" berichtete, könnte sie in der Hafengegend ihren Platz finden, wo auch ein Olympiaboulevard geplant ist. Zur Schlussfeier soll die Flamme dann wieder in das Maracanã-Stadion kommen und dort erlöschen. Ähnlich wie bei den Winterspielen 2014 im russischen Sotschi könnte das Feuer dort seinen Platz finden, wo viele Touristen vorbeischauen – aber jenseits der Wettkampfstätten.

Normalerweise bleibt die Flamme im Zentrum Olympias, aber bei den Spielen in 2016 gibt es anders als zum Beispiel vor vier Jahren in London kein klassisches Olympiastadion, das das Zentrum der Wettkämpfe bildet. Eröffnungs- und Schlussfeier finden im Maracanã, dem Endspielstadion der Fußball-WM 2014, statt, die Leichtathletikwettbewerbe werden in dem auf 60.000 Zuschauer Fassungsvermögen ausgebauten Stadion des Fußballclubs Botafogo ausgetragen. Während der Spiele wird es zum "Olympiastadion João Havelange". Benannt nach dem früheren Fifa-Chef Havelange, der nach Korruptionsvorwürfen vom Amt des Ehrenpräsidenten des Weltfußballverbandes zurückgetreten ist.

Quelle: RP
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