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Erstes Gold für Russland
Judoka Mudranow trainierte mit Putin

Mudranow beschert Russland erste Goldmedaille
Mudranow beschert Russland erste Goldmedaille FOTO: dpa, ob jgm
Rio de Janeiro. Im Januar trainierte Beslan Mudranow noch medienträchtig mit Wladimir Putin, jetzt bescherte der Judoka dem äußerst umstrittenen russischen Team einen goldenen Auftakt der Sommerspiele. Ausgerechnet dank eines Lieblings des mächtigen Staatschefs ist die Doping-Skandalnation in Rio de Janeiro schon obenauf.

Um 18.03 Uhr wurde in der Carioca Arena 2 die weiß-blau-rote Fahne hochgezogen, die Hymne der Russischen Föderation erklang. Mudranow stand mit Tränen in den Augen und Gold um den Hals auf dem Podest, auf den Rängen feierten seine Fans. Russen in Jubelpose: Das olympische Schreckensszenario für einen großen Teil der Sportwelt ist bereits am Auftakttag eingetreten.

"Ich kann meine Gefühle noch nicht einordnen, aber ich bin unglaublich glücklich", sagte Mudranow: "Ich stehe hier auf dem Höhepunkt meiner Karriere." "Ich freue mich wirklich über das Gold, weil jeder weiß, was für eine Situation wir in Russland vor Olympia hatten", sagte Mudranow weiter. Auch viele andere russische Athleten hätten Gold holen können, kritisierte er, "aber sie dürfen nicht dabei sein". Kämpferisch versprach der Judoka: "Das war nicht unser letztes Gold in Rio."

Der Erfolg des 30-Jährigen, der im Finale der Klasse bis 60 kg den kasachischen Weltmeister Jeldos Smetow bezwang, ist für die Russen, ihre Propaganda und vor allem für Putin selbst der Idealfall. Der Staatspräsident, erklärter Judo-Fan, Ehrenpräsident des Weltverbandes und Träger des Schwarzen Gürtels, schmückt sich zu gerne mit dem Ruhm russischer Kämpfer.

Bei Olympia 2012 wohnte Putin den Wettkämpfen unter Riesen-Tamtam als Edelfan bei. Regelmäßig sucht er den Schulterschluss mit "seinen" Judoka, lässt sich regelmäßig im Trainingslager blicken und bei Trainings-Rangeleien mit den Kämpfern ablichten – so im Januar in Sotschi im fast liebevollen Infight mit Mudranow.

Kurz vor den Spielen hatte Putin den russischen Judoka noch großmütig seine – sportliche – Unterstützung angeboten. "Wenn ihr direkte Hilfe braucht, dann nehmt mich in euer Team auf", hatte der 57-Jährige gesagt.

Doch auch so dürfte Putin geholfen haben: Zwischen ihn und seinen erklärten Kumpel Marius Vizer, den Präsidenten des Weltverbandes IJF, passt kein Blatt – ein Olympia-Ausschluss von dieser Seite war daher undenkbar. Die IJF war vielmehr der erste Verband, der die Russen in Richtung Rio durchwinkte.

Dem goldenen Auftakt werden weitere Medaillen vor allem im Kampfsport folgen – ungeachtet sämtlicher Verfehlungen könnten die Russen auch in Rio wie in alten Zeiten abräumen. Und damit das Verhalten des deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach in der "Causa Russland" noch unverständlicher machen.

(seeg/sid/dpa)
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