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Olympia im TV
Rio als Abschiedsgala für ARD und ZDF?

Die TV-Teams von ARD und ZDF
Die TV-Teams von ARD und ZDF FOTO: dpa, lus fpt
Hamburg. Journalistische Qualität, Live-Sport rund um die Uhr und ganz neue Perspektiven: ARD und ZDF wollen bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) noch einmal ihre Muskeln spielen lassen. Versprochen wird nicht weniger als "das volle Programm auf allen Kanälen". Doch die Spiele am Zuckerhut könnten das vorerst letzte olympische Hurra der öffentlich-rechtlichen Sender werden.

Die ARD sei "mit der klaren Haltung" nach Rio gereist, "dort zu zeigen, was wir können und draufhaben", sagt Olympia-Teamchef Gerd Gottlob. ZDF-Chefredakteur Peter Frey bezeichnete die ersten Spiele in Südamerika als "besondere Herausforderung" und betonte: "Wir wollen noch einmal zeigen, was öffentlich-rechtliche Qualität bedeutet. Hintergründige, journalistische Berichterstattung, vielfältige Perspektiven und ein Live-Erlebnis zum Mitfiebern."

ARD und ZDF haben ihr Sendevolumen trotz des Sparkurses im Vergleich zu den Spielen 2012 von London aufgestockt. Im täglichen Wechsel werden beide Sender insgesamt 340 Fernsehstunden produzieren. Hinzu kommen rund 1000 Stunden Livestreams im Internet, wo Nutzer ihr eigenes Programm zusammenstellen können.

Neu ist dabei das Angebot von Virtual Reality (VR). Mit der innovativen Übertragungstechnik können die User – ob mit einer entsprechenden 3D-Brille oder PC, Tablet oder Smartphone – noch tiefer in die Sommerspiele eintauchen und neben der Eröffnungs- und Schlussfeier jeden Tag ausgewählte Wettkämpfe live im 360-Grad-Rundum-Blick und im VR-Format verfolgen.

ARD und ZDF setzen in Rio technisch und personell auf eine noch engere Zusammenarbeit als zuletzt. So wird das Olympia-Studio gemeinsam genutzt und viele der insgesamt 480 Mitarbeiter (wie in London) sind - ob bei Technik und Produktion oder auch der Kommentierung der Live-Streams im Netz - für beide Sender gleichermaßen aktiv. Und doch dürften die Produktionskosten aufgrund der deutlich größeren Entfernung leicht über den von London liegen.

Mit dem öffentlich-rechtlichen Olympia-Zauber könnte es nach Rio aber vorbei sein, ARD und ZDF droht schon bei den Winterspielen 2018 ein historischer TV-Blackout. Sämtliche TV- und Multiplattform-Übertragungsrechte der Spiele 2018 bis 2024 liegen beim US-Unternehmen Discovery Communications. Die Muttergesellschaft des Senders Eurosport zahlte dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) dafür im vergangenen Sommer 1,3 Milliarden Euro.

"Wir sind zurzeit in Gesprächen, was die Sublizenzen angeht", sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres unlängst bei der öffentlich-rechtlichen Programm-Vorstellung in Hamburg. Dabei bezeichnete er große Sportereignisse wie die Olympischen Spiele als "Kitt der Gesellschaft. Da steht ein großer Wert auf dem Spiel".

Das manager magazin hatte zuletzt berichtet, dass die Verhandlungen wegen einer Differenz von 50 Millionen Euro festgefahren seien. Bekommen ARD und ZDF, die laut des Berichts bislang 100 Millionen Euro für die deutschen Rechte bieten, auch im Nachgang keine Lizenzen, würden sie 2018 erstmals in ihrer Geschichte nicht vom Weltfest des Sports berichten.

(sid)
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