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Stabhochsprung bei Olympia
Leverkusenerin muss Kollegen beim Höhenflug zuschauen

Slow Motion: Das sind die Phasen beim Stabhochsprung
Düsseldorf. Olympia in Rio ist in vollem Gange. In der Nacht zu Sonntag starten auch die Stabhochspringer mit der Qualifikation. Im Video zeigt Victoria von Eynatten vom TSV Bayer Leverkusen, worauf es bei einer der kompliziertesten olympischen Sportarten ankommt. Von Dorian Audersch, Sarah Biere, Jan Dobrick und Patrick Scherer

Von Eynatten braucht noch Zeit, bis sie wieder da ist, wo sie einmal war. Sie war auf dem besten Weg nach Rio. Dann riss ihr die Achillessehne im linken Sprungfuß – und mit den Sommerspielen am Zuckerhut war es Essig. Eine Rückenverletzung behinderte die 24-Jährige zusätzlich. Nun kämpft sie sich langsam zurück. "Irgendwann ist das Pech hoffentlich aufgebraucht", sagt sie.

Victoria von Eynatten sitzt vor dem Fernseher

Bei der Westdeuschen Meisterschaft sprang Von Eynatten im Februar 2015 mit 4,51 Metern persönliche Bestleistung. "Das beflügelte mich, ich ließ die Latte bei 4,61 Metern auflegen." Doch von Eynatten sollte gar nicht in die Luft kommen. Sie hörte beim Anlauf "einen Sektkorken knallen". Die Überfliegerin lag plötzlich auf der Tartanbahn und wusste sofort, was passiert ist.

"Manchmal, wenn ich zur Ruhe komme, höre ich immer noch diesen Knall, den Abriss der Achillessehne", sagt die Studentin, die das Stabhochspringen bei Olympia vor dem TV verfolgen muss. "Ich werde mir für die Wettbewerbe den Wecker stellen. Ob die Augen dann auch auf bleiben, werden wir sehen." Bis sie zurück zu alter Stärke gefunden hat, wird es dauern. Schuld sei unter anderem das "schlechte Heilfleisch".

GoPro: So sieht ein Stabhochsprung aus Sicht des Springers aus

2016 ist ein Durchgangsjahr, in dem sie damit beschäftigt ist, auf den Körper zu hören, zu trainieren und auf Wettkämpfen zu proben. Geduld ist gefragt. "Ich musste vor Freude heulen, als ich nach meinem Riss der Achillessehne im Frühjahr erstmals wieder gesprungen bin", sagt sie. Der Sprung sei "Gurke" gewesen, geschenkt. Danach plagte sie sich allerdings noch mit einer Rückenverletzung herum. Momentan springt sie 4,13 Meter.

Bauer und Spiegelburg sind auch nicht dabei

Ihre Trainingspartnerin Katharina Bauer verpasst ebenfalls das Turnier. Beim Meeting im französischen Montreuil verfehlte die 26 Jahre alte Leverkusenerin Anfang Juni den Einstichkasten und stürzte neben der Anlage auf die Hand: Speichenbruch, Operation, ein bitterer Rückschlag. Bayer-Disziplinkollegin Silke Spiegelburg (30) ist auch nicht dabei. Sie hatte immer wieder gesundheitliche Probleme und beendete die Saison vorzeitig.

Das ist Victoria von Eynatten FOTO: Miserius, Uwe

Für Deutschland starten Annika Roloff (25, MTV 49 Holzminden), Martina Strutz (34, Schweriner SC) und Lisa Ryzih (27, ABC Ludwigshafen). Am Dienstag beginnt das Turnier für die Damen mit der Qualifikation (14.45 Uhr, MESZ). In der Nacht zu Samstag, 20. August, ist das Finale (1.30 Uhr, MESZ).

Holzdeppe greift in Rio wieder an

Bei Raphael Holzdeppe dachte man auch lange, dass er während Olympia die Füße hochlegen muss, während andere Athleten die Medaillen unter sich ausmachen. Der Weltmeister von 2013 verletzte sich im Februar am linken Sprungbein, musste nach einem Anriss des Außen- und Innenbandes im Sprunggelenk sowie der Syndesmose operiert werden. Doch es kam anders.

Am 12. Juni gab der Olympia-Dritte von London sein Comeback bei einem Meeting im heimischen Zweibrücken. Er erfüllte die Rio-Norm nicht – und wurde trotzdem für die Sommerspiele nominiert. Mit einer Saisonbestleistung von 5,70 Metern. Das ist mittelmäßig, frustriert Holzdeppe aber nicht. Der 26-Jährige will angreifen, setzt sich keine Grenzen. Die Position als Außenseiter kann ein Vorteil sein. Druck hat er keinen, und trotzdem reicht Dabeisein nicht. Ernst wird es für Holzdeppe schon in der Qualifikation in der Nacht zu Sonntag.

Scherbarth und Dilla feiern Olympia-Premiere

Als Deutscher Meister und Vizemeister sind Tobias Scherbarth (30) und Karsten Dilla (27) nach Rio geflogen. Für die beiden Leverkusener, die wie von Eynatten von Leszek Klima trainiert werden, sind es die ersten Olympischen Spiele. Vermutlich geht es für sie nicht um die Spitzenplätze. Aber im technisch anspruchsvollen Stabhochsprung ist viel möglich, wenn andere patzen.

Die Kulisse in Rio ist beeindruckend und kann ablenken. Man muss lernen, mit dem Spektakel der Fans umzugehen, braucht einen kühlen Kopf. "Für Beide wäre der Einzug in das Finale ein schöner Erfolg", sagt Paul-Heinz Wellmann, Geschäftsführer der Leichtathletik-Abteilung des TSV. Sollte das gelingen, müssen die beiden Athleten in der Nacht zu Dienstag (1.35 Uhr, MESZ) noch einmal ran.

Wenn man im Stabhochsprung von der Weltspitze spricht, dann meint man den Franzosen Renaud Lavillenie, den Brasilianer Thiago Braz da Silva und den US-Amerikaner Sam Kendricks. Die Bestleistung von Lavillenie liegt bei 6,05 Metern. Zum Vergleich: Holzdeppe (5,94 Meter), Scherbarth (5,73 Meter) und Dilla (5,72 Meter) sind da ein gutes Stück von entfernt.

 

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