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Vielseitigkeitsreiter Jung
Deutschlands größte Olympia-Hoffnung

Olympia 2016: Michael Jung ist Deutschlands größte Gold-Hoffnung
Vielseitigkeitsreiter Michael Jung. FOTO: ap
Horb. Vielseitigkeitsreiter Michael Jung hat die wichtigsten drei Turniere gewonnen. Der Doppel-Olympiasieger von London ist der große Favorit für die Spiele in Rio. Von Martin Beils und Michael Rossmann

Die Nacht und den Morgen nach dem prestigesträchtigen Sieg verbrachte Michael Jung im Lastwagen. Der erfolgreichste Vielseitigkeitsreiter der Welt lenkte den Pferdetransporter vom Ort des einmaligen Triumphes eigenhändig zurück ins heimische Horb am Neckar. Zum Feiern hatte der Doppel-Olympiasieger von London nach dem Sieg im englischen Badminton keine Zeit. "Wir haben nur kurz angestoßen", berichtete Jung, der zuvor schon die kaum minder wichtigen Prüfungen in Burghley und Lexington für sich entschieden hatte. Als "Grand Slam" bezeichnen die Vielseitigkeitsreiter die Serie aus diesen drei Turnieren. Nie zuvor hatte ein Deutscher ihn gewonnen.

Der 33-Jährige wollte keine Zeit verlieren, denn schon an diesem Wochenende folgt in Wiesbaden ein ganz wichtiger Schritt Richtung Rio de Janeiro. Beim traditionsreichen Pfingstturnier am Schloss Biebrich. Die Turniere in Luhmühlen in der Lüneburger Heide und in Aachen sind weitere wichtige Stationen auf dem Weg zu den Spielen.

Zu Jungs Alltag gehören die langen Reisen im Lkw mit Vater, Mutter und Freundin. Genauso wie die unglaubliche Serie von Siegen. Bei den Olympischen Spielen gehört er zu den Topfavoriten. In Badminton, Burghley und Lexington hatte sich Jung durchgesetzt. Und er hatte sich damit als erster Deutscher den mit 350.000 Dollar dotierten Grand Slam des pferdesportlichen Dreikampfes gesichert.

Jung klang am Tag danach nicht ganz so euphorisch, sondern gewohnt nüchtern. "Das ist etwas ganz Besonderes", sagte der Reiter, der sich noch nie als Lautsprecher hervorgetan hat. Vielleicht nimmt die Öffentlichkeit jenseits der Reiterszene wegen der Zurückhaltung und Schüchternheit des Sportlers nur selten Kenntnis von ihm.

Jung gewann vor einem Jahr im schottischen Blair Castle zum dritten Mal in Serie Doppel-Gold bei der EM - und das mit einer Knochenabsplitterung im Sprunggelenk. Beeindruckt war Jung erneut von den Zuschauern im Mutterland der Vielseitigkeit. Auch nahe dem Dörfchen Badminton schauten beim Geländeritt rund 150.000 Menschen zu. Nicht einmal ein Zehntel des Publikums dürfte kommen, wenn Deutschlands derzeit erfolgreichster Sportler an diesem Wochenende in Wiesbaden antritt. Beim Pfingstturnier sattelt Jung die Olympia-Hoffnung Takinou.

Der neunjährige Wallach, das Gold-Pferd der jüngsten EM, ist sein Plan A für Rio. Beängstigend für die Konkurrenz ist aber, dass Jung noch Plan B und C hat. Sollte Takinou nicht fit sein, warten im Stall der Familie Jung im schwäbischen Horb noch das Olympiapferd Sam, mit dem er in Burghley und Badminton gewann, und Rocana, mit der er vor einer Woche beim Grand-Slam-Turnier in Lexington siegte.

Jung sieht sich in der "glücklichen Lage", drei Pferde von Welt-Format reiten zu können. Mit jedem wäre er in Rio Favorit. Doch darüber will er sich noch keine großen Gedanken machen. "Das ist ja noch ein ganzes Stück weg", sagte er, obwohl es bis zum ersten Ritt bei den Olympischen Spielen nicht einmal mehr drei Monate sind. "Da ist ja noch genügend Zeit." Bis dahin will der Schrecken der Konkurrenz noch ein paar Turniere gewinnen.

Die deutschen Vielseitigkeitsreiter treten auf der Olympiastrecke in Deodoro als Favoriten an. "Der Druck ist gut", sagte Bundestrainer Hans Melzer kürzlich. "Wir fahren da nicht hin und gucken mal, was so geht. Wir wollen die Serie fortsetzen." In London und vier Jahre zuvor, als die Reiterwettbewerbe wegen der Quarantänebestimmungen von Peking nach Hongkong ausgelagert waren, hatte die deutsche Equipe Gold in Einzel- und Teamwettbewerb geholt. Melzer steht nun erneut vor dem Luxusproblem, aus einem Dutzend Topreiter seine Kandidaten auswählen zu müssen. In diesem Jahr bilden erstmals nur vier statt fünf Reiter eine Mannschaft. Selbst der Ausfall von Ingrid Klimkes verletztem Toppferd Escada schmälert die Chancen kaum.

Quelle: RP
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