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Olympia 2016
Plötzliche Absagenflut auch im Tennis

Olympia 2016: Milos Raonic, Tomas Berdych und weitere Tennis-Stars sagen ab
Milos Raonic wird nicht in Rio spielen. FOTO: afp
Düsseldorf. Nachdem zahlreiche Top-Golfer ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro abgesagt haben, ziehen nun auch einige Tennis-Profis nach. Offizielle Begründung: die Angst vor dem Zika-Virus. Von Antje Rehse

Am Freitag gab überraschend Wimbledon-Finalist Milos Raonic seine Absage bekannt. Er habe die Entscheidung "schweren Herzens nach vielen langen Gesprächen mit Freunden und Trainern" getroffen, schrieb der Kanadier, aktuell Nummer sieben der Welt. Raonic führte aus, ihm sei die Entscheidung "sehr schwer" gefallen und er habe sie aus "mehreren gesundheitlichen Gründen" getroffen. "Die Unsicherheit um das Zika-Virus spielte dabei auch eine Rolle", schrieb er.

Auch die Rumänin Simona Halep (Nummer fünf der Welt) folgte diesem Beispiel. Am Samstag kam dann der Tscheche Tomas Berdych (Nummer acht) hinzu. Auch er begründete den Schritt mit der Angst vor dem Zika-Virus und dessen Auswirkungen auf seine Familienplanung. "Ich tue das aus Verantwortung für meine Familie", schrieb er in einer Erklärung. Auch seine Landsfrau Karolina Pliskova, die Nummer 16 der Welt, will wegen Zika nicht in Rio spielen. Das kündigte sie am Samstagabend an.

Olympia 2016: Die Teilnehmer aus NRW FOTO: dpa, ua lre hak

Der Tennis-Weltverband (ITF) versuchte, die Spieler zu beruhigen. "Wir verstehen und respektieren die Sorge wegen des Zika-Virus, aber das Internationale Olympische Komitee hat uns versichert, dass alle nötigen Vorkehrungen getroffen werden, um das Risiko für die Athleten, Funktionsträger und Fans einzuschränken", sagte ITF-Präsident David Haggerty.

Brasilianer reagiert mit Sarkasmus

Der brasilianische Doppel-Spezialist Bruno Soares reagierte mit Sarkasmus auf die Absagen. "Meine Frau hat mich heute gebeten, die Wäsche zu machen. Wegen Zika tue ich das nicht", twitterte er. Während des Wimbledon-Turniers hatte er bereits erklärt, er halte die Begründung, wegen Zika nicht anzutreten, für eine "schlechte Ausrede".

In der Tat gibt es noch andere Beweggründe. Da sich der für das Olympische Tennisturnier zuständige Weltverband ITF nicht mit den Profi-Verbänden ATP (Männer) und WTA (Frauen) einigen konnte, werden diesmal keine Weltranglisten-Punkte vergeben. Auch Preisgeld wird, abgesehen von den Prämien für die Medaillengewinner, nicht ausgeschüttet.

Der Österreicher Dominic Thiem, auch er ein Mitglied der Top Ten, sagte seine Teilnahme schon vor Wochen ab, weil Tennis für ihn kein klassischer olympischer Sport sei. Jedes Grand-Slam- und Masters-Turnier sei ihm wichtiger, erklärte die Nummer neun der Welt. Der Lette Ernests Gulbis bezeichnete das Turnier, weil keine Punkte vergeben werden, plakativ als "Tennis-Tourismus".

Tennis in Rio: Fragen und Antworten

Auch der US-Amerikaner John Isner will sich lieber auf die ATP-Tour konzentrieren, der Australier Nick Kyrgios fehlt wegen Streitigkeiten mit seinem Verband. Noch nicht offiziell abgesagt hat derweil die Weltranglisten-Sechste Wiktoria Asarenka. Das ist aber nur eine Frage der Zeit. Und die Weißrussin hat in der Tat einen triftigen Grund: Sie ist schwanger.

Neben den Tennisspielern sagten bereits mehrere namhafte Sportler ihre Teilnahme in Rio ab. Unter anderem hatten die Golf-Stars Jason Day (Australien), Jordan Spieth, Dustin Johnson (beide USA) und Rory McIlroy (Nordirland) ihren Verzicht aus Angst vor Zika erklärt. In anderen, klassischen Olympia-Sportarten blieben Absagen wegen Zika dagegen weitgehend aus.

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