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Pfiffe und Buh-Rufe beim Stabhochsprung
Lavillenie vergleicht sich mit Jesse Owens in Berlin '36

Olympia 2016: Renaud Lavillenie vergleicht sich mit Jesse Owens in Berlin 1936
Renaud Lavillenie wählte nach den Pfiffen gegen ihn einen zweifelhaften Vergleich. FOTO: dpa, gh
Rio de Janeiro. Thiago da Silva ist der erste Stabhochsprung-Olympiasieger Brasiliens. Der Jubel um ihn war groß. Verlierer Renaud Lavillenie war verärgert über Pfiffe des Publikums und erinnerte erzürnt an den Auftritt von Jesse Owens bei den Spielen 1936.

"Für die Olympischen Spiele ist das kein gutes Image", sagte der Franzose in der Nacht zum Dienstag. Der Olympiasieger von 2012 hatte gegen den Brasilianer Thiago da Silva das Duell um die Goldmedaille verloren. "Ich habe den Brasilianern nichts getan."

Seit Jesse Owens nicht mehr erlebt

"1936 war die Menge gegen Jesse Owens", sagte der Franzose im Rückblick auf die Sommerspiele vor 80 Jahren in Berlin. "Wir haben so etwas seitdem nicht mehr erlebt. Wir müssen damit umgehen." Owens, der schwarze Sprinter und Weitspringer aus den USA, hatte 1936 vier Goldmedaillen gewonnen. In Hitler-Deutschland wurde dies nicht gern gesehen.

"Man hat es beim Fußball gesehen. Es ist das erste Mal, dass man es in der Leichtathletik gesehen hat", sagte Lavillenie. "Ich bin nicht glücklich darüber. Nun muss ich vier Jahre warten, um mein Gold zurückzubekommen."

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Später bat Lavillenie um Entschuldigung für den Owens-Vergleich. "Das war ein großer Fehler von mir", sagte er kleinlaut: "Es waren meine ersten Worte nach dem Wettkampf, aus der Emotion heraus. Selbstverständlich kann man das nicht vergleichen." Die Kritik an den Zuschauern dagegen bleibe bestehen.

Auch von den Olympia-Organisatoren gab es einen Rüffel. "Pfiffe und Buhrufe sind kein korrektes Verhalten, selbst nicht in Eins-gegen-eins-Wettkämpfen und mit einem Brasilianer, der Chancen auf den Olympiasieg hat", sagte OK-Pressechef Mario Andrada.

Der 22-jährige da Silva war als erster Brasilianer mit übersprungenen 6,03 Meter Olympiasieger im Stabhochsprung geworden. Lavillenie landete mit 5,98 Meter auf dem Silber-Rang. Dritter wurde der US-Amerikaner Sam Kendricks mit 5,85 Metern.

Nachdem Lavillenie im Wettkampf immer wieder ausgepfiffen worden war, provozierte er die Zuschauer vor dem letzten und entscheidenden Versuch mit einem nach unten gerichteten Daumen. "Ich wollte den Leuten zeigen, dass wir nicht in einem Fußballstadion sind. In der Leichtathletik ist dafür kein Platz", sagte er. "Thiago ist stark. Er hatte das ganze Stadion hinter sich. Ich bin ein bisschen enttäuscht, es war kein Fair Play im Stadion."

Sieger da Silva genoss zwar die Anfeuerung des brasilianischen Publikums, empfand sie aber auch als Belastung. "Die Menge hat mich etwas zu viel bejubelt", sagte er. "Ich musste mich auf die Technik konzentrieren und es vergessen." Da Silva freute sich auch über seine Leistung: "Es war mein erster Sechs-Meter-Sprung. Es ist unglaublich."

Erstmals seit 1992 stand kein deutscher Stabhochspringer in einem Olympia-Finale. Ex-Weltmeister Raphael Holzdeppe, der deutsche Meister Tobias Scherbarth und Karsten Dilla scheiterten in der Qualifikation.

(dpa)
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