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Olympia im TV
Statt Bronze live zeigte die ARD lieber Sport aus der Konserve

Olympia 2016: Statt Bronze live zeigte die ARD lieber Sport aus der Konserve
Den Gewinn der Bronzemedaille von Erik Heil und Thomas Plößel sahen die TV-Zuschauer als Aufzeichnung. FOTO: dpa, nb ase
Rio de Janeiro. Bei den Olympischen Spielen alles live zu zeigen, ist schlicht unmöglich. Das verstehen auch die Zuschauer am TV. Dennoch kommt während Olympia in Rio immer wieder Kritik auf. Am Donnerstag verpasste die ARD sogar eine deutsche Medaille. Von Antje Rehse

Als Erik Heil und Thomas Plößel in einem wahren Krimi Bronze und damit die erste Segel-Medaille für Deutschland seit 2008 einfuhren, bekamen das in Deutschland vorerst wohl nur hartgesottene Segelfans mit. Die dürften sich das "Medal Race" der 49er im Livestream im Internet angeschaut haben, wenn sie die Möglichkeit dazu hatten. Der normale Fernsehzuschauer erfuhr von der Medaille erst eine knappe Stunde später. Denn die ARD hatte die Entscheidung nicht live übertragen. Im Fernsehen lief zu dem Zeitpunkt erst BMX und dann Synchronsschwimmen. Beides als Aufzeichnung übrigens.

Nun ist Segeln nicht gerade die fernsehtauglichste Sportart, für TV-Zuschauer quasi eine Randsportart unter den Randsportarten. Der große Aufschrei blieb deshalb aus, nur vereinzelt wurde in den Sozialen Netzwerken Kritik geübt. Es war aber nicht das erste deutsche Highlight, das die Öffentlich-Rechtlichen in ihrer Übertragung verpassen. Als die deutschen Hockey-Herren im Viertelfinale das Spiel gegen Neuseeland innerhalb von wenigen Minuten von einem 0:2 in ein 3:2 drehten, lief in der ARD die Aufzeichnung des Tennis-Finals zwischen Andy Murray und Juan Martin del Potro.

Viele Zuschauer wünschen sich in solchen Fällen mehr Flexibilität. Eine Art Konferenzschaltung wie man sie vom Fußball kennt. Und wie sie auch bei Olympia schon zu sehen war. Zum Beispiel, als am Mittwoch parallel die Springreiter in der Mannschaft um Medaillen und die Hockey-Damen um den Einzug ins Finale kämpften und das ZDF zwischen den Wettbewerben hin- und herschaltete. ARD und ZDF verweisen auf ihre Livestreams im Netz, die in der Tat ein umfangreiches Live-Programm zu bieten haben. Doch nicht jeder schaut sich Sport gerne auf dem Tablet, Smartphone oder Laptop an. 

Und noch etwas missfällt den Zuschauern: Die ständige Frage nach dem "Live oder nicht live?". Weil es bei den Spielen in London massive Kritik an den Sender gegeben hatte, weil den Zuschauern ein Live-Charakter vermittelt wurde, auch wenn der Wettbewerb eigentlich schon gelaufen war, soll diesmal ein graphische Einblendung für Transparenz sorgen. Doch nicht jeder Zuschauer achtet darauf. Und gerade bei der Leichtathletik, bei der innerhalb des Wettkampftages noch zwischen den verschiedenen Disziplinen gezappt wird, läuft doch noch manches als live über den Sender, was in Wahrheit eine Konserve ist.

Die Einschaltquoten können sich dennoch sehen lassen. Nach einem etwas zähen Beginn zog das Interesse der Fernsehzuschauer mit den zahlreichen deutschen Medaillengewinnen in der zweiten Woche an. Abends verfolgten nach 20.15 Uhr regelmäßig mehr als fünf Millionen Fans den Kampf um Gold, Silber und Bronze. Tagsüber sowie nach Mitternacht lagen die Marktanteile zwischen 15 und 30 Prozent.

"Ich glaube, dass es uns gemeinsam mit der ARD gelungen ist, eine sehr hochwertige Berichterstattung aus Rio anzubieten", erklärte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Die Zahl der Livestream-Abrufe dürfte am Ende bei mehr als 30 Millionen liegen.

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