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Andreas Künkler im Interview
Warum ist Deutschland eigentlich so gut im Beachvolleyball?

Olympia 2016: Warum ist Deutschland eigentlich so gut im Beachvolleyball?
Andreas Künkler hat mit dem Gold-Duo Laura Ludwig und Kira Walkenhorst den Olympiasieg gefeiert. FOTO: privat
Rio de Janeiro/Düsseldorf. Der Beachvolleyball-Experte Andreas Künkler im Gespräch über das Gold-Duo Ludwig/Walkenhorst, den Trainingsstützpunkt Düsseldorf und die Frage, warum Deutschland so gut im "Beachen" ist.  Von Sebastian Bergmann

Andreas Künkler hat eine kurze Nacht hinter sich. Bis 6.30 Uhr (Ortszeit) hat er gemeinsam mit dem Trainerteam und dem deutschen Gold-Duo im Beachvolleyball, Laura Ludwig und Kira Walkenhorst, den 2:0-Sieg im Finale von Rio gefeiert. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet der Vize-Präsident Beachvolleyball im Deutschen Volleyball-Verband (DVV) über Trainingseinheiten in Düsseldorf, eine goldene Spielergeneration und er erklärt, warum die Männer wohl auch 2020 in Tokio nicht Olympiasieger werden. 

2012 holten Julias Brink und Jonas Reckermann in London Gold für Deutschland, jetzt siegten Ludwig/Walkenhorst in Rio. Warum sind die deutschen Beachvolleyballer so erfolgreich?

Andreas Künkler Einen großen Anteil daran hat sicherlich Cheftrainer Jürgen Wagner, der vor Laura Ludwig und Kira Walkenhorst auch schon 2012 das Duo Brink/Reckermann betreut hat. Zwar war das Trainerteam damals bis auf Wagner ein anderes. Aber auch für Rio 2016 hat der Cheftrainer eine ähnliche Philosophie an den Tag gelegt. Insgesamt ist es aktuell einfach eine tolle Spielergeneration im Frauenbereich. Das konnten wir in Rio sehen. Und auch in Tokio 2020 werden die deutschen Mädels wieder zu den Favoriten zählen.

Haben sie mit dem Erfolg des Duos gerechnet?

Künkler Erfolg im Sport ist nicht programmierbar. Aber dass diese beiden Olympiasieger geworden sind, ist nicht die allergrößte Überraschung. Schon in der Saison hat sich gezeigt, dass sie zur Weltspitze gehören. Es gab wohl nie einen souveräneren Olympiasieger als Ludwig/Walkenhorst. Sie haben sich von Spiel zu Spiel gesteigert und den brasilianischen Duos weder im Halbfinale noch im Finale eine Chance gelassen.

Ludwig/Walkenhorst zeigen stolz ihre Goldmedaille FOTO: dpa, hpl

Das deutsche Männer-Duo Markus Böckermann/Lars Flüggen ist in Rio leider schon in der Vorrunde ausgeschieden.

Künkler Das stimmt. Bei den Männern haben wir nicht so erfolgreich abgeschnitten, wie wir uns das erhofft haben. Jetzt müssen wir sehen, dass wir strukturell etwas ändern und eine jüngere Generation an den Leistungssport heranführen.

Gibt es ein Geheimnis für die Ausbildung des Nachwuchses?

Künkler Auf der Smart-Beach-Tour, der höchsten Turnier-Serie in Deutschland und vergleichbar mit der Fußball-Bundesliga, treten die jungen Beach-Talente schon früh gegen Erwachsene an, sammeln dort wichtige Erfahrungen. Auch wenn sie zu Beginn vielleicht die eine oder andere Niederlage kassieren.

Was macht Deutschland insgesamt besser als andere Beachvolleyball-Nationen?

Künkler Wir sind trainingswissenschaftlich sehr gut aufgestellt. Auch in Sachen Scouting oder etwa der Psychologie sind wir führend. Das macht sicherlich noch einmal ein paar Prozentpunkte aus.

Bleibt Deutschland auch in Zukunft so erfolgreich?

Künkler Im Männerbereich ist uns die goldene Spielergeneration altersmäßig weggebrochen. Jetzt muss es unser Ziel sein, Talente zu entdecken, entsprechend zu fördern und an den Spitzensport heranzuführen. Aber der Rückstand zur Weltspitze ist nicht mal eben aufgeholt. Auf dem Level müssen wir Geduld haben.

Ludwig/Walkenhorst krönen sich mit Goldmedaille FOTO: afp

Klappt das schon bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio?

Künkler Sicherlich wollen wir mit den Männern dort besser abschneiden als in Rio. Aber Olympiasieger werden wir auch dort wahrscheinlich nicht. Da haben wir eher die Spiele 2024 im Blick.

Und bei den Frauen?

Künkler Dort ist die Situation eine andere. Die aktuelle Spielergeneration, die in Rio so erfolgreich war, wird wahrscheinlich weitermachen. Auch unser zweites in Brasilien angetretenes Frauen-Duo, Britta Büthe und Karla Borger, hat es ja bis ins Achtelfinale geschafft. Zudem gibt es einige deutsche Talente, die großes Potenzial haben und 2020 schon spielen könnten.

Wie trainieren Beachvolleyballer in Deutschland und wie läuft das im Winter?

Künkler Trainiert wird immer in Blöcken über mehrere Tage und zumeist am Bundesstützpunkt in Hamburg. Da unser Cheftrainer Jürgen Wagner aber aus Moers kommt, wird im Winter auch oft in der Halle Mensch in Düsseldorf trainiert. Im Frühjahr stehen dann mehrere Auslandstrainingslager an. Dann geht es auf die Kanaren und nach Übersee. Im Sommer bleibt dann kaum noch Zeit für richtiges Training, da die Spieler viele Wettkämpfe bestreiten.

Sind die deutschen Beachvolleyballer Profis?

Künkler Ja, sonst hätten wir im internationalen Vergleich keine Chance. Der eine oder andere macht vielleicht noch ein Fernstudium, aber mehr ist auch in diesem Sport nicht drin. Das ist in etwa seit Sydney 2000 so der Fall.

Wann geht es für Sie zurück nach Deutschland?

Künkler Fast das ganze Betreuerteam reist bereits heute gemeinsam ab. Für Laura Ludwig und Kira Walkenhorst geht's dann am 21. August mit dem Siegerflieger zurück in die Heimat. Am 22. August werden die beiden dann mit den anderen deutschen Olympioniken in Frankfurt empfangen.

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