| 18.35 Uhr

Begeisterung für die Brasilianer
Olympia ist ein Gefühl

Olympia ist ein Gefühl
Für die Fans ist Olympia ein Fest. FOTO: afp
Meinung | Düsseldorf. Wochenlang habe ich mich durch die Bösartigkeiten des Sport-Geschäfts geplagt, mit tiefem Abscheu Dopinggeschichten gelesen und angewidert neue Enthüllungen über den Korruptionssumpf verfolgt, in dem die große Sportpolitik feststeckt. Natürlich wollte sich da kein Gefühl zu den Olympischen Spielen einstellen, zu dieser im Gigantischen und in Künstlichkeit erstickenden Großveranstaltung. Von Robert Peters

Und dann ertappe ich mich mitten in der Nacht bei der Eröffnungsfeier vor dem Fernseher bei einem Anfall von Rührung und leiser Begeisterung für die Brasilianer und am Ende auch für die Spiele. Die schlimmen Begleiterscheinungen, die teilweise gewaltsamen Umsiedlungen ganzer Wohngebiete, die kühle Berechnung, die hinter den schönen Bildern steckt, habe ich nicht vergessen. Ich trage sie im Kopf, im Hinterkopf, wie man so klug sagt, aber sie wollen jetzt nicht in den Bauch.

Das Gefühl sagt: Genießen. Es sagt nicht: Vergessen. Es ist nichts weniger als die Sehnsucht nach dem Schönen, das in der olympischen Idee steckt. Diese Sehnsucht ist der Grund dafür, dass Menschen trotz aller politischen Verheerungen um sie herum ins Stadion ziehen, Nächte vor dem Fernseher verbringen, mit vor Nervosität schweißnassen Händen Schwimmvorläufe über sich ergehen lassen, mit Tränen in den Augen den Einzug einer Mannschaft aus Flüchtlingen bejubeln oder zwei Wochen lang Fachleute in Sportarten werden, die sie vier Jahre lang nicht wiedererkennen.

Manchmal ist dieses Olympia doch ein Fest. Es hat viel mit dem Wort "trotzdem" zu tun. Es ist eine Entscheidung für ein gutes Gefühl und ein paar Meter Abstand von der hässlichen Wirklichkeit. Die holt einen früh genug wieder ein.

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