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Olympische Spiele
Ausrichter sein ist alles

Olympische Spiele: Ausrichter sein ist alles
Olympiavergaben und ihre Geschichten (v.l.im Uhrzeigersinn): Quarantäne versetzt die Reiter ans andere Ende der Welt, einmal sind fünf Wahlgänge nötig, manche Stadt trifft bei der ersten Bewerbung ins Schwarze, andere trotz mehrerer nie, und einmal beeinflusst ein Vulkanausbrucvh die Vergabe. FOTO: Ferl
Düsseldorf. Am 13. September werden die Olympiastädte 2024 und 2028 benannt. Paris und Los Angeles dürfen mit dem Zuschlag rechnen. So vorhersehbar waren Olympiavergaben indes nicht immer, wie ein Blick in die Historie beweist. Von Stefan Klüttermann

Am kommenden Mittwoch findet in Perus Hauptstadt Lima die 130. Session des Internationalen Olympischen Komitees statt. Dort stimmen 95 Delegierte über den Ausrichter der Olympischen Sommerspiele 2024 und 2028 ab. Die Abstimmung wird indes zur Formalie, denn die einzigen Bewerber, Paris und Los Angeles, haben sich im Vorfeld bereits untereinander verständigt: Paris soll 2024 zum Zug kommen, vier Jahre später dann Los Angeles.

Doch nicht immer in der Geschichte der Sommerspiele war die Wahl des Austragungsortes so vorhersehbar. Im Gegenteil. Seit der ersten Vergabe 1894 hat sich einiges an Kuriositäten, Erfolgsgeschichten und Enttäuschungen angesammelt.

Wie der Vesuv Roms Ambitionen stoppte Dreimal verhinderten Kriege Olympia. 1916 sollten sie in Berlin stattfinden, fielen aber wegen des Ersten Weltkriegs aus. 1940 waren Spiele in Helsinki, 1944 in London geplant, beide waren wegen des Zweiten Weltkrieges undenkbar. Helsinki hatte die Spiele nur erhalten, weil Tokio sie wegen des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges zurückgeben hatte. Dass Olympia indes 1908 nicht wie geplant in Rom stattfinden konnte, war einer Naturkatastrophe geschuldet. Am 7. April 1906 brach der Vesuv aus, und die geplanten Gelder für das sportliche Großereignis flossen in den Wiederaufbau der Vororte von Neapel.

Warum australische Quarantäne Reiterspiele in Schweden erforderte 1956 fanden die Spiele in Melbourne und damit erstmals außerhalb von Europa und den USA sowie erstmals auf der Südhalbkugel statt. Allerdings durften die Reiter an dieser Premiere nicht teilnehmen. Die strengen Vorschriften in Australien hätten dazu geführt, dass alle für Olympia vorgesehen Pferde ein halbes Jahr in Quarantäne gemusst hätten. Die Konsequenz: Vom 10. bis 17. Juni nahmen 164 Sportler aus 29 Ländern in Stockholm an den "Reiterspielen der Spiele der 16. Olympiade" teil. Dieser Vorgang wiederholte sich 2008 in Peking, als die Reiter 2000 Kilometer Luftlinie entfernt in Hongkong antraten.

Einmal waren fünf Wahlgänge nötig Bei der Vergabe der Spiele 1936 nach Berlin konnten die IOC-Mitglieder erstmals zwischen mehreren Bewerbern wählen. Achtmal fiel seitdem die Entscheidung im ersten Wahlgang, fünfmal war ein zweiter nötig, bis eine Stadt die absolute Mehrheit an Stimmen auf sich vereinen konnte. In drei Fällen gab es drei Wahlgänge, in vier Fällen vier. Nur einmal bedurfte es fünf Abstimmungen. Beim IOC-Kongress 1990 in Tokio, auf dem die Spiele von 1996 vergeben wurden, war Athen der große Favorit, weil hier 100 Jahre zuvor die ersten Spiele der Neuzeit stattgefunden hatten. Aber am Ende setzte sich Atlanta durch.

Die zwei Erfolglosesten Buenos Aires und Detroit nehmen den exponierten Platz als erfolgloseste Bewerber ein. Sowohl die argentinische Hauptstadt als auch die Auto-Metropole der USA versuchten siebenmal, Spiele auszurichten und scheiterten genauso oft. Buenos Aires zuletzt 2004, Detroit zuletzt 1972. Paris und Athen bewarben sich ebenfalls siebenmal, richteten aber zweimal die Spiele aus. Rom kommt bei sieben Bewerbungen auf immerhin einmal, 1960, Olympische Spiele in der Ewigen Stadt.

Vier Städte waren One-Hit-Wonder Das Gegenteil von Detroit und Buenos Aires - eine Bewerbung mit promptem Zuschlag -, diese 100-Prozent-Erfolgsquote können nur vier Städte vorweisen: München 1972, Seoul 1988 und Sydney 2000. Antwerpen bekam den Zuschlag 1920, weil es der Wunsch von Baron Pierre de Coubertin, dem Begründer der Spiele der Neuzeit, war. Coubertin wünschte sich mit Belgien ein Gastgeberland, das im Ersten Weltkrieg besonders schwer gelitten hatte. Markante Missverhältnisse zwischen der Anzahl der Bewerbungen und der Zahl der Zuschläge verzeichnen Rom (7 zu 1), Amsterdam (6/1), Rio de Janeiro, Montreal und Berlin (je 5/1). Los Angeles kommt mit dem erwarteten Ja für 2028 auf dann 13 Bewerbungen und drei Olympische Spiele.

19 Bewerbungen wurden für zu leicht befunden Manche Bewerbungen sortierte das IOC schon aus, bevor die Abstimmung überhaupt losging, weil sie die Anforderungen an eine Olympiastadt nicht erfüllten. Rio, Havanna, Istanbul, Baku/Aserbaidschan und Doha/Katar traf dieses Bannschwert schon zweimal, Leipzig (2012) ist eine der neun Städte, die das IOC je einmal ausbremste.

Quelle: RP
 
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