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Olympische Spiele
Bei Eurosport sitzen Sie in der ersten Reihe

Die Top Ten der TV-Quoten
Die Top Ten der TV-Quoten FOTO: afp
Düsseldorf. Die Olympischen Spiele 2018 bis 2024 werden nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen sein. Stattdessen wird der Privatsender Eurosport die Wettkämpfe übertragen. Von Joris Hielscher

Gestern um 11.30 Uhr ging eine Ära zu Ende. Seit der Gründung der ARD 1950 wurden die Olympischen Spiele im Ersten, und später auch im Zweiten Deutschen Fernsehen übertragen – das größte Sportfest der Welt gehörte quasi zur Grundversorgung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Doch damit ist nun Schluss. Am Mittag gab der US-amerikanische Medienkonzern Discovery die Mitteilung heraus: "Eurosport wird das exklusive Zuhause der Olympischen Spiele in Deutschland."

Das bedeutet: Die monatelangen Verhandlungen zwischen Discovery sowie ARD und ZDF sind gescheitert. Der Medienkonzern, für seinen Pay-TV-Sender Discovery Channel bekannt, hatte sich 2015 die europäischen TV-Rechte an den vier Olympischen Spiele von 2018 bis 2024 gesichert und Sublizenzen an öffentlich-rechtliche Sender zum Beispiel in Großbritannien, Österreich und der Schweiz verkauft. In Deutschland ist es dagegen am Geld gescheitert. Berichten zufolge sollen ARD und ZDF für die Übertragungsrechte bis 2024 rund 200 Millionen Euro geboten, Discovery aber 300 Millionen Euro verlangt haben. "Wir sind Discovery bis an unsere Schmerzgrenze entgegengekommen", sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut. Die öffentlich-rechtlichen Sender seien "zu wirtschaftlichem Umgang mit Beitragsgeldern verpflichtet", sagte Ulrich Wilhelm, Sportrechte-Intendant der ARD.

Wo können Zuschauer Olympia sehen?

Die kommenden Olympischen Spiele werden bei kleinen Spartensendern zu sehen sein, die zu Discovery gehören. Eurosport 1 wird Live-Bilder im Free-TV zeigen, ergänzt mit zusätzlicher Berichterstattung von DMAX. Der Bezahlsender Eurosport 2 will zusätzlich exklusive Inhalte anbieten. Die olympischen Wettbewerbe können auch im Internet über die gebührenpflichtige Online-Plattform Eurosport Player verfolgt werden.

Welche Wettbewerbe sind nicht im Free-TV zu sehen?

Welche Entscheidungen im Free-TV und welche kostenpflichtig übertragen werden, gibt Discovery noch bekannt. "Die größten Momente und die deutschen Medaillenentscheidungen werden bei Eurosport im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein", versichert aber der Konzern. Dennoch wird Discovery versuchen, seine Kosten über zusätzliche Pay-TV-Kunden bei Eurosport 2 und über zahlende Online-Nutzer, die auf das volle Olympia-Programm zugreifen wollen, zu refinanzieren. Daher ist zu erwarten, dass einige attraktive Wettbewerbe nur hinter der Bezahlschranke zu sehen sein werden. Bislang kostet der Zugang zum Eurosport Player 60 Euro im Jahr oder sieben Euro im Monat.

Wie viel Olympia wird im Fernsehen zu sehen sein?

Aus Rio de Janeiro übertrugen ARD und ZDF rund 300 Stunden live. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verlangt, das von den Winterspielen 100 Stunden im frei empfangbaren Fernsehen übertragen werden. Bei Sommerspielen sind es 200 Stunden. Eurosport sicherte zu, dass diese Vorgaben übertroffen werden, ohne konkreter zu werden.

Was wird sich in der Berichterstattung ändern?

Seit über 25 Jahren überträgt Eurosport eine Vielzahl von Sportarten - der Sender war nie so fussballfixiert und hat schon immer eine große Bandbreite des Sports abgebildet. Zudem verfügt er über Fachleute, bei der weniger der Name als die Kompetenz zählt, und über angesehene Kommentatoren wie zum Beispiel Sigi Heinrich. Es ist zu erwarten, dass der Sport stärker im Vordergrund stehen wird. Beiträge zu Geschichte, Politik und Gesellschaft des Ausrichterlandes wird es eher nicht geben, dafür fehlt dem Sender schlicht das Personal. Zudem kommen kritische Stimmen zur Sportpolitik oder zum Doping kaum zu Wort.

Was wird sich bei Eurosport ändern?

Eurosport-Chef Peter Hutton hat erhebliche Investitionen versprochen. Das ist auch notwendig, zum Teil berichten die Kommentatoren nicht vor Ort, und die Tonqualität genügt nicht immer höchsten Ansprüchen.

Quelle: RP
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