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Überraschender Rechte-Deal
Olympia in Hamburg ohne ARD und ZDF?

Olympische Ringe in Rio feierlich enthüllt
Olympische Ringe in Rio feierlich enthüllt FOTO: afp, va/pa
Düsseldorf. Das IOC hat die Übertragungsrechte für die Spiele 2018 bis 2024 überraschend an Eurosport vergeben. Um das Sportfest in neun Jahren will sich die Hansestadt bewerben. Wir beantworten die wichtigsten Fragen um den überraschenden Deal. Von Martin Beils

Das Mutterhaus des Sportsenders Eurosport, das US-Unternehmen Discovery, hat sich die Übertragungsrechte für fast ganz Europa an den Olympischen Spielen 2018 bis 2014 gesichert. ARD und ZDF waren bisher der Dauer-Partner des IOC. Sie berichten auch 2016 von den Sommerspielen in Rio.

Warum hat sich das IOC von ARD und ZDF abgewendet?

Vermutlich weil Discovery am besten zahlt. 1,3 Milliarden Euro springen für das überaus geschäftstüchtige IOC bei diesem Geschäft heraus. ARD und ZDF sicherten sich vor vier Jahren die Lizenzrechte für Olympia zum ersten Mal direkt beim IOC, weil die Olympia-Bosse die Rechte für den deutschen Markt nicht mehr an den europäischen Senderverbund European Broadcasting Union verkaufen wollten. Im Vergleich zu den US-Rechten sind die für Europa noch günstig. NBC bezahlt für die Spiele von 2014 bis 2020 rund vier Milliarden Euro und für die von 2022 bis 2032 weitere zehn Milliarden.

Gehen ARD und ZDF leer aus?

Wohl kaum. Es wird zu Verhandlungen über die Weitergabe eines Teils der Rechte kommen. "Die Rechte sind im Moment exklusiv in den Händen von Discovery Communications und Eurosport. Aber sie sind bereit, Verhandlungen aufzunehmen über Abkommen mit anderen Übertragungsanstalten", sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Interessant wird, welche Filetstücke Discovery behalten will, um seinen im vergangenen Jahr übernommenen Sender Eurosport zu stärken und welche zur Refinanzierung des Mega-Deals weiterverkauft werden.

Hat der TV-Zuschauer Nachteile?

Wohl kaum. Er wird sich nur daran gewöhnen müssen, die kompletten Spiele nicht bei einer Senderfamilie sehen zu können. Die technischen Standards werden nicht sinken, die journalistischen erst recht nicht. Namhafte Kommentatoren, Moderatoren und Experten werden wie eine Karawane zum übertragenden Sender weiterziehen. Dass die gebührenfinanzierten Sender nicht wieder horrende Summen für Sport-Rechte ausgeben, dürften auch vielen gefallen.

Was haben ARD und ZDF für Olympiaübertragungen zuletzt bezahlt?

Von den 17 olympischen Wettkampftagen in London haben die Sender vor drei Jahren 900 Stunden berichtet (inklusive Sendungen im Internet). Die Produktionskosten lagen bei 20 Millionen Euro. 480 Mitarbeiter waren im Dienst. Die Übertragungsrechte für London 2012 und die Winterspiele 2010 in Vancouver kosteten ARD und ZDF zusammen 85 Millionen Euro. Für die Fußball-WM in Brasilien und die EM 2016 in Frankreich zahlten sie das Vierfache.

Kann jeder Eurosport sehen?

Der Europäische Gerichtshof hat 2013 entschieden, dass Ereignisse "von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung" im frei empfangbaren TV zu sehen sein müssen. Das gewährleistet Eurosport. In Deutschland wird das erste Programm des Senders in die Kabelnetze gespeist und kann über Satellit ohne Zusatzkosten empfangen werden. Eurosport 2 ist in Deutschland ein Pay-TV-Sender. In vielen Teilen Europas hat Eurosport Kanäle, die nur gegen Bezahlung zu sehen sind.

Geht es nur ums Fernsehen?

Nein. Es geht vor allem auch um die Verbreitung über mobile Geräte. Das lässt J. B. Perrette, Präsident von Discovery Networks International, erkennen, wenn er selbstbewusst sagt: "Die beispiellosen technischen Möglichkeiten von Eurosport sind ein wichtiger Sieg für alle Sportbegeisterten: Wir sind in der Lage, die Olympischen Spiele in 50 Länder, in 20 Sprachen und über diverse Plattformen zu übertragen." Das Unternehmen verfüge "über einzigartige Möglichkeiten, um die Olympischen Spiele auf noch mehr Bildschirme zu bringen als je zuvor".

Welche Besonderheiten gibt es bei den Olympischen Spielen 2018 bis 2024?

Die Winterspiele 2018 (Pyeongchang) und 2022 (voraussichtlich Peking) und die Sommerspiele 2020 (Tokio) finden in Fernost und damit in für den europäischen TV-Markt ungünstigen Zeitzonen statt. Viele Wettkämpfe laufen nach Mitteleuropäischer Zeit nachts oder morgens. Interessant ist allerdings der Blick auf 2024. Hamburg will eine Bewerbung einreichen, falls sich die Bürger im Spätherbst dafür aussprechen.

Wie reagierten ARD und ZDF?

Verschnupft. In einer ersten Reaktion hieß es, dass ARD und ZDF "ein angemessenes Angebot abgegeben" hätten. Man sei langjähriger Partner des IOC und berichte nicht nur bei den Olympischen Spielen, sondern auch in den Jahren zwischen den Spielen kontinuierlich über olympische Sportarten. "Damit tragen ARD und ZDF in wesentlichem Maße zur Popularisierung der olympischen Sportarten bei." Bestandteil des neuen Eurosport-/IOC-Vertrags ist auch ein Olympiakanal, der zwischen den Spielen senden soll.

Wie geht es anderen Sendern?

Auch die BBC, für die es in dem Geschäft um die Spiele ab 2020 geht, ist vergrätzt. Der traditionsreiche britische Sender rühmt sich - ganz zu Recht -, 2012 in London als gastgebender Sender Maßstäbe gesetzt zu haben.

Quelle: RP
 
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