| 08.05 Uhr

Paralympics-Siegerin
Bei der Hymne vergaß Vanessa Low den Text

Die deutschen Medaillen-Gewinner
Die deutschen Medaillen-Gewinner FOTO: dpa, jbu
Rio de Janeiro. Sie hatte den Text der Nationalhymne vergessen, weiß nicht wohin mit dem neuen Tattoo und ärgerte sich über den verpassten Fabel-Rekord: Nach einem eigentlich perfekten Abend waren Vanessa Low ein paar Problemchen völlig egal.

Grundsätzlich hatte an diesem Samstagabend im Olympiastadion von Rio "alles gepasst" für die 26-Jährige. Sie gewann die erlösende Paralympics-Goldmedaille im Weitsprung, sprang zweimal Weltrekord und wurde zum Liebling der brasilianischen Fans.

"Ich hätte nicht gedacht, dass die Leute so anspringen", sagte Low sichtlich bewegt über die Zuneigung der Carioca, die sie vor jedem Sprung so euphorisch anfeuerten wie sonst nur ihre Lokalmatadoren - und bei der Landung in der Grube lautstark jubelten: "Ich habe einfach nur geklatscht und gewunken - und bin weit gesprungen."

Ihren Weltrekord von 4,79 m hatte sie schon im zweiten Versuch auf 4,88 m verbessert, im dritten dann schließlich auf 4,93 m. "Gold und Weltrekord - mehr kann man sich eigentlich nicht wünschen", meinte die Leverkusenerin. Eigentlich.

"Die sieben Zentimeter hätte ich gerne noch gehabt", sagte Low mit Blick auf die magische und bis zum Wettkampf eigentlich nicht für möglich gehaltene Fünf-Meter-Marke. Die sie eigentlich sogar geknackt hätte: "Aber leider bin ich bei meinem weitesten Sprung mit der Feder nach hinten abgerutscht."

Viele Abstriche für den Traum vom Gold

Es war allenfalls ein Schönheitsfehler einer Demonstration ihrer Ausnahmestellung, die sie sich trotz aller widrigen Umstände erarbeitet hat. "Es war die Belohnung für viele Jahre", meinte die in den USA trainierende Norddeutsche, deren Freund Scott Reardon in Australien lebt: "Ich habe viele Abstriche gemacht, war auch weit weg von meiner Familie und meinem Freund."

Als sie wenige Minuten nach Ende des Wettkampfs auf dem Siegerpodest stand, "ist das ganze Drumherum von mir abgefallen". Die Nationalhymne sang sie zu Beginn voller Inbrunst mit, "doch dann dann habe ich einfach den Text vergessen". Statt "sind des Glückes Unterpfand" sang Low ein zweites Mal "für das deutsche Vaterland". Aber das "war mir dann auch egal", versicherte sie. Als sie den Fehler bemerkte, hatte sie schlagartig aufgehört zu singen.

Klären muss sie aber in den kommenden Wochen die Frage, auf welche Stelle ihres Körpers sie sich die Unterschrift ihres Trainers Roderick Green stechen lässt. Dass sie es tun wird, ist sicher. "Ich habe das versprochen, und daran halte ich mich auch", stellte Low klar: "Ich muss mir aber noch überlegen, wo ich es hinmache. Klar ist: Ich habe in dieser Frage das letzte Wort."

Nach dem frustrierenden sechsten Platz bei den Paralympics von London 2012 hatte sie eigentlich mit dem Sport aufhören wollen. Green, Ehemann ihrer ehemaligen Kollegin Katrin Green, hatte sie daraufhin überredet, bei ihm in den USA zu trainieren. "Er hat gesagt, dass er mich zu Gold trainieren kann", sagte Low: "Weil wir das geschafft haben, und weil er mich auch als Person extrem weiterentwickelt hat, hat er dieses Tatoo absolut verdient."

(sid)
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